Verfasst von: Juli. | 10. Oktober 2011

Auf der Suche nach einem Plätzchen im Wohnungsdschungel

Freitagabend, irgendwann im September

Nachdem sich das Studentenwerk immer noch nicht mit einer Zimmerzusage gemeldet hat, nehme ich mir erstmals richtig Zeit, um sämtliche Internetportale nach Angeboten zu durchforsten. Ich lese unzählige Anzeigen, schreibe mindestens halb so viele Leute an und frage mich jedes Mal, wie man eigentlich eine interessante und ansprechende Nachricht verfasst. Ob es an meinem Ausdruck, oder den 100en von Emails die täglich in die Postfächer der Anbietenden eintrudelten, lag, dass sich niemand meldet, werde ich wohl nie erfahren. Glücklich schätzt sich dann ausnahmsweise mal wer eine web.de Adresse besitzt und irgendwann die maximale Anzahl von Nachrichten erhalten hat und nicht mehr weiter von verzweifelten Zimmersuchenden geplagt werden kann. Blöd nur für mich, da das ausgerechnet eine meiner favorisierten WG’s war.

Montagabend 3 Tage später

Immerhin 2 Einladungen zu Besichtigungen habe ich bekommen, nachdem ich das ganze Wochenende über weiter Angebote durchstöberte; eine für Dienstag und eine für Mittwoch. Die restlichen Anfragen wurden ignoriert und wahrscheinlich schon längst gelöscht. Nach einem Blick nach MFG’s buche ich Hals über Kopf eine Fahrt nach Stuttgart am nächsten Morgen. Startzeit: 6:00! Rückfahrt: 23:00! (Ebenfalls ein verzweifelter Zimmersuchender.) Später schlage ich mich mindestens 3 Stunden (und eigentlich noch die ganze Nacht) mit dem Gedanken herum diese wieder abzusagen. Denn insgesamt 10 Stunden Autofahrt nur für eine Wohnungsbesichtigung erscheint mir dann doch als ein etwas zu großes Opfer. Ich schaffe es immerhin die Mittwochsbesichtigung auch noch auf Dienstag zu verlegen und da ich seit 3 Uhr morgens nicht mehr schlafen kann, entscheide ich mich für’s Autofahren. In der Hoffnung ich könnte dort mehr Schlaf finden.

Dienstag – DER Tag

Ich kann natürlich nicht im Auto schlafen! Als wir irgendwann in Stuttgart ankommen, stürme ich das erste Internetcafe – schon wieder fast 50 neue Einträge seitdem ich im Bett verschwunden war – und suche nach weiteren interessanten Angeboten. Die meisten Leute sind natürlich schon vollkommen ausgebucht mit Interessenten oder hätten erst in ein paar Tagen wieder Zeit. Blöd, wenn man von weit weg kommt und nicht ständig verfügbar sein kann. So wird das nichts. Immerhin konnte ich mit dem „ich komme aus Berlin“-Gemunkel wenigstens bei einem Sympathiepunkte (oder waren es Mitleidspunkte?) sammeln und noch am Ende sollten es immerhin 5 Besichtigungen an diesem Tag werden. Dazu zählte auch eine Einzimmerwohnung ohne Dusche (nur mit WC!) – das es so etwas überhaupt gibt! -, die ich kurzzeitig in Erwägung gezogen hätte, wenn es nicht so übel dort drin gestunken hätte. Vom Preis unschlagbar (da hätte ich mir auch noch eine Dauerkarte fürs Schwimmbad dazu leisten können), aber Mindestmietdauer 3 Monate. Eindeutig zu lange! Ein Privatzimmer im Grünen, wo ich jedoch wahrscheinlich vereinsamt wäre, eine wunderschöne Dachgeschoss-WG gleich in Uninähe, die jedoch coolere Leute als mich bevorzugten (aber die Wohnung war auch echt cool!!!), eine 3er WG gegenüber vom Zoo, bei der ich bei einer 50:50-Chance nur verlor, weil sich der russische Mitbewohner für den sibirischen Bewerber stark gemacht hat (Westpolen war da wohl leider nicht östlich genug!) und eine alternative 5er WG, in der alle ab und zu mal gerne kiffen, folgten. Obwohl ich das stundenlange Gespräch über Gott und die Welt, von Politik (ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe bei diesem Thema mitreden zu können), über Fremdsprachen bis hin nach Afrika mit dem Mitbewohner sogar abbrechen musste, weil meine MFG ja auch irgendwann nach Hause wollte, habe ich natürliche keine Zusage in der Kiffer-WG bekommen. Es gab bestimmt Leute, die gleich sagten, sie kiffen auch mal ganz gern. Das war eben nicht meine Liga.😉

Einen Tag unterwegs quer durch die Stadt habe ich nun mittlerweile schon einiges gesehen – das Nahverkehrssystem ist mir jetzt schon etwas unsympathisch, aber ansonsten schön grün dort! Ich glaube, es wird mir gefallen.

(Übrigens war das der erste Tag in meinem Leben an dem ich mir ein zeitgemäßes Handy mit Internetzugang rund um die Uhr gewünscht habe, um schnell noch auf die neuesten Angebote reagieren oder nach den schnellsten Bahnverbindungen gucken zu können. Trotzdem hat sich mein gutes altes charakterstarkes Siemens wacker geschlagen und der Akku war am Ende des Tages trotz des ganzen Telefonierens immer noch nicht leer! Ich habe übrigens auch noch an keinem Tag zu vor in meinem Leben so oft ein Mobiltelefon benutzt.)

Ein weiterer Tag irgendwann im September

Ich rufe nochmals beim Studentenwerk an, um mich nach der Chance auf ein freies Zimmer zu erkundigen. Trotz dem die Zimmer mit Präferenz nach Entfernung zwischen Heimat- und Studienort vergeben werden, nützen mir die rund 700 km (das sind sogar mehr als von Bremerhaven und Laura hat doch sogar schon vor 2 Wochen eine Zusage bekommen!) nichts und die Chancen stehen sehr schlecht. Alle Zimmer sind schon vergeben, einzelne werden höchstens noch durch Absagen frei.

Ein weiterer Tag im September

Ich entscheide mich meine derzeitige WG-Suche vorerst stillzulegen und nach der Methode „ A la Mandy“ einfach zum Studienbeginn nach Stuttgart zu fahren und dann vor Ort weiter zu suchen. Da sind die Erfolgsquoten sowieso höher, weil wer lässt schon jemanden in seine WG einziehen, den er noch nie vorher gesehen hat und klingt der Anwärter auch noch so nett oder verzweifelt am Telefon. Immerhin bin ich nicht auf ein Hostel angewiesen, sondern kann bei Meike unterkommen. DANKE! Ich freue mich schon!

Freitagnachmittag 15:40 Uhr, 3 Tage vor Beginn der Vorlesungszeit

Ich bekomme einen Anruf vom Studentenwerk. Studentenwerk? Ja, am anderen Ende des Telefons ist wirklich das Studentenwerk dran und fragt, ob ich immer noch nach einem Zimmer suche! Ich bejahe natürlich und kann sogar noch zwischen 2 Zimmern wählen. Ich entscheide mich für das in unmittelbarer Nähe zum Campus, womit ich mir höchstwahrscheinlich das Zusatzticket für den Nahverkehr sparen kann, um auch von Montag bis Freitag vor 18 Uhr Bus und Bahn nutzen zu können. Also geht es wieder einmal ins Studentenwohnheim und nicht in eine coole Privat-WG, aber dafür ist das auch die günstigste Alternative. Ich werde es überleben und trotzdem Spaß haben. Außerdem hat die unmittelbare Nähe zum Campus auch noch den Vorteil, dass ich quasi immer wenn mit langweilig ist spontan zu einem Sportkurs gehen kann, denn für die meisten ist keine Anmeldung erforderlich.

Klingt irgendwie alles ein bisschen nach einem Traum, so ein Anruf an einem Freitagnachmittag 3 Tage vor Beginn der Vorlesungszeit!

Sonntagabend, 1 Tag vor Beginn der Vorlesungszeit

Ich hoffe es war kein Traum. Die Email mit dem angekündigten Mietvertrag kam immer noch nicht bei mir an. Ich bin ein bisschen verunsichert, obwohl ich natürlich weiß, dass im Studentenwerk niemand am Wochenende arbeitet, mit Ausnahme vom automatischen Bewerbungsbestätigungsemailversand.

Montag, Beginn der Vorlesungszeit

Erneuter Anruf beim Studentenwerk. Meine Email mit Mietvertrag ist irgendwo im System abhanden gekommen. Der zweite Versuch war erfolgreich. Jippieh! Ich habe ein Zimmer, allerdings erst ab 1.11, aber das ist nicht weiter schlimm.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: