Verfasst von: Juli. | 21. Februar 2015

Hello Cape Town

Der Moment an dem ich mich irgendwie wieder heimisch fühlte, kam als ich an meinem zweiten Tage nach der Rückkehr aus der Karoo im Minibus saß. Wie gewohnt fuhren die Minibusse die Main Road hinauf und hinab mehr oder weniger hupend. Ich winkte dem Fahrer zu und kurze Zeit später hielt der Bus an. Ich stieg ein und auf einmal fühlte ich mich als hätte ich diese Stadt nie verlassen. Auf einer Bank mit einer pummeligen Frau mit weißem Shirt, bunter Perlenekette, langem bunten Rock und vielen Plastiktüten (wahrscheinlich kam sie gerade vom Einkaufen); vor mir eine Big Mama gekleidet von oben bis unten in den selben orange-roten Stoff mit grünen und braunen Blumen, die Haare unter einem Tuch des selben Stoffes versteckt; hinter mir vier Mädels, vielleicht Studenten mit wilden Flechtfrisuren und vorne neben dem Fahrer eine Dame im Cocktailkleid begleitet von einem Herrn im Anzug. Alle zusammen saßen wir in demselben schäbigen Minibus. Die aktuellen Charts dröhnten laut in unseren Ohren und die Bänke bebten im Takt des Basses. Alle hatten wir dasselbe Ziel: Stadtzentrum, wo sich anschließend unsere Wege trennen sollten.

Es ist dieses Gefühl von Gleichheit, dass mich die Fahrten im Minibus so lieben lässt. Für einen Moment ist die ganze Ungerechtigkeit vergessen. Es gibt keine Unterschiede zwischen Arm und Reich im Minibus, alle zahlen den gleichen Preis und niemand versucht dir einen höheren Preis abzuverlangen, nur weil du weiß bist. Oder ein Tourist. Oder sogar beides. Zumindest hatte ich selbst bisher nur eine schlechte Erfahrung bei all meinen Fahrten.

Auf den Fahrstil muss man sich einlassen. Ich fühle mich im Bus sogar sicherer als in einem Auto zwischen den ganzen Minibussen, wahrscheinlich weil ich bisher noch keinen Unfall erlebt oder gesehen habe. Das soll bitte auch so bleiben.

In der Stadt angekommen, war ich erstaunt wie gut ich mich zurecht fand, ohne Probleme fand ich die Longstreet, die Companys Garden und später auch den Weg zur Waterfront und wieder zurück zum Minibusbahnhof. Auf meine Ortskenntnisse ist also immer noch Verlass. Als ich heim wollte, kam ich natürlich genau in die Rush-Hour, der Bahnhof war leer von Bussen und voll von Menschen. Auch wenn es manchmal sehr chaotisch dort wirkt, auf einmal war alles geordnet. Die Menschen reihten sich je nach Fahrtziel auf ihre Bank ein und warteten. Und warteten. Nachdem ich das Ende meiner Schlange gefunden hatte, wartete ich mit ihnen. Vielleicht eine halbe Stunde, wahrscheinlich länger. Ich weiss es nicht, denn Wartezeit vergeht in Afrika für mich irgendwie immer ganz schnell. Ein Bus kam, war voll, fuhr los, ich rückte ein paar Plätze nach vorne, während die Schlange hinter mir immer länger wurde. Irgendwann stand ich so weit vorne, dass ich einen Platz im nächsten Bus ergatterte und die stop&go-Fahrt durch den Feierabendstau nach Hause begann.

Welcome back to Cape Town.

Aufgereiht. Warten auf den Minibus,

Aufgereiht. Warten auf den Minibus,


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