Verfasst von: Juli. | 26. Januar 2011

Zwischen Schnee und Sonnenschein, Sehnsucht und Souvenirs

(Vorsicht – das ist ein laaanger Artikel geworden!)

Seit nun mehr 4 Wochen bin ich also wieder zurück und mittlerweile ist mir mehr und mehr bewusst geworden, das mit der Abnahme der Sonnenintensität auch meine kreative Schreiblust abhanden gekommen ist. Während ich auf dem afrikanischen Kontinent fast ununterbrochen von Ideen gefüttert wurde und das Kitzeln in meinen Fingerspitzen zusehends größer wurde, leide ich nun bei Sonnenentzug unter einer schweren Schreib- und Ideendepression. Die besten Ideen kommen mir dann wenn ich schon fast am Träumen und meine Tastatur oder ein Stift gerade ganz weit entfernt von mir sind. Nichtsdestotrotz versuche ich mich jetzt zu stellen und gleichzeitig mein frisch erlerntes 10-Finger-Blindschreiben *stolz* zu trainieren.

Auch wenn mich so mancher vielleicht beneidet hat, dass ich Weihnachten bei 100% Sonnenschein und 30°C auf der Südhalbkugel verbracht habe, im Nachhinein wäre ich lieber hier durch den kalten Schnee gestapft. Heiligabend war schön, aber ich kam nicht wirklich in Weihnachtsstimmung. Draußen kurzärmelig schwitzend fühlte sich der 24.12. einfach nicht so an wie Heiligabend. Es war eher als hätte irgendjemand die Kalenderblätter ganz schnell weitergeblättert, um eher Geschenke zu bekommen. Wir gingen in die deutsche Kirche, damit meine Mama auch etwas von diesem merkwürdig lustigen Krippenspiel verstehen konnte und gönnten uns danach einen Besuch bei „Marco’s African Place“ um die traditionelle Küche (Pap, Spinat, Butternutpüree, Ente mit Sauerkirschsoße) und natürlich Marimba-Musik zu genießen. Die Straßen waren, obwohl in Kapstadt ja eigentlich erst am 25.12. Weihnachten gefeiert wird (von den eingewanderten Deutschen mal ganz abgesehen) schon leer gefegt und in den nächsten zwei Tagen sahen wir dann auch, wo sich die Leute aufhielten.

Da war zunächst der Tafelberg auf den Einheimische sowie Touristen das ganze Jahr über hinauf zu strömen scheinen. Der an diesem Tag stark außerordentlich starke Wind kühlte uns beim Aufstieg wunderschön ab, hatte aber auch zur Folge, dass wir nach etwa 10 Minuten auf dem Plateau des Berges die Sirene der Seilbahn hörten. Dieses Heulen und Jaulen kündigt bei aufkommenden schlechten Wetterverhältnissen die letzte hinab fahrende Seilbahn an. Die erste Warnung ignorierten wir und genossen einfach weiter unser Mittagbrot, doch nach weiterem Sirenenheulen entschlossen wir uns doch zur Station zu gehen. Wie gern hätte ich den ganzen Nachmittag dort verbracht, um die Aussicht auf die Stadt von jedem noch so kleinen Stein aus zu erkunden – wer weiß, ob ich diese Gelegenheit überhaupt noch einmal haben werde -, aber ein langes Genießen des Ausblickes blieb uns leider verwehrt. Wieder unten angekommen, merkten wir erst einmal wie erfrischend kühl der Wind eigentlich war, denn plötzliche brüteten wir wieder in der Hitze. Um auch endlich den letzen „Berg“ Kapstadts, den Signal Hill auf meiner Liste abhaken zu könne, entschieden wir uns gleich weiter bergauf zu laufen. Wie ich nicht anders erwartet hatte, war auch von dort der Ausblick grandios. Endlich einmal die Stadt und sogar das Stadion aus nächster Nähe von oben. Viel schöner war jedoch der Blick zurück, denn hinter unserem Rücken erstrahlten Devil’s Peak und Tafelberg wie auf einer der tausend Postkarten.

Devil’s Peak (links) und Taferlberg – Ich kann halt einfach nicht genug von diesem Anblick bekommen…

Nach einem Wandertag gönnten wir uns am zweiten Weihnachtsfeiertag einen Faulenzertag am Strand. Eigentlich eine gute Idee bei dieser Hitze, aber das dachte sich wohl auch der Rest der Kapstädter. Bis nach Camps Bay brauchten wir mit dem Minibus mehr als eine Stunde, obwohl man sonst nicht einmal eine halbe unterwegs ist. Stop and go – hieß das Zauberwort. Am Strand angekommen, konnten wir zunächst nicht einmal das Wasser sehen, weil zu viele Menschen davor standen. Hunderte Familien, vom Baby bis zur Großmutter, saßen unter Sonnenschirmen und Palmen, kämpften um jedes noch so kleine Stück Schatten und waren ausgerüstet mit Picknickkörben. Ein Kampf zum Wasser begann. Doch dort angekommen, standen die Menschen in den ersten Metern des Wassers dicht an dicht und schienen sich nur die Füße abzukühlen zu wollen – vielleicht konnten sie aber auch alle nicht schwimmen. Wir versuchten uns weiter vor zu kämpfen und wateten durch das Wasser bis endlich etwas mehr Platz war und wir auch ein Stückchen Sandgrund ergattern konnten. Der entspannende Teil folgte und mit jedem Mal kam mir das mit 16°C doch eigentlich recht kalte Wasser wärmer und angenehmer vor. Als der Wind gegen Spätnachmittag kam ein Sandsturm auf, sodass wir uns entschieden zurück zu fahren. Doch das war einfacher geplant als getan. Auf der Straße war immer noch Stau und die wenigen Minibusse, die sich durchkämpfen konnten waren sofort voll. Irgendwann kamen wir zu einer Menschenmenge und ich war mir sicher, dass ist der Minibushaltepunkt. War er auch – ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass die Leute sogar ordentlich eine Schlange am Straßenrand entlang bilden und diese Schlange war gut 1 km lang. Wir konnte das Ende nicht einmal sehen… Bei max. 16-18 Leuten, die in einen Bus passen, macht das also etwa… viel zu viele Busse und wahrscheinlich eine ganze Nacht Zeit. Eine Frau an der Bushaltestelle des ÖPNV – der hier Golden Arrow heißt – versicherte uns, dass der letzte Bus in Richtung Stadt noch nicht gefahren sei und so stellten wir uns unwissend, ob an einem Feiertag überhaupt ein Bus fährt – denn Fahrpläne hängen da ja nirgends – zu den anderen Wartenden und warteten. Wir warteten und warteten und beobachteten das Schauspiel auf der Straße: die Autos, die sich in ihrem Stop&Go-Modus versuchten voran zu arbeiten, Polizisten, die einem Dieb hinterher rannten, die Minibusse, die sich in Windeseile füllten, wenn denn mal einer kam, wie die Menschen in der Schlange ganz langsam voran rückten und geduldig warteten und letztendlich auch noch einen Unfall, sodass eine Spur vorübergehend gesperrt werden musste und die Südafrikaner mal wieder ein Klischee erfüllten. Wenn ein Unfall passiert, wird versucht so nah wie möglich zu heran zu kommen, da zu stehen, zu starren und nichts anderes zu tun und das können sie wirklich sehr gut. Irgendwann schaute ich auf die Uhr und bemerkte, dass wir schon mehr als eine Stunde warteten. So lange kam es mir gar nicht vor und ich hätte wahrscheinlich auch noch stundenlang weiter dort stehen und das Leben beobachten können, wenn ich nicht gewusste hätte wie aussichtslos es ist auf den Bus zu warten. Egal, ob Minibus oder Golden Arrow. So entschieden wir uns nach gut eineinhalb Stunden warten (so lange würde ich in Deutschland niemals an einer Haltestelle stehen ohne zu wissen, ob überhaupt etwas kommt), in Richtung Stadt zu laufen und uns irgendwann ein Taxi zu schnappen, in der Hoffnung unser weniges Geld würde reichen und das tat es auch. Der Taxifahrer erzählte uns dann noch, dass wohl immer am 2. Weihnachtsfeiertag alle Kapstädter zum Strand fahren. Warum, dass wusste er nicht, denn an jedem anderen Tag im Jahr hatte man wohl eine größere Chance nicht aus Platzmangel nur einen Stehplatz am Strand zu bekommen, als an diesem.

Camps Bay total überfüllt


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