Verfasst von: Juli. | 12. September 2010

Field Camp (Tag 54-58)

Die Ferien sind vorbei und ich bin wieder zurück von meiner Exkursion. Ich weiß gerade nicht so recht, was ich berichten soll. Eher die wissenschaftlichen Aspekte in Form der Projekte, die wir gemacht haben oder eher das was ich alles Neues gesehen und gelernt habe über Afrika und über die Menschen hier? Vielleicht sollte ich einfach versuchen meine Tage kurz zusammen zufassen. Ob das funktioniert, weiß ich noch nicht, denn ich habe eine ganze Menge neuer Eindrücke gesammelt. Auf jeden Fall waren es ein paar schöne Tage und es war entspannender als ich gedacht hatte.

Es ging natürlich – wie für Südafrika typisch – später los als erwartet. Denn am Dienstagabend bzw. in der Nacht zum Mittwoch hat unser Professor noch fleißig Emails verschickt, um uns darauf hinzuweisen, dass wir nicht wie eigentlich geplant um 8:30 losfahren, sondern erst 4 Stunden später. Ich habe so wie jeder zweite die Email nicht bekommen, obwohl ich extra früh noch einmal nach gesehen hatte und war viel zu früh da. Das Problem war nicht etwa, dass die alten Herren länger schlafen wollte, sondern viel mehr, dass die See so hoch war, dass unser Boottrip nach Struis Baai nicht statt finden konnte und die Autofahrt dorthin nicht so lange dauert, wie die Anreise über Wasser. Wir wären trotzdem gern eher gefahren, um den schönen warmen Sonnentag am Meer verbringen zu können, denn unsere Häuschen waren keine 100 m vom Strand entfernt.

Der nächste Tag startete früh, da Ebbe und Flut unseren Zeitplan bestimmten. Mit meiner Projektgruppe ging es zu den Felsenstränden, um Felsenpools (quasi vom Meer abgetrennte Wasserstellen, so wie große Pfützen zwischen Steinen) zu finden, auszumessen und die Organismen darin zu zählen, zu fangen und ebenfalls auszumessen. Die Fische wurden dann mitgenommen, da sie später auf Parasiten untersucht werden sollen. Es gab natürlich wieder eine ganze Menge zu entdecken: riesige und winzige Seesterne, Schlangensterne, Anemonen, Seeigel, kleine und eine megagroße Krabbe. Zur Mittagspause ging es zum Cape Agulhas, wo es wieder genauso windig und wolkig war, wie beim letzten Mal. Doch sobald wir wieder im Auto in Richtung Struis Baai saßen, kam die Sonne wieder heraus. Manchmal ist sie komisch, diese Sonne. Am Nachmittag wartete dann gleich das nächste Projekt oder besser die Hauptattraktion der Exkursion aus uns: der Trip mit dem Skiboot. Für 4 Stunden ging es hinauf aufs offene Meer und so manch einer mag mich jetzt vielleicht beneiden, weil es wie 4 Stunden Achterbahnfahrt war. Es ging auf und ab, Welle um Welle und immer wenn das Boot wieder in ein Wellental hinunter krachte, fühlte es sich wie ein freier Fall an. Der Horizont war eigentlich so gut wie nie zu sehen, da das Boot immer von Wellen umgeben war, sodass es auch nicht lange dauerte bis wir komplett nass waren. Auf der Skala bis 10 war das wohl erst eine 5, aber ich bezweifle, dass man mehr als eine 7 mit diesem Boot überleben kann. Die Meeresbewohner durften sich irgendwann über mein Mittag freuen, sodass ich von dem eigentlichen Projekt, was aus Wasserproben entnehmen (die später auf den Phytoplanktonanteil analysiert werden), Temperatur und Nährstoffgehalt messen bestand, nichts mehr mitbekommen habe. Wir waren die einzige Gruppe, die solch heftigen Wellengang und Wolkenhimmel hatte, aber dafür wurden wir auch mit den besten Aussichten auf Wale belohnt. Einer ist in etwa 50 Meter Entfernung mehrmals für uns gesprungen, zwei weitere sind uns eine ganze Weile lang gefolgt, da sie neugierig waren und etwas später war da noch ein Wal, der etwa 20 Meter von uns entfernt immer seine Flosse auf und ab geklappt hat, so als wollte er uns winken. Es hat sich also auf jeden Fall gelohnt, wir hatten eine Menge Spaß und ich habe es nicht bereut dieses Boot zu betreten.

Sea hare bunnies

Der nächste Tag startete mit einer Fahrt zum nahegelegenen Ästuar, quasi die Mündung eines Flusses in den Ozean. Eine Wanderung mit Vogelbeobachtung auf den verlassenen Wegen am Fluss entlang bis zu den Sanddünen an der Mündung. Wieder hieß es Wasserproben entnehmen und ein paar Messungen ausüben, aber ebenso Bekanntschaft mit den Organismen in den Seegrassbetten zu schließen und diese zu zählen. Und da gab es so einige lustige Tierchen, die ich noch nie vorher gesehen habe und ich glaube nicht einmal, dass man die irgendwo um Deutschland herum freilebend findet. Seehäschen hießen diese kleinen „Monster“ und es ist wirklich schwer zu beschreiben, wie sie aussehen. Zuerst dachte ich da würde eine Socke im Wasser liegen, aber eigentlich sieht es mehr wie ein Haufen bunter Schleim aus, vielleicht auch wie eine riesige Nacktschnecke. Jedenfalls waren sie so zahlreich im Seegrass unterwegs, dass es eine wahre Herausforderung war nicht auf sie zu treten. Außerdem gab es natürlich noch eine Menge verschiedener Krabben und einige von ihnen haben immer ganz lustig ihre Augen herausgefahren. Nachmittags ging es an den Hafen, um etwas mehr über die Fischer und ihre Lebenssituation zu erfahren und natürlich, um ihren Fisch für unser allabendliches Braai zu kaufen. Lecker!

Da ich an allen Projekten schon teilgenommen hatte, war der Samstag ein freier Tag, der bei reichlich Sonnenschein faul am Strand verbracht wurde. Nach einiger Zeit konnte ich die anderen auch überreden baden zu gehen, war ja eigentlich gar nicht so kalt und so konnten wir auch noch ein bisschen entspannen in unseren Ferien, bevor es dann heute wieder nach Kapstadt zurück ging.


Responses

  1. wow! das klingt fantastisch! Ich will auch!!!


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