Verfasst von: Juli. | 10. Januar 2016

Vom Loslassen, Festhalten und echten Freundschaften

Mit jedem Umzug habe ich neue Freundschaften geschlossen und musste mich von alten verabschieden. Es ist toll Freunde auf jedem Kontinent zu haben. Nur für den Fall, dass ich auch mal wieder einen anderen Kontinent bereise, kenne ich also auf irgendeiner Ecke der riesigen Landmasse jemandem bei dem ich vielleicht unterkommen könnte und mit dem ich mich über alte Zeiten unterhalten könnte. Doch ist es nicht viel wichtiger jemanden vor Ort zu haben, denn wie oft fliege ich quer durch die Welt?

Ein Skype-Gespräch kann die Zeit überbrücken, aber es kann nicht gemeinsame Erlebnisse ersetzen. Gemeinsam eine heiße Schokolade trinken, einen Film schauen, die Eissorte des Freundes testen – all das macht in der realen Welt doch viel mehr Spaß. Dennoch ist es mit Hilfe des Internets so leicht wie nie zuvor Fernbeziehungen und Fernfreundschaften zu erhalten.

Ich bereue nicht, dass ich so viel unterwegs war. Doch ich weiß sehr wohl, dass es vieles komplizierter gemacht hat und dass ich mich mit jedem Umzug von einigen Personen mehr entfernt habe. Nicht alle Freundschaften überdauern weite Distanzen. Ich habe irgendwann akzeptiert, dass ich einige schöne Momente verpasst habe, während ich wiedermal auf Reisen war und selbst schöne Momente sammelte. So ist es halt. Unterwegs habe ich viel über mich selbst, über meine echten Freunde und die Personen von denen ich dachte, wir wären Freunde gelernt.

Freundschaft kann man nicht erzwingen. Sie kommt mit der Zeit oder eben nicht.

Ich bin kein Mensch der schnellen Freundschaften. Eine richtig gute Freundschaft schließe ich nicht in zwei Monaten. Ich brauche Zeit, um aufzutauen und nicht nur die komische nichts trinkende Introvertierte zu sein. Ich brauche Zeit, um mich jemandem anzuvertrauen. Und ich will auch einfach nicht gleich jedem mein ganzes Leben und meine Persönlichkeit aufbinden. Es ist anstrengend neue Freunde zu suchen und zu finden. Ein Phänomen wovon wahrscheinlich fast jeder Austauschstudent oder Langzeitreisende erzählen kann. Jeden Abend derselbe Smalltalk mit neuen Personen, das nervt und erinnert mich an Speed-Dating. Aber wo oder wie findet man sonst Freunde?

Freundschaft ist unberechenbar.

Manchmal weiß man gleich bei der ersten Begegnung, das es einfach passt und manchmal erkennt man erst Jahre später was für einen guten Freund man eigentlich hat. Es gibt nur wenige Menschen in meinem Leben, die gleich bei unserer ersten Begegnung die Tür zu meiner Persönlichkeit öffnen konnten. Aber es gibt sie und ich bin dankbar, dass ich sie getroffen habe.

Freundschaft ist loslassen.

Ich habe gelernt, dass die Zeit zeigt, wieviel eine Freundschaft wert ist. Ich habe akzeptiert, dass ich nichts davon gewonnen habe, wenn ich in Brief- oder Emailkontakt bleibe und mich dann jedes Mal ärgere, wenn eine Antwort erst ein halbes Jahr später kommt. Ich habe akzeptiert, dass einige meiner Freunde aus der Schulzeit sich einfach nicht mehr melden, obwohl ich gern in Kontakt geblieben wäre. Ich habe mich selbst aus einigen Freundschaften zurückgezogen, weil ich erkannt habe, dass wir uns eigentlich sowieso nichts mehr zu sagen haben und weil es mich nicht weiterbringt über alte Kamellen zu lachen, wenn uns heute nichts mehr vereint. Es ist wie einen Rucksack voller Erinnerungen aufzuräumen. Dort sind viele schöne Momente verstaut, die ein Teil meines Lebens sind und die ich nicht vergessen werde, aber ich muss nicht alle die ganze Zeit mit mir herumtragen, dafür sind die zu schwer. Ich habe gelernt zwischen Freundschaften, in die es sich lohnt zu investieren und denen die mehr aus Geben als Nehmen bestehen, zu unterscheiden.

Ich habe gelernt loszulassen. Es funktioniert meistens.

Freundschaft überdauert.

Ich habe erkannt, dass für einige Freundschaften kein regelmäßiger Kontakt nötig ist. Irgendwann trifft man sich und es ist als hätte man sich erst letzte Woche gesehen. Ein anderes Mal braucht man Hilfe und genau in diesem Moment denkt jemand an einen. Eine Nachricht, eine Postkarte, ein Anruf im richtigen Moment. Diese Freundschaften sind unbezahlbar.

Freundschaft ist ein Abenteuer.

Eine Reise kann vieles verändern. Manchmal ist sie der Beginn für eine enge Freundschaft, weil man viel Zeit hat über Gott und die Welt zu reden. Manchmal endet sie in Streit und kann eine Freundschaft zerstören. Vielleicht hat mich meine Unkompliziertheit bisher vor letzterem bewahrt und meine Freundschaften wurden auf Reisen eher gestärkt. Vielleicht bin ich auch einfach instinktiv mit den richtigen Personen fort gewesen.

Ich bin dankbar für die Freunde, die akzeptieren, dass ich so viel unterwegs war/bin und die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Manchmal auch ohne Worte und heute mit ganz vielen Worten, einer Ode an die Freundschaft. Das letzte Jahr war nicht einfach und rein zufällig geprägt von vielen Wiedersehen. Danke an jeden, den ich wieder getroffen habe. Denn Freundschaft gibt mir die Kraft, die ich nicht geglaubt hätte zu haben. Sie motiviert mich und treibt mich an.

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