Verfasst von: Juli. | 1. Dezember 2017

Rückblick: Sicherheitsschloss

Israels Flughafen in Tel Aviv gilt als der sicherste der Welt und während ich mich innerhalb des Landes eher über die oberflächlichen Taschenkontrollen beim Betreten der Universität, des Bahnhofes, eines Einkaufszentrums, ja wahrscheinlich sämtlicher öffentlicher Gebäude amüsiert habe, war es am Flughafen wirklich ernst. Reißverschluss auf und einmal in die Tasche geguckt, so wie im Rest des Landes? Nein, so einfach war es hier nicht. An jeder Sicherheitskontrolle wurde ich gefragt, ob ich meinen Koffer allein gepackt habe, ob ich ihn unbeaufsichtigt irgendwo stehen lassen habe oder ob mir irgendjemand in Israel etwas gegeben hat, dass sich jetzt in meinem Koffer befindet. Ich frage mich, wer bei diesen Fragen „Ja.“ sagen würde. Doch das war erst der Anfang, obwohl ich nicht viel Gepäck hatte und alles als Handgepäck hätte mitnehmen können, war ich im Endeffekt froh mich dafür entschieden zu haben, mein Gepäck doch aufzugeben. Das erwies sich als eine sehr gute Entscheidung, denn beim Sicherheitscheck wurde alles kontrolliert. Alles! Jede Seitentasche, jeder Inhalt von Beuteln. Ein kompletter Verlust der Privatsphäre. Nacktscanner können dann auch nicht mehr viel schlimmer sein…

Beim Umsteigen in Istanbul dann das komplette Gegenteil. Die Dame vor mir musste ihre 0.5 Liter Wasserflasche entsorgen, während die noch fast volle 1,5 Liter Flasche des Herrn vor gut sichtbar an der Außenseite seines Rucksacks unentdeckt blieb.

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Verfasst von: Juli. | 29. November 2017

Rückblick: Sandige Mondlandschaft

Vielleicht habe ich in meinen beiden letzten Posts, das Land etwas kleingeredet. Beim Durchschauen der Bilder muss ich zugeben, es gibt ein paar eindrucksvolle Ecken in Israel besonders im tiefstehenden Sonnenlicht… Hinfahren werde ich aber dennoch nicht noch einmal.

Verfasst von: Juli. | 28. November 2017

Rückblick: Willkommen in Israel

Von oben sieht es aus wie ein Land voller Bauklötze. Sandfarbene Hochhäuser ragen aus dem Nichts in den Himmel hinauf. Alles sieht irgendwie gleich aus, nur die Höhe der Häuser ist unterschiedlich. Die Landschaft dazwischen ist karg, teils sehr trocken, kleine Wege und Sandstraßen ziehen sich über die Hügel. Beige. Beige. Beig. Alles ist irgendwie beige. Dann ist es plötzlich grün und es stehen überall Bäume. Dazwischen noch mehr Häuser.

Vom Boden aus betrachtet: viel Sicherheitspersonal, überall Müll und sandsteinfarbene Häuser. Tel Aviv ist modern und unzählige Hotelkomplexe und graue Wolkenkratzer ragen hoch hinaus. Immerhin findet man im Stadtteil Florentin überall Streetart und in Jaffa noch eine Menge historischer Gassen. Landschaftlich ist es allerdings auch aus der Mausperspektive nicht attraktiv, wenn man keine flachen Hügelländer in den Farbtönen sandstein bis beige bevorzugt.

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Irgendwo auf dem Land

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Streetart in Florentin, Tel Aviv

Verfasst von: Juli. | 21. November 2017

Rückblick: „Holy“ Land

Vor ein paar Jahren sind Bekannte in den Urlaub gefahren. Nach Israel! Ich weiß noch genau, wie ich mich gefragt habe, warum ausgerechnet diese beiden auf die Idee kamen nach Israel zu fahren, was man dort im Urlaub machen würde und wie man es überhaupt mit seinem Gewissen vereinbaren kann in ein Land, das unter enormen politischen Spannungen steht, in den Urlaub zu fahren… Das alles war für mich unvorstellbar und auf mich wirkten sie eher naiv, statt abenteuerlustig.

Vor sechs Monaten fuhr eine Freundin spontan nach Israel. Nein, eigentlich Palästina! Sie hatte das Glück von einer entfernten Verwandten eine ganz andere Seite des Landes zu sehen, zu erleben und zu hinterfragen. Es war mehr als nur ein Urlaub, es war eine politische Bildungsreise hautnah. Als sie zurückkam, mit befremdlichen Fotos auf ihrer Kamera und dem Drang all ihre Unzufriedenheit über diese Ungerechtigkeit mit uns zu teilen, war sie sehr irritiert von all dem was sie dort gesehen und erfahren hatte. Es waren verstörende aber auch beeindruckende Fotos.

Vor drei Monaten fragte mich mein Chef, ob ich für eine Exkursion nach Israel reisen wollte. Sofort war ich motiviert und interessiert. Wann würde die nächste Chance kommen, eine geführte Reise in einen Teil der Welt, den ich noch nicht gesehen hatte, zu unternehmen? Nachdem ich mich angemeldet hatte, kamen die Zweifel. Ich dachte an den Urlaub meiner Bekannten, an die Reise meiner Freundin und fragte mich, ob es die richtige Entscheidung war.

Eineinhalb Monate später erhielt ich die Zusage. Noch immer war ich unentschlossen, doch letztendlich entschied ich mich für die Exkursion. Unvoreingenommen und offen versuchte ich in dieses Land zu reisen und dennoch führte ich wöchentlich Diskussionen mit meinem inneren Ich.

Vor einem Jahr habe ich den Film „Roadmap to Apartheid“ gesehen. Danach wollte ich den ganzen Abend nicht mehr reden. Zu erschreckend die Bilder, zu unfassbar, dass sich die Geschichte des Apartheidregimes von Südafrika vor unseren Augen in einer neuen Form in Israel zu wiederholen scheint. Und wir? Greifen nicht ein! Ich hatte nichts gewusst von all dem, was dort passiert. Was zeigen uns die Medien schon?! Nichts! Danach hatte ich eine heftige Diskussion mit einem Kollegen, der selbst viele Jahre in Israel gelebt hat. Während ich immer noch am Zweifeln war und jeden Penny der in dieses Land fließt am liebsten boykottieren würde, meinte er, dann sollte ich doch auch nicht mehr nach Südafrika reisen. Das wäre dasselbe! Nach meiner Rückkehr aus Israel einigten wir uns immerhin darauf, dass das Land nicht hübsch, aber das Essen sehr lecker ist. Humus – früh, mittags, abends! 😉

– – –

Das alles ist ein Jahr her. Heute macht es mich immer noch wütend, dass der Normalbürger von all dem nichts weiß. Der Mantel des Schweigens liegt über der Apartheid in Israel, den Rohingya in Myanmar, den widerrechtlichen Verhaftungen in Katalonien und so vielen anderen humanitären Krisenregionen…

Nun, wo Kollegen die nächste Südafrikareise vorbereiten, kommt wieder die Sehnsucht. Nach Südafrika, nicht nach Israel! Auch in Südafrika sind noch lange nicht alle Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten beseitigt und es lässt sich streiten, ob (unterschwellige) Diskriminierung schlimmer ist als per Gesetz festgelegte Ungleichheit. Sicher ist, dass ich mich dort wohler fühle. Die ständigen Sicherheitskontrollen in Israel verbreiteten bei mir eher ein ungutes Gefühl. Alle Menschen, die ich bisher getroffen habe und die Israel besucht haben, kamen begeistert zurück. Nur bei mir scheint der Funke nicht übergesprungen zu sein.

Für mich ist klar, sollte ich die Karriereleiter weiter hinaufklettern, nach Israel werde ich nicht noch einmal fahren, auch wenn die landschaftlichen Gegebenheiten denen Südafrikas teilweise sehr ähnlich sind.

Verfasst von: Juli. | 19. Dezember 2016

Brauchen wir Kunst?

Eines Morgens lag ein Flyer auf meinem Schreibtisch; Informationen über die aktuelle Sonderausstellung im Kunstmuseum „Der figurative Pollock“. Obwohl mir der Name nichts sagte, hat mich das darauf abgebildete Bild sofort angesprochen. Meine Kollegin, die eine starke Beziehung zur Kunst hat (Ihr Vater ist Intendant am Theater, ihr Bruder Künstler und sie kritzelt ganz gut Dinge aufs Papier wenn sie bei der Arbeit mal nicht weiterkommt oder eine mentale Pause braucht.), wollte mich auffordern mal wieder ins Kunstmuseum zu gehen. Recht hatte sie, denn auch nach über zwei Jahren war ich noch nie dort gewesen. Einmal hatte ich es versucht, doch da war das Museum aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen gewesen.

Sie versuchte meinen Mitbewohner zu überzeugen, aber der war laut eigener Aussage noch nie in einem Kunstmuseum und hatte auch nicht vor eines zu betreten. Sie war leicht erschüttert. Ich kannte seine festgefahrene Sturheit und wusste, dass eine Diskussion zwecklos ist. Dennoch fragte ich mich, ob man nicht mindestens einmal im Leben ein Kunstmuseum besucht haben sollte?

Ich gehe gern in Museen, das Thema spielt dort kaum eine Rolle. Ich war im Louvre doch habe schnell festgestellt, dass das nicht meine Art der Kunst ist. Antike Skulpturen finde ich langweilig und diese überschwänglichen imposanten riesigen Gemälde sind mir meist zu düster. Ich finde sie wenig interessant, wobei es sehr wohl beeindruckend ist, wie real und detailgetreu Künstler schon vor Jahrhunderten malten. Ich allerdings mag nicht das Abendmahl, sondern verliere mich eher in Landschaften, die aussehen als würde ich selbst auf die Berge schauen. Ich mag Fotografien und wundere mich oft, warum genau dieses oder jene (für mich so unspektakuläre) Bild es ins Museum geschafft hat. Ich schwöre auf Surrealismus und Expressionismus; mag klare Linien oder Formen der modernen Kunst und finde es spannend wenn verschiedenste Materialien auf derselben Leinwand verarbeitet werden.

Doch wer noch nie in einem Kunstmuseum war, hat er das Recht zu sagen, er mag keine Kunst? Wenn man dem noch nicht einmal eine Chance gegeben hat? Vielleicht gibt es irgendwo doch ein Kunstwerk (sei es ein Gemälde, eine Skulptur oder eine Zeichnung), welches einen sprachlos macht und von dem man den Blick nicht lassen kann.

Ich selbst fühle mich zur Kunst verbunden. Ich habe unglaublich viel Spaß wenn ich etwas Kreatives mache. Sei es fotografieren oder etwas mit meinen eigenen Händen schneiden, malen, kleben, falten, nähen, häkeln, töpfern, hämmern, sägen,… oder mich einfach nur bei einem Stadtspaziergang in der Architektur verlieren.

Ich habe es aufgegeben, meinen sturen Mitbewohner zu überzeugen. Und so stand ich nun an einem Samstagmittag allein im Kunstmuseum und starrte auf die Buntstiftkritzeleien von Pollock. Diese waren ohne Frage immer noch besser als ich das hinbekommen hätte, aber dennoch waren einige so skizzenhaft, fast laienhaft. So etwas hätte ich auch noch in einem Ordner meiner gesammelten Werke. Ich versank vor dem Spielfilm, der sein Leben portraitierte. Ein weiterer Künstler, der seinen Verstand verlor und viel zu jung starb. Er steht für die Erfindung des Actionpaintings, die Art von Kunst in der Farbe wild auf die Leinwand getropft, gegossen, gespritzt oder geworfen wird; ebenso das das Malerwerkzeug nie die Leinwand berührt. Alles wirkt chaotisch und dennoch hat er vielleicht jeden Spritzer genau bedacht. Genau vor diesem Chaos könnte ich dann stundenlang sitzen und mich darin verlieren.

Ein Besuch im Kunstmuseum gibt mir Kraft und inspiriert mich. Ich philosophiere welche der Bilder ich in meinen eigenen vier Wänden schön finden würde und an welchen Stil ich mein nächstes Bild anlehnen könnte. Wenn ich dann in den modernen Kunstmuseen der Welt manchmal einfach eine blaue Neonröhre als Kunstwerk hängen sehe, glaube ich die Menschheit ist dumm und verrückt zugleich und sehe gleichzeitig den Beweis, dass man es mit allem schaffen kann, dass wir uns mehr zutrauen sollten und den Glauben an uns selbst und an alles was wir machen nicht verlieren sollten.

dsc04396_smallKunst oder Fehlgriff? Sonnenaufgang auf Durchreise in Berlin.

Verfasst von: Juli. | 30. November 2016

Unbeschwert

Drei Wochen besitze ich jetzt schon kein Mobiltelefon mehr. Ein paar Nachrichten habe ich noch verschickt. Kein Panisches „Mein Ladegerät wurde gestohlen und ich bin gleich wahrscheinlich nicht mehr erreichbar“, sondern eher im Style von „Der Urlaub war schön und jetzt sind wir auf dem Rückweg. Du musst unbedingt mal nach Südfrankreich!“ beziehungsweise „Komme erst morgen zurück. Es wird noch eine lange Nacht. Kannst du deinen Schlüssel im Briefkasten lassen?“ Dann war der Akku leer, die Nacht schon stockfinster und die Autofahrt noch lang.

Ab dem darauffolgenden Tag schrieb ich Emails, um Verabredungen zu treffen oder klopfe direkt an die Bürotür meiner Kollegen. Ich bemühte mich mehr wieder pünktlich zu sein und hatte kein schlechtes Gewissen, wenn ich doch etwas später kam und ich immer noch freudig erwartet wurde.

Ich versuchte den Laden zu finden, in dem sonst immer so viel Elektroschrott verkauft wurde. Wahrscheinlich hat es sich nicht rentiert, denn jetzt ist dort nur noch ein Internetcafé. Jeder meiner Freunde hatte plötzlich ein altes Smartphone für mich. Aber ich lehnte nur ab. Das wäre jetzt vielleicht der richtige Moment auf ein Smartphone umzusteigen, aber ich habe einfach keine Lust darauf. Außerdem habe ich doch nur keinen Strom, ansonsten funktioniert alles wie zuvor.

Plötzlich fragen mich die Leute, warum ich gerade kein Handy habe und wie ich damit klar komme. Warum erwartet eigentlich jeder, dass ich rund um die Uhr erreichbar bin? Manchmal empfinde ich das als Last. Es ist ja nicht so als würde mein Handy sonst stündlich klingeln doch es ist schön mal nicht erreichbar zu sein. Wenn ich irgendetwas vibrieren höre, muss ich nicht panisch in der Tasche wühlen, denn mein Mobiltelefon ist es sicherlich nicht. Nur eine Armbanduhr muss ich jetzt wieder häufiger tragen.

Mittlerweile habe ich herausgefunden, dass mein Mitbewohner ein passendes Ladekabel hat und mein Handy mal wieder mit Strom versorgt. Es sieht so aus als wäre ich zurück in der Welt, in der man immer erreichbar ist. Vielleicht nur vorübergehend, vielleicht auf Dauer – ich weiß es nicht.

Verfasst von: Juli. | 23. November 2016

Der Wert der Dinge

Vielleicht begann alles mit einem Bademantel. Monatelang, wenn nicht sogar jahrelang war meine Freundin schon auf der Suche nach einem Bademantel. Kuschelig sollte er sein, mindestens knielang und am liebsten mit Kapuze. Meistens hatte der Preis sie dann letztendlich abgeschreckt.

Nun war es endlich so weit. Ungeplant waren wir in diesem riesigen Laden gelandet, wo es für jede Sportart etwas gab und vieles dazu noch zu sehr günstigen Preisen. Nachdem sie fast eine Stunde damit verbracht hatte verschiedenste Kletterschuhe an- und auszuziehen und wir dringend weiter wollten, griff sie auf dem Weg zur Kasse einfach in das Regal und kaufte diesen lilafarbenen Microfaserbademantel. Abends stolzierte sie damit wie ein Honigkuchenpferd grinsend aus dem Badezimmer. Endlich, ein Bademantel!

Drei Tage später lagen auf dem Boden nur Scherben.

Ich schaute in den Kofferraum. Überall Scherben. Unter den Sitzen schauten noch ein paar Seile hervor, sonst gähnende Leere. Langsam dämmerte mir, dass mein Koffer wohl auch weg. Kein Wunder – so strahlend blau und fast federleicht wie der war, hätte ich den auch mitgenommen. Meine Jeans, schoss es mir durch den Kopf. Meine einzige Jeans ist weg. Komisch welche Dinge einem manchmal einfallen. Dann dachte ich wieder an meinen kleinen Handgepäckkoffer, den ich mir nach langem Überlegen endlich gegönnt hatte, weil ich fand, dass es Zeit war, dass ich nicht immer nur mit Rucksack verreise. Das war genau drei Monate her. Dies war seine zweite Reise gewesen. Schade. Einen Moment später fragte ich mich, ob es Glück oder Pech war, dass ich den kleinen Koffer, statt meines Wanderrucksackes genommen hatte. Dann wäre ganz unerwartet unsere mehr als 10-jährige Beziehung beendet gewesen. Nicht auszudenken, wäre das. Andersherum wäre ich dann wirklich gezwungen mich endlich nach einem neuen Wanderrucksack umzuschauen, denn die alten Nähte beginnen schon wieder aufzureißen.

Dann fällt mir ein, dass auch mein Schlüsselbund im Koffer war. Zum Glück haben wir 4 Schlüssel für die Wohnung! Aber mein Fahrradschlossschlüssel… Oh nein, wie bekomme ich nun mein bombensicheres Fahrradschloss auf? Falls unsere Nachbarn eine Kreissäge besitzen, könnte das sicherlich weiterhelfen, aber eigentlich will ich es nicht zerstören. Immerhin wird das Fahrrad mit diesem Schloss niemand klauen. Nur ich kann eben auch nicht damit fahren.

Plötzlich trifft mich der Blitz! Meine Lieblingsstulpen! Ein Geschenk aus Japan. Extra lang, super warm und einfach schwarz. Als ich sie bekommen habe, dachte ich es ist nichts Besonderes. Ein paar Wochen oder Monate später erkannte ich wie viel sie eigentlich wert waren. Schlicht und einfach, das passte zu all meinen Sachen und so hatten sie mich überall hin begleitet und waren an kalten Tagen oft zu einer zweiten Haut geworden. Sie waren mit mir in Schweden, in Indonesien, in Südafrika, quer durch Europa bis in die Schweiz gereist. In Frankreich hatte ich sie nicht einmal gebraucht, weil es viel wärmer als erwartet war und nun waren sie weg. Einfach so, gerade jetzt wo der Winter vor der Tür steht.

Nach und nach fallen mir noch andere Dinge ein, die im Koffer waren, zum Beispiel guter französischer Nugat und Käse, den ich als Mitbringsel für meine Mitbewohner gekauft hatte. Daran erfreut sich jetzt jemand anderes. Ansonsten waren nur Sportsachen, mittlerweile dreckig und verschwitzt, im Koffer und mein Ebook-Reader. An Lesestoff wird es mir nicht mangeln, denn erst vor kurzem bin ich wieder einmal mit einem Beutel voller Bücher aus der Buchhandlung nach Hause gekehrt. Nur, dass ich jetzt wieder Zeit in eine Kaufentscheidung investieren muss, stört mich und die selbstgenähte Tasche vermisse ich mit ein bisschen Wehmut; ebenso den kleinen Beutel für meine Kopfhörer. Die Zeit und Mühe, die ich dort hinein gesteckt habe und wie stolz ich darauf war. Da beides einige meiner ersten Arbeiten mit der Nähmaschine waren. Nun sind auch diese weg.

Gut zwei Wochen später kann ich sagen, dass meine halbkaputten Sportschuhe neben den Stulpen für mich persönlich wohl der wertvollste Schatz gewesen sind. Denn ohne sie kann ich nur die Hälfte meines Trainings absolvieren und mein Bewegungsdrang lässt sich so schwer stillen. Die erste Wochenendreise habe ich auch wieder ohne Handgepäckskoffer überstanden. Es ist vielleicht nicht ganz so komfortabel, aber ich bin jahrelang so gereist. Nur, dass ich nun wieder zwei Bücher mitschleppe, stört mich etwas. Der Gewichtsunterschied ist nicht zu unterschätzen.

An viele der anderen Dinge kann ich mich schon gar nicht mehr richtig erinnern. Ein Beweis dafür, dass wir eigentlich viel zu viel besitzen, auf vieles verzichten können oder es ersetzbar ist. Aber eben nur fast alles. Wenn ich morgens zur Arbeit radele und der eiskalte Wind an meinen Beinen vorbei pfeift, denke ich an die Stulpen. Es sind die Dinge mit denen ich so viele Erinnerungen verbinde, die mir am meisten fehlen; etwas Selbstgemachtes oder ein Geschenk. Es ist nicht alles ersetzbar doch vielleicht verblassen die Erinnerungen wenn der Sommer kommt.

Und der Bademantel? Der war auch weg, nach nur zweimal tragen. Meine Freundin ist nun wieder auf der Suche, aber vielleicht war es ein Zeichen und sie braucht eigentlich gar keinen Bademantel.

Verfasst von: Juli. | 25. Oktober 2016

Unterschwellig

Oktober 2016, ein weiteres Jahr ist vergangen seit dem ich hier bin. Zwei Jahre sind es nun schon.

Immer wieder fragen mich Freunde oder Verwandte, ob ich etwas spüre von der Unbeliebtheit von Ausländern in diesem Land. Ich sage dann oft „Nein“, denn im Dreiländereck verschwimmen die Grenzen und es ist ungewiss, wer wo wohnt und wer nur ein Tourist ist. Ich selbst habe zumindest nie eine Art der Diskriminierung wahrgenommen, aber viele Geschichten gehört von meist afrikanisch stämmigen Personen (oder Personen, die zumindest so aussehen), die fast täglich irgendwo ihre Papier vorzeigen müssen. Auch Deutsche sind angeblich nicht besonders beliebt, denn sie nehmen den Schweizern in Scharen die Arbeitsplätze weg. Das stimmt wahrscheinlich auch in vielen Bereichen. Schweizer Studenten zum Beispiel würden für den Lohn von dem deutsche Doktoranden nur träumen niemals eine Dissertation anfangen, wenn sie nicht wirklich an der Forschungsarbeit interessiert sind. Für ein Praktikum im Bundesamt für sowieso bekommen sie hier stattdessen geregelte Arbeitszeiten und mehr als ein Doktorandengehalt. Über die Gehälter in der freien Wirtschaft möchte ich gar nicht erst spekulieren. Klar ist jedoch auch, dass die Schweizer Wirtschaft ohne die zahlreichen arbeitswilligen Ausländern schon längst stehen geblieben wäre. Sie brauchen uns, aber wollen es nicht zugeben.

Oktober 2016, das heißt auch, dass ich wieder eine neue Aufenthaltsbewilligung benötige. Ausländerausweis heißt das hier. Allein den Name finde ich schon diskriminierend. Seit heute würde ich auch ganz klar sagen, dass ich Diskriminierung erfahren habe. Meine neue Aufenthaltsbewilligung ist eingetroffen. Erneut ist sie wieder nur ein Jahr gültig. Erneut will das Amt für Migration natürlich auch wieder Geld von mir. Es ist keine Unsumme (vielleicht habe ich mich auch einfach schon an das Preisniveau hier gewöhnt), aber es summiert sich über die Jahre. Ein Jahr?! Und das obwohl mir mit einem Arbeitsvertrag von mehr als 365 Tagen offiziell eine Bewilligung für fünf Jahre zusteht. Nach einem Anruf beim Amt leiert der Mitarbeiter seine Floskeln herunter, dass das alle Angestellte an der Universität betrifft. Ich weiß jedoch, dass das so nicht stimmt. Ich kenne mindestens vier Personen, die trotz selben Arbeitsbedingungen wie ich eine Bewilligung für fünf Jahre bekommen haben. Als ich ihn darauf anspreche, fragt er seinen schlauen Computer. Die eine Bescheinigung wurde in einem anderen Kanton ausgestellt. Das ist ihre Sache, wie die das dort machen. Die zweite Bescheinigung war für eine Tschechin. Das muss wohl ein Versehen gewesen sein. Das machen wir nie so. Die dritte und vierte beide ebenfalls für fünf Jahre – das war dann wohl erneut ein Versehen? Ach, die gingen beide an Engländer, antwortet er ganz überrascht als ob das eine Erklärung wäre. Und ich, ich komme aus Deutschland (was er natürlich an meinem Hochdeutsch schon längst erkannt und in seinem schlauen Computer einsehen konnte) und deswegen steht mir keine Bewilligung für fünf Jahre zu? Darauf folgt eine Abspeisung mit sich wiederholenden Floskeln.

Mir fällt die Kinnlade hinunter und ich weiß nicht, ob ich noch an Zufall oder Amtsversagen glauben soll…

Verfasst von: Juli. | 29. September 2016

Zwischen den Seen

Das gute Wetter am Wochenende führte mich tief in die Alpen von einem Gletscher zum längsten Gletscher der Alpen. Vom Blick auf den Eiger zum Blick auf das Matterhorn und den Mont Blanc. Vom Berner Oberland ins Wallis. Von einer Touristenhochburg in die Einöde. Dazwischen ein Zwischenstopp in Interlaken. Ich hatte schon vieles über diese Stadt gehört, gutes und schlechtes. Ich dachte, es könnte nicht so schlimm sein, wie manch einer erzählte, doch nun konnte ich mir endlich meine eigene Meinung bilden.

Zwischen Thuner und Brienzer See gelegen, ist Interlaken das Eingangstor zu so vielen großartigen Attraktionen und Aussichtspunkten in den Alpen. Wer allerdings glaubt, er hätte die Schweiz gesehen, wenn er diese Stadt besucht hat, der täuscht sich. Es gibt wirklich keine Stadt mit weniger Charme. Allerdings gibt es wahrscheinlich auch keine Stadt, die sich besser vermarktet als Interlaken.

Zwischen den zwei Bahnhöfen erstreckt sich eine kilometerlange verwinkelte Einkaufsmeile. Hier geben sich Swatch, Svarovski, Victorinox, Gucci,… und unzählige Souvenirläden die Klinke in die Hand. Die Geschäfte sind (selbst für Schweizer Großstädte ungewöhnlich) auch am Samstag bis 21 Uhr geöffnet. Viele sogar am Sonntag. Verkäufer kommen aus aller Welt und sprechen unzählige Sprachen fließend. An jedem Geschäft hängen irgendwelche Rabatt- oder taxfree- Zeichen. Oben drauf gibt es dann noch extra Prozente, wenn man bar bezahlt. Hier wird das Geld umgewälzt. Zwischen den ganzen Bling-bling Shops finden sich unzählige Restaurants vor denen Speisekarten in sämtlichen Schriftzeichen hängen.

Verschwitzt und mit meinem Wanderrucksack auf dem Rücken fühle ich mich hier total fehl am Platz und bin froh, dass ich dort keine Nacht verbringen muss. Das kleine Brig mit seiner mittelalterlichen Altstadt hat da wesentlich mehr Charme und eine einladendere Atmosphäre und von dort ist es auch nur ein Katzensprung zum Aletschgletscher.

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…und auf einmal fühlt man sich winzig, wenn man auf so einen riesigen Eisstrom schaut. Atemberaubend. Willkommen am Aletschgletscher, dem längsten Gletscher der Alpen.

Verfasst von: Juli. | 16. September 2016

Nachtzug nach Amsterdam

dsc08266Bevor die DB zum Jahresende eine große Anzahl an Nachtzugverbindungen streicht, bot sich die Gelegenheit die gute Verbindung nach Amsterdam zu nutzen. Freunde, die dort gerade frisch auf ein Hausboot gezogen sind, hatten zu einer Sommerabschluss- und Einweihungsparty eingeladen. Mit Mietfahrrädern erkundeten wir die Stadt und die Küste. Als wir so den Deich entlang radelten, fühlte ich mich fast wie zu Hause. Mitten durchs Grüne auf dem Deich entlang, umzingelt von Schafen und Wasser. Nur die vielen Segelboote erinnerten mich daran, dass ich gerade nicht an der Oder entlang radelte.

Die Stadt ist perfekt für den Fahrradtourismus ausgebaut. Ein hervorragendes Wegenetz und natürlich ist alles recht flach. Obwohl wir unzählige Radfahrer gesehen haben, hatte nicht einer von diesen einen Fahrradhelm auf. Seitdem ich mich täglich durch den Straßenverkehr kämpfe, mit Helm, war dies ein ungewohnter Anblick für mich. Vielleicht liegt es daran, dass die meisten Bewohner Amsterdams Fahrräder ohne Gangschaltung fahren und damit in ihrer Fahrtgeschwindigkeit gedrosselt sind. Mit unserer 3-Gang Narbenschaltung hatten wir da schon fast luxuriöse Räder. Zumindest, wenn die Schaltung funktioniert hätte. Ich hatte leider nicht dieses Glück und strampelte mich das ganze Wochenende wie ein Hamster im Laufrad ab. Das führte sogar so weit, dass ich nach unzähligen Jahren mal wieder Muskelkater vom Radfahren bekam aber gleichzeitig wie ein Stein im Nachtzug schlief.

Einmal noch Nachtzug fahren bevor er eingestellt wird. Vielleicht sollte ich schnell noch eine Reise nach Prag planen, bevor das mit dem Nachtzug auch nicht mehr möglich ist…

Verfasst von: Juli. | 12. August 2016

(K)ein zurück

Wie oft kann man einen Ort besuchen ohne eine emotionale Bindung aufzubauen? Manchmal reicht nur ein Besuch. Manchmal wird man nie eine Verbindung fühlen.

Innerhalb einer Woche sind da zwei Personen, die mir unabhängig voneinander sagen, dass sie vermuten, dass ich irgendwann nach Südafrika ziehen werde. Die eine kennt mich schon bald 20 Jahre und hat sich damit abgefunden, dass ich laufend unterwegs bin und hin und her ziehe. Die andere spricht diese Prophezeiung aus nachdem sie mich gerade einmal zwei Stunden kennt…

Ich antworte, dass ich es nur für einen sehr guten Grund tun würde und denke an die Liebe oder den Traumjob. Gleichzeitig beginnt sich wieder das Gedankenkarussel zu drehen. Wo liegt meine Zukunft? Wie oft möchte ich noch umziehen? Wäre Südafrika eine Option? Könnte ich meine Familie und Freunde soweit zurück lassen?

Wie oft kann man einen Ort besuchen ohne sich mit ihm zu verbünden?

Vier Mal war ich jetzt hier. Jedes Mal hat es mir gefallen. Jedes Mal war der Abschied auf eine andere Art traurig und schön. Heute wollte ich abreisen, eigentlich war der Abflug jedoch schon für gestern geplant. Zumindest auf dem Papier, in meinem Kopf jedoch nicht… Vielleicht war das ein erstes Zeichen. Nachdem ich kurz darüber nachgedacht hatte einfach noch länger hier zu bleiben, da ich sowieso einen neuen Rückflug brauchte, habe ich mich dann jedoch entschieden, wie geplant heute abzureisen. Ich werde also zumindest heute ein weiteres Mal „Auf Wiedersehen Südafrika!“ sagen.

Verfasst von: Juli. | 12. August 2016

Mandela Bay Winters

Ein paar eisige Nächte und warme Tage später verlassen wir die Karoo und machen uns auf den Weg nach Port Elizabeth. Mit jedem Kilometer steigt die Temperatur merklich an. Die Felder leuchten in allen Schattierungen von sanftem gelb bis beige. Alles wirkt trocken und nur langsam verwandeln sich die ausgewaschenen Farben in saftiges Grün. 400 km weiter südlich, erwarten mich 34°C und ich ärgere mich, dass ich weder Bikini noch Sommerschuhe mitgenommen habe. Auf so heiße Temperaturen war ich nicht eingestellt. Ein Bad im Meer kann ich natürlich nicht abschlagen und so werfe ich mich in die Wellen und genieße den Rest des Tages im und am Wasser.

Surfen ohne Neopren – das nennen sie hier also Winter in Port Elizabeth! 😉

Verfasst von: Juli. | 12. August 2016

Karoo Winters

Die Sonne steht hoch und doch ist das Licht weich. Alles wirkt irgendwie ausgeblichen. Das Gras ist gelbgrün, die sandfarbenen Gräser wehen im Wind, die Weiden stehen nackig und hellgrau ohne Blätter in der Gegend herum. Nur wenige Blätter sind noch an den Büschen.

In der Sonne ist es warm. Viel wärmer als das Thermometer behauptet. Doch dann ist die Sonne hinter dem Hügel verschwunden und alles geht ganz schnell. Mit jeder Minute wird es dunkler und kälter. Meine Füße sind kalt und ich tanze durch die Landschaft in der Hoffnung mich warm zu halten und die Zeit bis zum Ende der Messungen schneller vergehen zu lassen. Als alles vorbei ist, ist es stockfinster. Immerhin steht der Mond hoch am Himmel und leuchtet den Weg zum Auto. Meine Stirnlampe habe ich schon für den nächsten Trip gepackt und zu Hause vergessen. Das Thermometer im Auto zeigt +2°C und es ist gerade einmal 18:30. Ich wünschte ich hätte dickere Handschuhe eingepackt. Eigentlich wünsche ich mir gerade irgendwelche Handschuhe, denn meine liegen im Haus. Ich wünschte mir lange Unterhosen – die habe ich naiv wie ich war gleich ganz zu Hause vergessen. Und ich will endlich beheizbare Schuhsolen!

Im Haus angekommen, ist es nicht viel wärmer. Die Fenster sind nur einfach verglast, statt einer Heizung gibt es drei Kamine. Wir befeuern gleich alle drei, um die Raumtemperatur wenigstens um ein paar Grad anzuheben. Einen fühlbaren Temperaturunterschied merken wir jedoch nur genau vor dem Feuer sitzend. Ich wage mich noch einmal hinaus. Draußen herrscht Stille und ich bestaune den Sternenhimmel. Hier mitten in der tiefsten Karoo ist die einzige Lichtverschmutzung der Mond. Die Milchstraße mit Abertausenden von Sternen genau über uns. Daneben die Magellanwolken. Der Himmel tiefschwarz, wenn der Mond nicht wäre. Als ich meine Finger nicht mehr spüre und dadurch die Bedienung der Kamera immer schwieriger wird, lasse ich die Nacht allein.

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Auf den Betten liegen Heizdecken und auch wenn das irgendwie nach einer Erfindung für Rentner klingt, bin ich so froh über diese Erfindung! Sich in ein vorgewärmtes Bett legen zu können, während der ganze Körper vor Kälte zittert, macht das Einschlafen wesentlich erträglicher.

Am nächsten Morgen ist es immer noch kalt im Haus. Zum Frühstück verziehen wir uns wieder an den Kamin. Wir wärmen unsere Mägen mit Porridge und unsere Hände an den heißen Teetassen. Draußen ist es noch kälter. Das Thermometer sagt -6°C! Die Landschaft glitzert im ersten Sonnenlicht wie von Feenstaub bedeckt. Die Luft ist klar und kühl. Nur eine Stunde später wärmt die Sonne schon wieder so sehr, dass ich mich nach und nach von meinen Schichten trenne. Es sind wohl nur 15°C, die fühlen sich aber nach den eisigen Morgenstunden mindestens 10 Grad wärmer an.

Ein nicht endendes Wechselspiel aus eiskalten Nächten und wärmendem Sonnenschein, das ist der Winter in der Karoo.

Verfasst von: Juli. | 28. Juli 2016

Endlich Regen!

Trotz den gewaltigen Wassermassen, die gestern vom Himmel fielen, habe ich nicht einen einzigen Südafrikaner schlecht über den Regen reden hören. We need it! Wir brauchen ihn! Das haben sie stattdessen gesagt. Wie wahr! Schon bei meinem Aufenthalt hier im Februar waren in fast jeder Unterkunft Hinweise zum Wassersparen zu finden und die Obstregale nur halb so gut gefüllt, wie in anderen Jahren zuvor. Der Winter 2015 war sehr trocken und viele Staudämme vor Sommeranfang gerade einmal bis zur Hälfte gefüllt. Das ist nicht viel Wasser, wenn man den Durst der wachsenden Wirtschaft und der Bevölkerung stillen möchte. Im vergangenen Sommer gab es landesweit Ernteeinbußen von mindestens 20%. Mais und Zucker als wichtigste Grundnahrungsmittel mussten in großen Mengen importiert werden, um die Bevölkerung zu versorgen. Auch der Winter 2016 ist bisher sehr trocken. Momentan sind die Staudämme landesweit mit gerade einmal 54% ihrer Kapazität gefüllt. In der Region Western Cape gerade einmal 30%. Wenn die Reserven nicht noch bis zum Sommer ansteigen, wird das Land erneut in großen Teilen mit einer Nahrungsmittelkrise zu kämpfen haben.

Meine sehr umweltbewussten Freunde spülen nur noch, wenn die Toilette randvoll ist oder es wirklich nötig ist. Während eine meiner Mitbewohner sogar zweimal täglich mindestens 20 Minuten duschen geht. Es ist wie so oft ein Problem, dass leider nicht jedem bewusst ist und auch nicht jeden Bewohner des Landes betrifft. Während die Bevölkerung um Kapstadt herum ihren Garten nur noch dreimal wöchentlich für maximal eine Stunde bewässern darf, strömt auf einer Farm in der Karoo das Wasser unaufhörlich aus dem Sprinkler, da sonst die Leitungen wegen Überdruckes platzen würden.

Die Politik scheint ebenso wie in der Energiekrise auch bei der Wassernutzung zu schlafen. Während der Energieverbrauch schon seit Jahrzehnten steigt, die Energieversorgung aber nicht weiter ausgebaut wurde, muss sich die Bevölkerung mit Stromrationierungen anfreunden. Ein ähnliches Bild scheint sich nun auch bei der Wasserversorgung anzubahnen. Statt drastische und so dringend nötige Wassersparmaßnahmen durchzusetzen, dreht sich in der Politik alles um die anstehenden Kommunalwahlen. In der Hoffnung das Wasser würde irgendwann in ausreichenden Mengen vom Himmel fallen und alle Dämme wieder füllen. Vielleicht tut es das. Vielleicht nicht.

Mehr Infos zu den Wasserständen der Staudämme gibt es hier: Water is Life, Sanitation is dignity!

Verfasst von: Juli. | 26. Juli 2016

Flashback

Vor fünf Jahren, fast auf den Tag genau, bin ich das erste Mal in Südafrika gelandet. Dass ich einige Jahre später die Möglichkeit haben werde, regelmäßig hierher zu kommen, habe ich damals noch nicht geahnt. Es war glaube ich ein Donnerstag, ein wolkenverhangener Tag, an dem man die Umrisse des Tafelberges nur schemenhaft erkennen konnte. Der Wind blies abwechselnd aus allen Richtungen und ab und zu gesellte sich Nieselregen dazu. Ich war froh auf meine rote Regenjacke Vertrauen zu können und schätzte in den nächsten Wochen die Fleece-Jacke, die meine Mutter ohne meine Zustimmung vor meiner Abreise noch in mein Gepäck geschmuggelt hatte, sehr. In den ersten Wochen erreichte die Temperatur kaum mehr als 15°C, wenn es bewölkt und windig war. In der Unterkunft gab es keine Heizung und wir mummelten uns häufig auf dem Sofa in warme Decken, um uns aufzuwärmen. Die Zähne putze ich mir beim Duschen, weil das wärmer war. Ich hatte den südafrikanischen Winter unterschätzt.

Heute sieht es sehr ähnlich aus. Nachdem der südafrikanische Winter letzte Woche mit seinen 22°C fast noch mit unserem bisherigen Sommer mithalten konnte, hat sich das Blatt seit ein paar Tagen gewendet. Ein grauer Schleier liegt über der Stadt. Der Himmel ist bedeckt und seit meiner Ankunft vor gut 8 Stunden regnet es unaufhörlich aus allen Richtungen. Ich hoffte drinnen würde es wärmer werden, aber natürlich gibt es in dem Haus keine Heizung. Immerhin gibt es einen Kamin, der hoffentlich zu späterer Stunde einheizt. Ich hatte die alten Erinnerungen, die gerade so viele glasklare Bilder in meinem Kopf ergeben, einfach verdrängt. Ich ärgere mich, dass ich nicht die langen Unterhosen eingepackt habe. Eine Wärmflasche wäre vielleicht auch sinnvoll gewesen. Nun hoffe ich, dass ich die nächsten Tage so viel arbeite, dass mir dabei warm wird. Vielleicht ist mein Büro sogar beheizt.

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