Verfasst von: Juli. | 18. September 2011

Nobody said it’d be easy…

Vor 2 Monaten, als ich meinen Mietvertrag gekündigt habe:

 „Müssen Sie ihr Studium abbrechen?“
„Nein. Ich beginne mein Master-Studium woanders?“
„Geht es zurück in die Heimat?“
„Nein – noch weiter weg!“
„Näher zum Freund?“
„…Nein…“
„Was gibt es denn dann für einen Grund, dass sie den Ort wechseln???“

Genau das habe ich mich in den letzten Tagen sehr oft gefragt. Hätte ich doch alles viel einfacher haben können, wenn ich mich entschieden hätte hier zu bleiben. Viel einfacher!

Keine nervenaufreibende Zimmersuche! Denn ich bin weder männlich noch katholisch und möchte auch kein Mitglied in einer Studentenverbindung werden! Wucherpreise von mehr als 300 Euro pro Monat kann ich einfach nicht bezahlen. Ansprüche habe ich mittlerweile schon keine mehr – ein Dach über dem Kopf ist alles was ich will. Aber wie soll man auffallen, bei den Hunderten von Anfragen die Wohnungsinserenten täglich bekommen? Kann ich überhaupt erwarten, dass sie antworten? Meine Hoffnungen auf ein Zimmer im Studentenwohnheim, welche aufgrund der günstigen Preise und der Nähe zur Uni sehr gefragt sind, haben sich schon langsam verabschiedet und dass, obwohl die offizielle Vergabephase noch gar nicht vorbei ist. Ich dachte schon Bayreuth hätte eine merkwürdige Art, Wohnheimplätze zu vergeben, aber ich glaube Hohenheim ist da durchaus Konkurrenzfähig…

Kein Umzugsstress! Ich packe ja eigentlich sehr gerne Sachen und bin auch ganz gut in Krempel aussortieren, wenn ich mal welchen angesammelt habe. Doch innerhalb eines Jahres 4 Mal „umziehen“, kann ganz schön anstrengend sein. Besonders wenn die Umzugspläne von heute auf morgen umgeworfen werden müssen. Ein Bachelor ist toll, denn nach 3 Jahren kann man wieder was neues machen und umziehen, eine neue Stadt und neue Leute kennenlernen. Manchmal wünsche ich mir trotzdem ich wäre nicht so weit weggegangen und hätte mich jetzt nicht entschieden weiter wegzugehen. Dann könnten wir viel öfter lustige Wochenenden miteinander verbringen, stattdessen werde ich an diesen jetzt wohl noch seltener teilhaben können.

Ich habe ein bisschen Angst vor dem kommenden Oktober, wahrscheinlich sogar nicht nur ein bisschen… Davor wie es ist noch weiter weg zu sein (auch, wenn es im Vergleich zu Südafrika doch nur ein Katzensprung ist) und auch davor wie ich die Studiengebühren, die Kaution für das neue Zimmer, dass ich dann hoffentlich irgendwann haben werde, die Miete und vielleicht noch Möbel bezahlen soll, während ich auf die Rückzahlung der Kaution meines jetzigen Zimmers warten werde, ebenso auf das Bafög, das am Ende wahrscheinlich gerade reichen wird, um ein Zimmer zu finanzieren. Es wird vorerst jedoch nicht kommen, denn ohne Abschlusszeugnis kein Geld. Ohne Gutachten und Praktikumsbericht kein Abschlusszeugnis. Ich werde mir einen Job suchen, doch ohne Wohnsitz dort, macht das momentan auch noch keinen Sinn. Ein Teufelskreis und ein Kampf gegen die Zeit.

Ja, ich hätte alles einfacher haben können, aber das war und ist nicht, was ich wollte.

Ich will einen Wechsel. Raus aus der kleinen Stadt, auch wenn sie ihre schönen Ecken hat und ich weiß, dass sie mir fehlen wird, ebenso wie einige Leute hier. Raus in eine neue Stadt, noch einmal etwas ganz neues sehen. Wann, wenn nicht jetzt? Dass alle in Frage kommenden Studiengänge noch weiter weg liegen, habe ich mir nicht ausgedacht. Es gibt Menschen die bleiben ein Leben lang in der gleichen Stadt oder Region, weil sie das Glück haben dort Arbeit zu finden, sich dort wohlfühlen, ihre Familie und Freunde nicht einfach hinterlassen wollen oder keine Veränderung wollen. Manchmal bewundere ich sie, manchmal bedauere ich sie.

Ich will meine letzte Chance auf gute Bildung nutzen. Mir ein Fundament für die ungewisse Zukunft aufbauen. Es war keine Entscheidung basierend auf guten Karriereaussichten. Vielleicht gibt es diese, aber ich wollte dieses Programm, weil es mich von Anfang an fasziniert hat. Schon als ich es vor mehr als 2 Jahren das erste Mal fand, war ich begeistert. Die Kurse klangen interessant, sodass ich wahrscheinlich eher Probleme haben werde mich zu entscheiden, welche ich nehmen werde. Die Internationalität, die ich in Kapstadt so sehr schätzen gelernt habe und in den letzten Monaten mehr vermisst habe, als ich erwartet habe.

Ich will etwas machen, was mich wirklich interessiert. Die Entscheidung für Biogeowissenschaften war die richtige, auch wenn der ganze geologische Teil und so manch anderes mich nun wirklich nicht interessiert hat. Doch wenn ich zurück denke, war es die beste Entscheidung die ich hätte treffen können. Ich als Biochemie-Student? Im Dschungel des Citratzyklus verloren (und das wäre noch der leichte Anfang gewesen). Ich als angehender Umweltingenieur? Von der Mathematik erschlagen. Ich als Geograf in spe? Langweilig! Doch trotzdem entspricht der Master nicht ganz meinen Vorstellung. Okay, ehrlich gesagt, haben die sich fast täglich geändert und heute könnte ich mir durchaus auch wieder einen mikrobiellen Fokus vorstellen, aber über die Zeit gesehen, war EnvEuro (die Kurzform meines Master-Programmes) einfach dauerhaft im „Gefällt mir!“-Bereich.

Es war keine einfache Entscheidung und mit jedem Tag habe ich sie mir schwerer gemacht. Wie oft habe ich daran gedacht den bequemen Weg zu wählen und mich doch noch in Freiberg einzuschreiben? Auch jetzt gerade habe ich Angst, dass ich zu viel riskiert habe…

Ich glaube an uns. Doch was wird auf uns zukommen?
Danke, dass du mir und uns diese Chance gibst.


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