Verfasst von: Juli. | 11. Mai 2016

Frühlingssonne

Es wird Sommer. Die Tage werden wieder länger und mein Zeitgefühl betrügt mich immer öfter. Manchmal verliere ich mich in der Arbeit, nachdem ich das Mittagstief erfolgreich überwunden habe und werde zu später Stunde von meinem knurrenden Magen daran erinnert, dass ich langsam nach Hause fahren sollte. An anderen Tagen schaue ich seit der Mittagspause sehnsüchtig durchs Fenster hinaus den Wolken bei ihrer Reise am blauen Himmel entlang zu und ärgere mich, dass ich statt draußen die schönen Tage zu genießen im Büro sitzen muss.

Heute ist so ein Tag an dem ich nach der Arbeit meine freie Zeit mit einem Buch auf der Wiese vorm Haus verbringe. Wie schön ist es doch nach Feierabend noch ein paar Stunden in der untergehenden Sonne genießen zu können. Ich würde gerne jeden Tag hier sitzen. Langsam senkt sich die Sonne. Die Luft ist warm und das Licht wird es auch. Die Wiese wirkt weich und federleicht schwanken die Gräser im Wind. Ein rot-gelber Schleier aus Blüten von Sauerampfer und Hahnenfuß hat sich über sie gelegt, dazwischen Rotkleeblüten und Wegerich. Ein paar Früchte des Löwenzahns fliegen wie Miniaturfallschirme gemächlich durch die Luft. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mit meinem Buch weiter in die Tiefen der südafrikanischen Karoo versinken soll oder einfach den Gräsern im Winde zuschaue, während die Sonne in mein Gesicht scheint. Es ist Frühling – meine Lieblingsjahreszeit! Dann wenn die Welt draußen mit jedem Tag grüner und bunter wird und die Tage warm, aber noch nicht zu heiß. Ich sitze auf der Wiese, in der ich kaum zu sehen bin, weil die Gräser und Kräuter so hochgewachsen sind. Ich möchte alles ernten und einen Wildkräutersalat machen mit Löwenzahnblüten und Blättern, mit Sauerampfer und ein paar Rotkleeblüten. Ich möchte hier mein Bett aufschlagen, weil das Gras so weich ist und sehen wie der Himmel sein Kleid von strahlendblau zu tiefschwarz mit winzigem Sternenmuster verwandelt.

Ich schließe die Augen und spüre die Sonnenstrahlen im Gesicht. Ich erinnere mich an die schöne entspannte Zeit vor zwei Jahren als ich zwar oft früh aufstehen, aber dafür den ganzen Tag draußen in der Natur, statt im Büro, bei Wanderprogrammen in der Sächsischen Schweiz verbracht habe. Manchmal haben wir alles Essbare von Brombeerblättern bis hin zu Brennesseln gesammelt und Tee, Rührei oder Pesto gemacht. Komisch sah es manchmal aus, doch lecker war es immer. Lange ist es her, dass ich dort zu Besuch gewesen bin und obwohl ich jetzt viel größere Berge fast vor der Haustür habe, würde ich sie gern mal wieder besuchen, diese einzigartige Landschaft mit ihren seltsamen Felsen…

Ich öffne die Augen und wünschte, die Sonne würde stundenlang untergehen. Leider tut sie das nicht. Leider werde ich heute weder einen Wildkräutersalat essen, noch hier mein Bett aufschlagen, denn diese Wiese ist auch bei Hunden sehr beliebt.

Ich bin ein Träumer, verliebt in die Natur.

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