Verfasst von: Juli. | 30. November 2016

Unbeschwert

Drei Wochen besitze ich jetzt schon kein Mobiltelefon mehr. Ein paar Nachrichten habe ich noch verschickt. Kein Panisches „Mein Ladegerät wurde gestohlen und ich bin gleich wahrscheinlich nicht mehr erreichbar“, sondern eher im Style von „Der Urlaub war schön und jetzt sind wir auf dem Rückweg. Du musst unbedingt mal nach Südfrankreich!“ beziehungsweise „Komme erst morgen zurück. Es wird noch eine lange Nacht. Kannst du deinen Schlüssel im Briefkasten lassen?“ Dann war der Akku leer, die Nacht schon stockfinster und die Autofahrt noch lang.

Ab dem darauffolgenden Tag schrieb ich Emails, um Verabredungen zu treffen oder klopfe direkt an die Bürotür meiner Kollegen. Ich bemühte mich mehr wieder pünktlich zu sein und hatte kein schlechtes Gewissen, wenn ich doch etwas später kam und ich immer noch freudig erwartet wurde.

Ich versuchte den Laden zu finden, in dem sonst immer so viel Elektroschrott verkauft wurde. Wahrscheinlich hat es sich nicht rentiert, denn jetzt ist dort nur noch ein Internetcafé. Jeder meiner Freunde hatte plötzlich ein altes Smartphone für mich. Aber ich lehnte nur ab. Das wäre jetzt vielleicht der richtige Moment auf ein Smartphone umzusteigen, aber ich habe einfach keine Lust darauf. Außerdem habe ich doch nur keinen Strom, ansonsten funktioniert alles wie zuvor.

Plötzlich fragen mich die Leute, warum ich gerade kein Handy habe und wie ich damit klar komme. Warum erwartet eigentlich jeder, dass ich rund um die Uhr erreichbar bin? Manchmal empfinde ich das als Last. Es ist ja nicht so als würde mein Handy sonst stündlich klingeln doch es ist schön mal nicht erreichbar zu sein. Wenn ich irgendetwas vibrieren höre, muss ich nicht panisch in der Tasche wühlen, denn mein Mobiltelefon ist es sicherlich nicht. Nur eine Armbanduhr muss ich jetzt wieder häufiger tragen.

Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass mein Mitbewohner ein passendes Ladekabel hat und mein Handy mal wieder mit Strom versorgt. Es sieht so aus als wäre ich zurück in der Welt, in der man immer erreichbar ist. Vielleicht nur vorübergehend, vielleicht auf Dauer – ich weiß es nicht.


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