Verfasst von: Juli. | 19. Dezember 2016

Brauchen wir Kunst?

Eines Morgens lag ein Flyer auf meinem Schreibtisch; Informationen über die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum „Der figurative Pollock“. Obwohl mir der Name nichts sagte, hat mich das darauf abgebildete Bild sofort angesprochen. Meine Kollegin, die eine starke Beziehung zur Kunst hat (Ihr Vater ist Intendant am Theater, ihr Bruder Künstler und sie kritzelt ganz gut Dinge aufs Papier wenn sie bei der Arbeit mal nicht weiterkommt oder eine mentale Pause braucht.), wollte mich auffordern mal wieder ins Kunstmuseum zu gehen. Recht hatte sie, denn auch nach über zwei Jahren war ich noch nie dort gewesen. Einmal hatte ich es versucht, doch da war das Museum aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen gewesen.

Sie versuchte meinen Mitbewohner zu überzeugen, aber der war laut eigener Aussage noch nie in einem Kunstmuseum und hatte auch nicht vor eines zu betreten. Sie war leicht erschüttert. Ich kannte seine festgefahrene Sturheit und wusste, dass eine Diskussion zwecklos ist. Dennoch fragte ich mich, ob man nicht mindestens einmal im Leben ein Kunstmuseum besucht haben sollte?

Ich gehe gern in Museen, das Thema spielt dort kaum eine Rolle. Ich war im Louvre doch habe schnell festgestellt, dass das nicht meine Art der Kunst ist. Antike Skulpturen finde ich langweilig und diese überschwänglichen imposanten riesigen Gemälde sind mir meist zu düster. Ich finde sie wenig interessant, wobei es sehr wohl beeindruckend ist, wie real und detailgetreu Künstler schon vor Jahrhunderten malten. Ich allerdings mag nicht das Abendmahl, sondern verliere mich eher in Landschaften, die aussehen als würde ich selbst auf die Berge schauen. Ich mag Fotografien und wundere mich oft, warum genau dieses oder jene (für mich so unspektakuläre) Bild es ins Museum geschafft hat. Ich schwöre auf Surrealismus und Expressionismus; mag klare Linien oder Formen der modernen Kunst und finde es spannend wenn verschiedenste Materialien auf derselben Leinwand verarbeitet werden.

Doch wer noch nie in einem Kunstmuseum war, hat er das Recht zu sagen, er mag keine Kunst? Wenn man dem noch nicht einmal eine Chance gegeben hat? Vielleicht gibt es irgendwo doch ein Kunstwerk (sei es ein Gemälde, eine Skulptur oder eine Zeichnung), welches einen sprachlos macht und von dem man den Blick nicht lassen kann.

Ich selbst fühle mich zur Kunst verbunden. Ich habe unglaublich viel Spaß wenn ich etwas Kreatives mache. Sei es fotografieren oder etwas mit meinen eigenen Händen schneiden, malen, kleben, falten, nähen, häkeln, töpfern, hämmern, sägen,… oder mich einfach nur bei einem Stadtspaziergang in der Architektur verlieren.

Ich habe es aufgegeben, meinen sturen Mitbewohner zu überzeugen. Und so stand ich nun an einem Samstagmittag allein im Kunstmuseum und starrte auf die Buntstiftkritzeleien von Pollock. Diese waren ohne Frage immer noch besser als ich das hinbekommen hätte, aber dennoch waren einige so skizzenhaft, fast laienhaft. So etwas hätte ich auch noch in einem Ordner meiner gesammelten Werke. Ich versank vor dem Spielfilm, der sein Leben portraitierte. Ein weiterer Künstler, der seinen Verstand verlor und viel zu jung starb. Er steht für die Erfindung des Actionpaintings, die Art von Kunst in der Farbe wild auf die Leinwand getropft, gegossen, gespritzt oder geworfen wird; ebenso das das Malerwerkzeug nie die Leinwand berührt. Alles wirkt chaotisch und dennoch hat er vielleicht jeden Spritzer genau bedacht. Genau vor diesem Chaos könnte ich dann stundenlang sitzen und mich darin verlieren.

Ein Besuch im Kunstmuseum gibt mir Kraft und inspiriert mich. Ich philosophiere welche der Bilder ich in meinen eigenen vier Wänden schön finden würde und an welchen Stil ich mein nächstes Bild anlehnen könnte. Wenn ich dann in den modernen Kunstmuseen der Welt manchmal einfach eine blaue Neonröhre als Kunstwerk hängen sehe, glaube ich die Menschheit ist dumm und verrückt zugleich und sehe gleichzeitig den Beweis, dass man es mit allem schaffen kann, dass wir uns mehr zutrauen sollten und den Glauben an uns selbst und an alles was wir machen nicht verlieren sollten.

dsc04396_smallKunst oder Fehlgriff? Sonnenaufgang auf Durchreise in Berlin.

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