Verfasst von: Juli. | 24. April 2016

48 h Budapest (1)

Nach nur zweieinhalb Stunden Zugfahrt durch die grünen Felder und Wälder in das sanfte Licht des Sonnenuntergangs eingehüllt, erreiche ich Budapest. Die Landschaft, die an dem Fenster vorbeisaust, erinnert mich an meine Heimat und ihre endlose Weite.

Ich freue mich ein paar Freunde zu besuchen, die sich viel Zeit nehmen mir das andere Budapest zu zeigen. Der hochmoderne neue Bahnhof steht im Kontrast zu ihrer neugekauften (bisher noch unbewohnbaren und stark baufälligen) Wohnung mit der grandiosen Dachterrasse, die man im Sommer leider nicht betreten kann, weil der Boden unter der Hitze davon schmilzt und von der man dennoch einen wunderschönen Ausblick auf das alte und neue Budapest sowie das Naturschutzgebiet Sas-hegy hat. Es ist ein fließender Übergang zwischen kleinen charmanten Häusern mit Dächern in Erdfarben und den hässlichen grauen Hochhäusern, die dominant darüber hinaus ragen.

Wenn man im Hochsommer die Terrasse nicht mehr betreten kann, dann bleibt immer noch der Garten. Ein charmanter grüner Urwald mit Kirsch- und Pfirsichbaum, dessen Boden gerade von endlos vielen blühendem Löwenzahn bedeckt ist, deren Pollen im Winde umherfliegen. Ich kann mir vorstellen wie der Garten und ihre Wohnung in ein paar Monaten und nach einer Menge Arbeitsstunden sehr schön aussehen werden. Sie haben viele Pläne und werden keine Mühe scheuen diese umzusetzen.

Mit der alten laut ratternden Straßenbahn geht es in den Norden der Stadt, in die alte Wohnung, die mit viel Finesse modernisiert wurde und für Budapest (oder vielleicht ganz Ungarn) höchstmodern aussieht.

Am nächsten Morgen schwingen wir uns auf die Fahrräder. Es geht zunächst nach Sas-hegy, auf den Hügel aus Kalkstein, der umzingelt von Häusern zu allen Seiten wie eine kleine Insel aus der Stadt hervorragt. Wir sehen viele Eidechsen, lauschen den Vögeln und genießen den Blick auf die Donau und Buda. Zum Mittagessen geht es in die wunderschöne alte Markthalle und auf einmal sind wir mittendrin im Touristenstrom. Ich treffe den Mongolen, der am Tag zuvor mit mir im Zug nach Budapest saß. Nach einer Stärkung mit einem so reichlich belegten Langos, dass ich nur mit Mühe und Not Tomaten, Rucola, Feta und Lauchzwiebeln vorm Absturz retten kann, geht es zum Highlight des Tages. I bike Budapest. Einer Protestbewegung,  die ein fahrradfreundlicheres Budapest fordert und zufällig genau an diesem Wochenende stattfindet. Gemeinsam mit tausenden Radlern fahren wir mehr als 2,5 Stunden quer durch die Stadt von Pest nach Buda, von Buda nach Pest und zum Abschluss auf die Margareteninsel. Eine schönere Stadtführung hätte ich mir nicht wünschen können. Zum Finale stemmen alle triumphreich ihre Fahrräder in die Höhe. Ein einzigartiger Anblick.

13064480_1202782116399158_588314899360967101_o(Foto: Krisztian Bodis Photography)

Nachdem wir uns nach dem plötzlichen Platzregen wieder getrocknet und gestärkt hatten, zeigten mir die beiden noch eines der so bekannten Ruinenpubs. Wow! Ich war beeindruckt von der Atmosphäre, die in dem alten Haus herrschte. Überall hing etwas Kitsch, Dinge vom Flohmarkt oder andere merkwürdige Zeugen der Zeit –  einzeln (und bei Tageslicht ganz sicherlich) hässlich, doch zusammen ergab es ein stimmiges Bild und eine einmalige Atmosphäre. Ich erinnerte mich an eine Elektroparty auf der ich mal vor vielen Jahren in Leipzig war und die auch in einem leerstehenden Haus stattfand. Das hatte allerdings nicht halb so viel Charme. Dennoch tanzten wir die ganze Nacht durch das Haus, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt elektronische Musik wirklich schrecklich fand. Wir genossen die Freiheit und den Moment.


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