Verfasst von: Juli. | 28. Juli 2016

Endlich Regen!

Trotz den gewaltigen Wassermassen, die gestern vom Himmel fielen, habe ich nicht einen einzigen Südafrikaner schlecht über den Regen reden hören. We need it! Wir brauchen ihn! Das haben sie stattdessen gesagt. Wie wahr! Schon bei meinem Aufenthalt hier im Februar waren in fast jeder Unterkunft Hinweise zum Wassersparen zu finden und die Obstregale nur halb so gut gefüllt, wie in anderen Jahren zuvor. Der Winter 2015 war sehr trocken und viele Staudämme vor Sommeranfang gerade einmal bis zur Hälfte gefüllt. Das ist nicht viel Wasser, wenn man den Durst der wachsenden Wirtschaft und der Bevölkerung stillen möchte. Im vergangenen Sommer gab es landesweit Ernteeinbußen von mindestens 20%. Mais und Zucker als wichtigste Grundnahrungsmittel mussten in großen Mengen importiert werden, um die Bevölkerung zu versorgen. Auch der Winter 2016 ist bisher sehr trocken. Momentan sind die Staudämme landesweit mit gerade einmal 54% ihrer Kapazität gefüllt. In der Region Western Cape gerade einmal 30%. Wenn die Reserven nicht noch bis zum Sommer ansteigen, wird das Land erneut in großen Teilen mit einer Nahrungsmittelkrise zu kämpfen haben.

Meine sehr umweltbewussten Freunde spülen nur noch, wenn die Toilette randvoll ist oder es wirklich nötig ist. Während eine meiner Mitbewohner sogar zweimal täglich mindestens 20 Minuten duschen geht. Es ist wie so oft ein Problem, dass leider nicht jedem bewusst ist und auch nicht jeden Bewohner des Landes betrifft. Während die Bevölkerung um Kapstadt herum ihren Garten nur noch dreimal wöchentlich für maximal eine Stunde bewässern darf, strömt auf einer Farm in der Karoo das Wasser unaufhörlich aus dem Sprinkler, da sonst die Leitungen wegen Überdruckes platzen würden.

Die Politik scheint ebenso wie in der Energiekrise auch bei der Wassernutzung zu schlafen. Während der Energieverbrauch schon seit Jahrzehnten steigt, die Energieversorgung aber nicht weiter ausgebaut wurde, muss sich die Bevölkerung mit Stromrationierungen anfreunden. Ein ähnliches Bild scheint sich nun auch bei der Wasserversorgung anzubahnen. Statt drastische und so dringend nötige Wassersparmaßnahmen durchzusetzen, dreht sich in der Politik alles um die anstehenden Kommunalwahlen. In der Hoffnung das Wasser würde irgendwann in ausreichenden Mengen vom Himmel fallen und alle Dämme wieder füllen. Vielleicht tut es das. Vielleicht nicht.

Mehr Infos zu den Wasserständen der Staudämme gibt es hier: Water is Life, Sanitation is dignity!


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