Verfasst von: Juli. | 25. Oktober 2016

Unterschwellig

Oktober 2016, ein weiteres Jahr ist vergangen seit dem ich hier bin. Zwei Jahre sind es nun schon.

Immer wieder fragen mich Freunde oder Verwandte, ob ich etwas spüre von der Unbeliebtheit von Ausländern in diesem Land. Ich sage dann oft „Nein“, denn im Dreiländereck verschwimmen die Grenzen und es ist ungewiss, wer wo wohnt und wer nur ein Tourist ist. Ich selbst habe zumindest nie eine Art der Diskriminierung wahrgenommen, aber viele Geschichten gehört von meist afrikanisch stämmigen Personen (oder Personen, die zumindest so aussehen), die fast täglich irgendwo ihre Papier vorzeigen müssen. Auch Deutsche sind angeblich nicht besonders beliebt, denn sie nehmen den Schweizern in Scharen die Arbeitsplätze weg. Das stimmt wahrscheinlich auch in vielen Bereichen. Schweizer Studenten zum Beispiel würden für den Lohn von dem deutsche Doktoranden nur träumen niemals eine Dissertation anfangen, wenn sie nicht wirklich an der Forschungsarbeit interessiert sind. Für ein Praktikum im Bundesamt für sowieso bekommen sie hier stattdessen geregelte Arbeitszeiten und mehr als ein Doktorandengehalt. Über die Gehälter in der freien Wirtschaft möchte ich gar nicht erst spekulieren. Klar ist jedoch auch, dass die Schweizer Wirtschaft ohne die zahlreichen arbeitswilligen Ausländern schon längst stehen geblieben wäre. Sie brauchen uns, aber wollen es nicht zugeben.

Oktober 2016, das heißt auch, dass ich wieder eine neue Aufenthaltsbewilligung benötige. Ausländerausweis heißt das hier. Allein den Name finde ich schon diskriminierend. Seit heute würde ich auch ganz klar sagen, dass ich Diskriminierung erfahren habe. Meine neue Aufenthaltsbewilligung ist eingetroffen. Erneut ist sie wieder nur ein Jahr gültig. Erneut will das Amt für Migration natürlich auch wieder Geld von mir. Es ist keine Unsumme (vielleicht habe ich mich auch einfach schon an das Preisniveau hier gewöhnt), aber es summiert sich über die Jahre. Ein Jahr?! Und das obwohl mir mit einem Arbeitsvertrag von mehr als 365 Tagen offiziell eine Bewilligung für fünf Jahre zusteht. Nach einem Anruf beim Amt leiert der Mitarbeiter seine Floskeln herunter, dass das alle Angestellte an der Universität betrifft. Ich weiß jedoch, dass das so nicht stimmt. Ich kenne mindestens vier Personen, die trotz selben Arbeitsbedingungen wie ich eine Bewilligung für fünf Jahre bekommen haben. Als ich ihn darauf anspreche, fragt er seinen schlauen Computer. Die eine Bescheinigung wurde in einem anderen Kanton ausgestellt. Das ist ihre Sache, wie die das dort machen. Die zweite Bescheinigung war für eine Tschechin. Das muss wohl ein Versehen gewesen sein. Das machen wir nie so. Die dritte und vierte beide ebenfalls für fünf Jahre – das war dann wohl erneut ein Versehen? Ach, die gingen beide an Engländer, antwortet er ganz überrascht als ob das eine Erklärung wäre. Und ich, ich komme aus Deutschland (was er natürlich an meinem Hochdeutsch schon längst erkannt und in seinem schlauen Computer einsehen konnte) und deswegen steht mir keine Bewilligung für fünf Jahre zu? Darauf folgt eine Abspeisung mit sich wiederholenden Floskeln.

Mir fällt die Kinnlade hinunter und ich weiß nicht, ob ich noch an Zufall oder Amtsversagen glauben soll…

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Responses

  1. Wow, das hört sich furchtbar an. Papierkrieg und Beamtenblabla ist aber auch nervig!


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