Verfasst von: Juli. | 4. Juni 2016

Mein neuer Freitag, der 13.

…ist von nun an Samstag, der 4.

Samstagmorgen, 10 Uhr, Bahnhof Zürich. Eigentlich sollte ich schon längst an Freiburg vorbei sein und bald Frankfurt am Main erreichen. Doch als hätte ich geahnt, dass meine perfekte Zugverbindung von nur 3,5 Stunden vielleicht etwas länger dauern würde, habe ich mir ein extra Sandwich und zwei Trinkflaschen eingepackt; dazu zwei Bücher, weil ich mich nicht entscheiden konnte und sie beide so leicht waren; sowie meinen Laptop, weil ich beim Zugfahren in letzter Zeit immer so schreibproduktiv bin. Langweilig wird mir so sicher nicht.

So sitze ich nun am Bahnhof und werde statt um 11:50 erst 15:35 mein Ziel erreichen. Nein, dieses Mal ist es nicht die Schuld der DBahn, sondern ganz allein meine eigene.

Samstagmorgen, der Wecker klingelt nach einer viel zu kurzen Nacht und mit Mühe und Not schleppe ich mich aus meinem Bett. Ich ziehe mich an, stopfe alle umliegenden Sachen in meinen Rucksack und versuche ein bisschen das Chaos zu beseitigen, wofür ich gestern Nacht zu müde war. Die Strumpfhose hat schon eine Laufmasche bevor ich sie überhaupt angezogen habe. Statt den Apfel zu schneiden, schneide ich mir in den Finger. Statt Milch gieße ich das heiße Teewasser über mein Müsli. Gerade als ich zum Bahnhof radeln will, fängt es in Strömen zu regnen an. Also schnell noch von Kopf bis Fuß die Regenschutzkleidung anziehen. Ich bin spät dran, aber schaffe es wieder einmal in Rekordzeit zum Bahnhof – Aquaplaning sei Dank – und bekomme sogar einen freien Fahrradstellplatz gleich in der ersten Reihe. Ohne zu Hetzen steige ich in den Zug und wundere mich, dass nicht ein einziger Platz reserviert ist.

Zehn Minuten später schwant mir das Unglück. So viele Dörfer und grüne Hügel liegen doch gar nicht zwischen Basel SBB und Basel Badischer Bahnhof. Dann überqueren wir einen Fluss. Nein, das dürfte eigentlich nicht sein. Vielleicht entfällt heute der Halt am Badischen Bahnhof, versuche ich mich zu beruhigen. Doch als wir an einem Bahnhof namens Dulliken vorbei fahren, habe ich Gewissheit.

„Einer ist immer der Dumme und heute hat es Sie getroffen“, meint der Zugbegleiter mit einem Schmunzeln. „Jedes Mal haben wir mindestens eine Person, die in den falschen Zug eingestiegen ist.“ Ich versuche die Begebenheit des Morgens zu rekonstruieren. Da stand doch nur ein einziger Zug als ich auf das Gleis kam. Ein ICE. Ich bin einfach eingestiegen und hatte nicht auf die Anzeigetafel geschaut. Für den Zugbegleiter scheint es Routine zu sein. Er tippt ein bisschen auf seinem Gerät herum. Dann druckt er mir eine Bestätigung und eine neue Zugverbindung aus. Ich muss nicht einmal ein gültiges Ticket lösen, weder für die Fahrt nach Zürich noch als Ersatz für mein nun nicht mehr gültiges Sparpreisticket mit Zugbindung.

Als ich ihm erkläre, dass ich nun leider die Trauung verpassen werde (immerhin nicht meine eigene), hofft er, dass ich wenigstens zur Feier pünktlich dort bin und leiht mir sein Handy damit ich kurz den Abholservice über meine neue Ankunftszeit kontaktieren kann. Mein eigenes habe ich zur Feier des Tages auf meinem Schreibtisch zu Hause liegen lassen.

Zweieinhalb Stunden später bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt. Es regnet immer noch in Strömen und die Fahrkarten werden kontrolliert. Es ist der selbe Zugbegleiter und mit den Worten, „Damit Sie sich schon mal in Stimmung bringen können.“, drückt er mir einen Gutschein für das Bordrestaurant in die Hand.

Ich bleibe im Zug sitzen, um versehentlich nicht wieder in den falschen Zug zu steigen. Von jetzt an kann es nur noch besser werden.


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