Verfasst von: Juli. | 1. September 2010

Der Campus (Tag 48)

Zeit mal etwas mehr über den Campus zu berichten, denn dort halte ich mich schließlich fast jeden Tag von morgens bis es dunkel wird auf. Wie schon einmal erwähnt ist er riesig und besteht aus drei großen Sektionen: Lower, Middle und Upper Campus, die sich allesamt am Fuße von Devil’s Peak befinden. Dann gibt es noch ein paar verstreute kleinere Areale in der Stadt, wie zum Beispiel die Medical School und eine Menge Sportplätze zwischen den ganzen Gebäuden. Es gibt sogar ein Besucherzenter und nicht selten sieht man am Wochenende Touristen mit ihren Kameras den Campus erkunden.

Es folgen ein paar Daten und Fakten:  Die „University of Cape Town“ wurde 1829 gegründet und war zunächst nur für Jungen zugänglich, erst 58 Jahre später durfte auch die weibliche Bevölkerung hier ein Studium beginnen. Seit Beginn der 1980er Jahre stieg der Anteil der „Schwarzen“ stark an und liegt heute etwa bei 50 Prozent. Etwa 23000 Studenten studieren hier zur Zeit, wovon 19 %(!) nicht südafrikanische Staatsbürger sind, sondern aus 96 verschiedenen Ländern kommen und für ein starkes multikulturelles Gefühl hier auf dem Campus sorgen. Besonders Namibianer zieht es nach Kapstadt, weil die Uni hier angesehener ist, als ihre Uni in Windhoek. Aber auch Studenten aus Ghana, Guinea, Kenia, Deutschland,… sind in meinen Kursen vertreten. Außerdem kann man so gut wie jeden Studiengang an einer der sechs Fakultäten (Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Recht, Medizin, Wirtschaft, Ingeneurwissenschaften) finden.

Mindestens jeder zweite rennt hier mit einem Pulli oder einer Jacke herum auf dem in irgendeiner Weise „UCT – University auf Cape Town“ zu lesen ist. In meinem Haus haben sich auch schon 4 von 10 Leuten einen wärmenden UCT-Pulli zugelegt.

Der Campus ist wie ein kleiner Mikrokosmos, wie eine eigene Welt. Hier gibt es so ziemlich alles: von Telefonzellen, einer Postfiliale, haufenweise Bankautomaten bis hin zu einem eigenen Foto-Druck-Shop, einem Mini-Elektronikmarkt und dem UCT-Shop in dem es so ziemlich alles gibt: Taschen, UCT-Klamotten, Schmuck, Lehrbücher, Webcams, sämtliche Schreibmaterialien, Drogerieartikel, Medikamente, Souvenirs… fehlt eigentlich nur noch ein Supermarkt. Manchmal ist es mir jetzt sogar etwas zu voll auf dem Campus, ab und zu fühlt es sich schon wie in der Pariser Metro an. Aber an anderen Tagen mag ich es einfach auf der Treppe voll Menschen auf dem Jamie Plaza zu sitzen und den ganzen Rummel an mir vorbei rauschen zu lassen und den Ausblick auf die Stadt zu genießen. Irgendwie scheint auf dem Campus jeden Tag eine Party zu sein. Manchmal spielt in der Mittagspause einfach eine Band und am nächsten Tag ist irgendeine Firma (besonders oft Red Bull) da die Werbung macht und haufenweise Preise verjubelt. Neulich hat jemand da einfach mal so einen DVD-Player gewonnen. Für die faulen Leute, die zu faul sind die unzähligen Treppen zu laufen fährt der Jamie-Shuttle zu den verschiedenen Campus-Arealen.

Essen auf dem Campus ist natürlich nicht zu vergleichen mit unseren Mensen in Deutschland. So was kennt ihr kein Südafrikaner und wahrscheinlich auch kein Amerikaner. Mensa ist nicht – statt dessen gibt es einen Food-Court, wo 6 kleine Läden sind, die von Sushi, Sandwiches, Pommes (die im Vergleich zu Konopkes Pommes miserabel sind, aber das hätte ich mir eigentlich vorher denken können), traditionell afrikanische Gerichte, Schokoriegeln und Chips bis hin zu Obsttüten alles verkaufen. Also ganz viel Fastfood, den Obststand mal ausgenommen! Quer auf dem Campus verteilt sind dann auch noch mehr Sandwichbuden, ein kleines Cafe und ein Asiate (sehr lecker und günstig!) zu finden. Allerdings wehre ich mich dagegen mich hier jeden Tag von dem ganzen Fastfood-Kram zu ernähren, obwohl die Preise sehr verlockend sind und es bei dem großen Angebot wahrscheinlich eine Weile dauern würde bis ich alles durchprobiert hätte. Aber ich möchte nicht so wie meine Mitbewohnerin enden, die nicht mehr mit Video-Chat mit ihren Freunden und der Familie telefonieren möchte, weil sie schon jetzt nach 6 Wochen hier so viel zugenommen hat und ihr das unangenehm ist… Also wird halt Stulle gegessen und gekocht!🙂


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