Verfasst von: Juli. | 12. August 2016

Karoo Winters

Die Sonne steht hoch und doch ist das Licht weich. Alles wirkt irgendwie ausgeblichen. Das Gras ist gelbgrün, die sandfarbenen Gräser wehen im Wind, die Weiden stehen nackig und hellgrau ohne Blätter in der Gegend herum. Nur wenige Blätter sind noch an den Büschen.

In der Sonne ist es warm. Viel wärmer als das Thermometer behauptet. Doch dann ist die Sonne hinter dem Hügel verschwunden und alles geht ganz schnell. Mit jeder Minute wird es dunkler und kälter. Meine Füße sind kalt und ich tanze durch die Landschaft in der Hoffnung mich warm zu halten und die Zeit bis zum Ende der Messungen schneller vergehen zu lassen. Als alles vorbei ist, ist es stockfinster. Immerhin steht der Mond hoch am Himmel und leuchtet den Weg zum Auto. Meine Stirnlampe habe ich schon für den nächsten Trip gepackt und zu Hause vergessen. Das Thermometer im Auto zeigt +2°C und es ist gerade einmal 18:30. Ich wünschte ich hätte dickere Handschuhe eingepackt. Eigentlich wünsche ich mir gerade irgendwelche Handschuhe, denn meine liegen im Haus. Ich wünschte mir lange Unterhosen – die habe ich naiv wie ich war gleich ganz zu Hause vergessen. Und ich will endlich beheizbare Schuhsolen!

Im Haus angekommen, ist es nicht viel wärmer. Die Fenster sind nur einfach verglast, statt einer Heizung gibt es drei Kamine. Wir befeuern gleich alle drei, um die Raumtemperatur wenigstens um ein paar Grad anzuheben. Einen fühlbaren Temperaturunterschied merken wir jedoch nur genau vor dem Feuer sitzend. Ich wage mich noch einmal hinaus. Draußen herrscht Stille und ich bestaune den Sternenhimmel. Hier mitten in der tiefsten Karoo ist die einzige Lichtverschmutzung der Mond. Die Milchstraße mit Abertausenden von Sternen genau über uns. Daneben die Magellanwolken. Der Himmel tiefschwarz, wenn der Mond nicht wäre. Als ich meine Finger nicht mehr spüre und dadurch die Bedienung der Kamera immer schwieriger wird, lasse ich die Nacht allein.

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Auf den Betten liegen Heizdecken und auch wenn das irgendwie nach einer Erfindung für Rentner klingt, bin ich so froh über diese Erfindung! Sich in ein vorgewärmtes Bett legen zu können, während der ganze Körper vor Kälte zittert, macht das Einschlafen wesentlich erträglicher.

Am nächsten Morgen ist es immer noch kalt im Haus. Zum Frühstück verziehen wir uns wieder an den Kamin. Wir wärmen unsere Mägen mit Porridge und unsere Hände an den heißen Teetassen. Draußen ist es noch kälter. Das Thermometer sagt -6°C! Die Landschaft glitzert im ersten Sonnenlicht wie von Feenstaub bedeckt. Die Luft ist klar und kühl. Nur eine Stunde später wärmt die Sonne schon wieder so sehr, dass ich mich nach und nach von meinen Schichten trenne. Es sind wohl nur 15°C, die fühlen sich aber nach den eisigen Morgenstunden mindestens 10 Grad wärmer an.

Ein nicht endendes Wechselspiel aus eiskalten Nächten und wärmendem Sonnenschein, das ist der Winter in der Karoo.


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