Verfasst von: Juli. | 21. Juli 2016

Unter dem Himmelszelt

Der Sommer ist da und während im Tal alle Schwitzen bläst in den Bergen weiter der kühle Wind. Blauer Himmel und Sonnenschein waren optimale Bedingungen für eine 2-Tagestour zum Hohtürli. Schon von unten sahen wir den Schnee. Als einzige hatte ausgerechnet ich, die Flachländlerin ohne Bergerfahrung, vermutet, dass oben noch Schnee liegen würde. In den vergangenen Tagen hatte es bei uns viel geregnet und auch in vielen tieferen Lagen der Alpen geschneit. Vor uns lag der Beweis. Schnee, und zwar nicht nur auf den Gipfeln! So blieb uns nichts anderes übrig als auf dem letzten halben Kilometer durch den Schnee zu stapfen, natürlich bergauf. Da wir erst mittags losgelaufen waren, hatten schon so einige Wanderer vor uns Fußstapfen im Schneematsch hinterlassen und wir konnten teilweise erahnen, wie der Weg darunter aussieht oder wo sich die Treppenstufen befinden. Kein einfaches Verfangen am Ende eines Tages an dem wir schon mehr als 1500 Höhenmeter überbrückt hatten. Vom Hohtürli aus sind es nur noch ein paar Höhenmeter bis zur Blüemlisalphütte, wo wir uns ein gutes Abendessen gönnten. Draußen gab es einen kleinen Wetterumschwung. Wir befanden uns nun über einem Wolkenmeer aus dem die Gipfel der umliegenden Berge hinaus ragten. Der eisige Wind heulte und pfeifte und so einige Wanderer zollten uns Respekt als wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unser Nachtlager machten. Meine erste Nacht in den Alpen. Draußen. Bei ca. 4°C. Auf 2840 Meter Höhe.

Während auf der einen Seite die Sonne untergeht,

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geht der Mond auf der anderen auf.

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Noch bevor es ganz dunkel ist, verziehen wir uns in unseren Biwak und den warmen Schlafsack, da der Wind mittlerweile sehr eisig ist. So starren wir mit offenen Augen in den Himmel hinaus und warten auf jeden weiteren Stern. Ich schlafe kaum, weil der Wind so heult und drückt. Ab und zu öffne ich mein Biwak, um den Blick in den Sternenhimmel zu genießen. Irgendwann gegen 4 Uhr werde ich wach, weil unsere Zeltnachbarn sich für die Erklimmung der Nordwand bereit machen. Die Kette aus Stirnlampenlichtern, von den Wanderen, die etwa zur selben Zeit aus der Hütte aufbrechen, um die Wildi Fru zu besteigen, verpasse ich, weil mir gerade so kuschelig warm ist und ich das Biwak nicht öffnen möchte. Ich wache auf, als es schon hell, aber immer noch kalt und windig ist. Es kostet etwas Überwindung aus dem Schlafsack zu kriechen und einiges an Kraft alles einzupacken, ohne das etwas von den Sturmböen weggeweht wird. Schnell suchen wir uns einen windgeschützten sonnigen Platz und erwarten sehnsüchtig den warmen Frühstückstee. Am Hohtürli weht es eisig, gerade so als hätte jemand die Himmelstüre offen gelassen. Doch nur ein paar Meter weiter unten ist der Wind verflogen und die Sonne erwärmt uns rasch beim steilen Abstieg.

Vier Tage später ist auch endlich der Muskelkater verflogen und ich bin bereit für ein neues Abenteuer, über oder unter den Wolken.

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