Verfasst von: Juli. | 6. Juni 2014

Plastik Ideale

Vor fast genau 2 Jahren habe ich schon einmal über den besten Freund des Menschen berichtet. Nein, ich meine nicht den Hund, sondern die Plastiktüte. Während ich in meinem privaten Umfeld einen deutlichen Rückgang der Nutzung dieses kleinen oder großen meist durchsichtigen Beutelchens bemerkt habe, wird sie von anderen Personen leider immer noch inflationär verwendet. Aus Faulheit oder Mangel an Mülleimerm bzw. Abfallentsorgungs- und Recyclingsystemen fliegen sie nach ihrer Nutzung meist irgendwann wie Drachen durch die Lüfte bis sie in Bäumen hängenbleiben oder sich in Gewässern niederlassen. Ein paar Mal im Jahr geht dann wieder ein Aufruf durch die Medien, das im Mageninhalt von Vögeln oder Fischen Plastik in allen Formen gefunden wurde und wir die Produktion von Plastikmüll stark reduzieren müssen. In den gleichen Berichten hat dann meist auch der Große Pazifikmüllfleck eine Nebenrolle, welcher sich in den letzten zwei Jahren wahrscheinlich noch um einiges ausgeweitet hat. Mittlerweile weiß man auch, dass sich der ganze Müll nicht nur im Pazifik trifft. Es gibt momentan 5 große Areal in den Ozeanen, die stetig wachsen.

Vor zwei Monaten war ich in Indonesien unterwegs und an in einem kleinen Örtchen mit dem Namen „Ende“ habe ich noch ganz andere Ausmaße dieser Katastrophe gesehen. Ende liegt direkt am Meer auf der wunderschönen Insel Flores, fast am Ende der Welt und irgendwie fühlte es sich auch so an, denn viel los war dort nicht. Es gab einen kilometerlangen Strand, der perfekte Einstieg für eine Abkühlung im Meer. Doch es gab einen kleinen Makel. Der komplette Strand war mit Müll übersät: einzelne Flipflops, leere Colaflaschen, Plastiktüten, die Verpackung von den leckeren Krabbenchips, Plastikdeckel,… Einfach alles was man sich so vorstellen kann, war dort in den verschiedensten Stadien des Zerfalls zu finden. Leider nicht nur im Sand, sondern auch im Wasser. Somit war uns die Lust auf eine Abkühlung sehr schnell vergangen. Wir konnten zu unserem Zimmer zurückkehren und dort immerhin eine kalte Dusche mit dem Schöpfbecher nutzen, im Gegensatz zu den meisten Anwohnern. Es gab nicht viele Menschen die zur Mittagszeit am Strand waren, aber dennoch einige die im Wasser spielten und viele die etwas weiter draußen fischten. Wie viel Plastik die Fische in ihren Mägen hatten, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wir versanken in einer Debatte über Müllvermeidung (bis vor ein paar Jahrzehnten hatten die Indonesier wahrscheinlich noch keine Idee, was man alles in Plastik verpacken kann), Müllentsorgung (jetzt produzieren sie täglich Unmengen an Müll, besitzen aber kaum Abfalleimer geschweige denn Entsorgungsfirmen) und Recycling (…und die Rohstoffe landen einfach im Meer) und ärgerten uns, dass der Müll dort einfach so herumlag. Eine Müllsammelaktion hätte mehrere Tage in Anspruch genommen, und wahrscheinlich hätte der Strand eine Woche später wieder genauso verdreckt ausgesehen. Ein paar Wochen später wandelten wir entlang eines vermeintlich sauberen Sandstrandes auf Bali und mussten feststellen, dass dort der Müll einfach vor Sonnenaufgang in den Sand eingebuddelt wird…

Jeder hat so seine eigene Art mit diesen Problemen umzugehen. Wir können uns entscheiden weniger Plastik in unserem Alltag zu verwenden. Wir können unseren Müll in den richtigen Abfalleimer werfen und somit einen Teil zum Recycling beitragen. Doch was tun mit dem Müll der schon längst am Strand, in unseren Flüssen und Meeren gelandet ist?

Immer häufiger gibt es besonders in größeren Städten Aufräum-Aktionstage an den Flussauen, in Grünanlagen oder am Strand, in dem die Normalbürger zum gemeinsamen Müllsammeln aufgefordert werden. Das funktioniert soweit ganz gut. Bleiben also nur noch diese riesigen Plastikmüllflecken in unseren Ozeanen, weit draußen auf dem Meer, wo wir sie höchstens sehen, wenn wir uns auf dem Weg zu unserem Brasilien-Urlaub befinden. Bei jeder Luxusschiffahrt würden sie doch hoffentlich weitläufig umschifft werden – das stört sonst schließlich das Gesamtbild dieser blauen Ozeane.

Konventionelle Methoden, wie den Müll mit Schiffen oder Netzen einsammeln, werden aufgrund des enormen Kosten- und Zeitaufwands (Wir sprechen hier von weitaus mehr als 100 Jahren!) sowie einer unvorhersehbaren Menge an Beifang und vielen Gigatonnen von produzierten CO2-Emissionen gar nicht in Erwägung gezogen. Also wird das Problem frei nach dem Motto „Was kümmert uns, was wir nicht sehen?!“ einfach ignoriert.

Im Herbst 2012 bin ich durch Zufall auf ein TEDxDelft-Video von einem jungen Niederländer gestoßen, der mit seiner Idee einer sich selbst versorgenden Müllsammelplatform die Ozeane zu reinigen für eine Menge Furore sorgte. Die Kritiker meldeten sich natürlich gleich zu Wort. Boyan Slot zog sich mit ein paar motivierten Wissenschaftlern zurück und jetzt ist er mit seinem Projekt The Ocean Cleanup wieder da. Vor drei Tagen wurden die Ergebnisse seiner 400 Tage dauernden Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Das Endprodukt sieht etwas anders aus als ursprünglich gedacht, aber die Grundidee ist die selbe. Jetzt muss es nur noch durchgeführt werden und dazu kann jeder seinen Beitrag leisten.

Ich bin begeistert, dass es noch Menschen auf diesem Planeten gibt, die Ideen haben, sich zur Wehr setzen und unsere Umwelt nicht ignorieren. Keine Lösung für das Grundproblem (Wir produzieren und verwenden zu viel Plastik!), aber ein erster Schritt für saubere Ozeane.

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