Posted by: Juli. | 30. January 2016

Auf Wiedersehen (Un)sicherheit

Ich habe das Glück wieder einmal in Südafrika zu sein. Doch wo ich mich dieses Mal unwohl fühle ist nicht etwa als ich dort nach meiner Ankunft durch die Straßen laufe, sondern bevor ich Europa überhaupt verlassen habe. Als ich auf dem Flughafen eintraf, stand in jeder Ecke ein schwerbewaffneter Soldat, dazwischen noch mehr. Acht an der Zahl. In der Mitte der Abflughalle stehend, sah ich sie in allen Richtungen. Wenn ich irgendein falsches Zeichen geben würde, wäre ich in der Schusslinie aller Soldaten. Ich fühlte mich bedroht. Obwohl sie wahrscheinlich nur dort waren, um für Sicherheit zu sorgen, fühlte ich mich eher unsicher. Wenn so viele Soldaten auf Abruf bereit stehen, heißt das, dass man von einer aktiven Bedrohung ausgeht? Oder ist der Flughafen nach den Vorkommnissen der letzten Monate täglich so abgesichert? Sollte ich mich jetzt nicht eigentlich sicher fühlen? Eines war klar ich musste hier raus. Mein Puls raste. Die frische Luft tat gut und während ich auf meine Kollegen wartete, hoffte ich nur, dass das kein schlechtes Ohmen für diese Reise ist.

Eine halbe Stunde später, kurz vor der Sicherheitskontrolle, werfe ich einen Blick zurück in die Abflughalle und alle Soldaten samt Polizisten sind wie vom Erdboden verschluckt. Gab es eine falsche Warnung oder waren sie nur in der Mittagspause?

Seit zwei Tagen bin ich nun in Südafrika. Lief allein durch die Strassen, habe afrikanische Gastfreundschaft und Humor kennengelernt, wurde von Bettlern verfolgt und doch gab es keinen Moment an dem ich mich so unsicher fühlte wie vor meinem Abflug aus der so gesicherten Schweiz.

Willkommen zurück in Afrika.

Posted by: Juli. | 24. January 2016

Wintertraum?!

Von Schnee bedeckte Häuserdächer, die die Dörfer im Mondlicht beim Vorbeifahren mit dem Nachtzug wie ein Miniaturwinterwunderland aussehen lassen. Ein Knirschen unter den Füßen bei jedem Schritt. Sich selbst drehend mit ausgebreiteten Armen und Blick zum Himmel jede Flocke einzeln auffangen (wollen). Schneeflocken auf dem Mantel, die sich langsam in kleine Wassertropfen verflüchtigen. Sonnenstrahlen auf einer unberührten Schneefläche. Sich eingepackt von Kopf bis Fuß der Sonne zuwenden und ihre Wärme spüren. Einen Schneeball formen und treffsicher platzieren. Eiszapfen jeder Größe an einer Dachrinne. Durch den Schnee stapfen und bis zum Knie einsinken. Pulverschnee im Gesicht, eine wohltuende Abkühlung während einer langen Schneeschuhwanderung. Ein Schlittenrennen wie in einem MarioKart-Spiel. Sich unter einer kuscheligen Wollmütze verstecken. Beim Rodeln von der Bahn abkommen und mit dem Schlitten im Tiefschnee stecken bleiben. Eine Schneeballschlacht. Einen Berg hinunterrennen, sich überschlagen und mit einem Lachanfall durch den Schnee rollen bis überall weiß ist. Sich von unzähligen Kleidungsschichten befreien und sich anschließend unbeschwert und frei fühlen. Die Hände an einer Tasse mit heißer Schokolade aufwärmen und die eiskalten Füße eingehüllt in bunte selbstgestrickte Wollsocken am Ofen auftauen. Eine warme Dusche. Auf dem Fenstersims sitzen und in den sternenklaren Himmel hinausschauen während der eiskalte Wind draußen um die Häuser heult. Eisblumen, die sich auf der Fensterscheibe formen. Das erste Mal um den Vollmond herum ein Halo sehen. Vom Mondlicht angestrahlte Eiskristalle, die die Luft in einer eisigen Nacht in einen endlosglitzernden Schleier hüllen.

Durch die eiskalte Nacht und den Neuschnee tanzen.

Kein Traum, sondern Glücksmomente im Winter.

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Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die es nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder,
dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.

– Erich Kästner

Posted by: Juli. | 20. January 2016

Sprachliche Segregation statt…

Integration, die; Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit. (Duden)

Nicht nur als Flüchtling hat man mit der Integration zu kämpfen, sondern auch als Zugezogener. Vielleicht habe ich es etwas einfacher mich einzugliedern, da ich zumindest eine der offiziellen Landessprachen fließend spreche. Zumindest theoretisch, denn oft muss man beim Schweizerdeutsch die Verbindung zum Hochdeutsch suchen.

Als ich hier ankam, habe ich kaum etwas verstanden. Meistens war das Französisch sogar einfacher als Schweizerdeutsch. Einige Schweizer waren auch so unkooperativ, dass sie sich nicht einmal die Mühe machten sich verständlich zu machen. Bei der Eröffnung meines Bankkontos erklärte mir die Dame dreimal dasselbe (wahrscheinlich auch exakt mit derselben Wortwahl). Ich habe ihr dreimal gesagt, dass ich sie nicht verstehe und gefragt, ob sie es noch einmal wiederholen kann. Erst beim vierten Mal hat sie dann unfreundlich mit Müh und Not versucht Hochdeutsch zu reden.

Bevor ich hier herkam, dachte ich die Schweizer hängen einfach überall -li ran. Machen sie oft, aber die Sprache besteht aus viel mehr als nur den Verniedlichungsformen und dem harten aus dem Rachen kommenden „ch“. Schweizer Hochdeutsch heißt die offizielle Variante des Hochdeutschen. Schwyzerdütsch, so sagt und schreibt man das hier, ist dagegen die Sammelbezeichnung für Dialekte deutschen Ursprungs in der Schweiz.

Hier schniiet es, statt zu schneien. Jeder ist frii, statt frei.

Hier ässe man ununterbrochen Zmorge, Znüuni, Zmorge, Zvieri und Znacht meist zu Huus, aber manchmal auch nüüt. Manchmal, ja manchmal da gönne ich mir auch mal ein Essen auswärts bei min Kolleeg. Dann ässe mir Fondü [Betonung auf der ersten Silbe], Gipfeli und trinke Wy, wo sie mitgebracht han. Merci [erste Silbe betont] dafür.

Hier geht man schaffen, statt zu arbeiten.

Das sind natürlich nur Auszüge aus dem Schwyzerdütsch. Schreiben darf man so wie man es hört – da gibt es keine Regeln. Viel mehr kann ich allerdings nicht schriftlich festhalten, die paar Sätze oben übertreffen schon meine Schmerzgrenze. Ich versuche es gern zu verstehen, aber schreiben und sprechen möchte ich es nicht. Nicht nur weil es sich für mich nicht richtig anfühlt in einem anderen Dialekt zu sprechen, sondern auch weil ich es nicht besonders hübsch klingend finde. Dann oute ich mich lieber und spreche Hochdeutsch. Bin ich nun zu stur mich zu integrieren?

Ganz und gar nicht, aber ich bin schon froh, wenn ich meine Muttersprache korrekt sprechen kann. Die möchte ich mir dann nicht noch mit grausamer Grammatik verderben. In falscher Grammatik sind einige Schweizer Dialekte nämlich auch spitze. Ich bekomme regelmäßig Ohrenschmerzen, wenn ich so manche grammatikalischen Ergüssen, wo (statt: die/welche) es hier hat (statt: gibt), höre.

Aber das Schwyzerdütsch hat auch ein paar feine Details, die ich sehr mag. Die unauffällige Beimischung von französischen Wörtern im Alltag macht die Sprache unglaublich sympathisch und so fahre ich nun Velo zur Arbeit und sage „Merci!“ (zweite Silbe betont!).

Vor ein paar Tagen war ich hier beim Poetry Slam und entgegen meiner Befürchtungen hatte ich nur bei einem der acht Künstler Verständnisprobleme. Ich habe mich also schon ganz gut reingehört in die neue Sprache. Mit meinem Besuch im Baseldytsch Theater warte ich allerdings lieber noch etwas.

Übrigens gibt es am Sprachenzentrum jetzt auch Kurse in Schweizerdeutsch. Ich lerne lieber Suahili.

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Posted by: Juli. | 10. January 2016

Vom Loslassen, Festhalten und echten Freundschaften

Mit jedem Umzug habe ich neue Freundschaften geschlossen und musste mich von alten verabschieden. Es ist toll Freunde auf jedem Kontinent zu haben. Nur für den Fall, dass ich auch mal wieder einen anderen Kontinent bereise, kenne ich also auf irgendeiner Ecke der riesigen Landmasse jemandem bei dem ich vielleicht unterkommen könnte und mit dem ich mich über alte Zeiten unterhalten könnte. Doch ist es nicht viel wichtiger jemanden vor Ort zu haben, denn wie oft fliege ich quer durch die Welt?

Ein Skype-Gespräch kann die Zeit überbrücken, aber es kann nicht gemeinsame Erlebnisse ersetzen. Gemeinsam eine heiße Schokolade trinken, einen Film schauen, die Eissorte des Freundes testen – all das macht in der realen Welt doch viel mehr Spaß. Dennoch ist es mit Hilfe des Internets so leicht wie nie zuvor Fernbeziehungen und Fernfreundschaften zu erhalten.

Ich bereue nicht, dass ich so viel unterwegs war. Doch ich weiß sehr wohl, dass es vieles komplizierter gemacht hat und dass ich mich mit jedem Umzug von einigen Personen mehr entfernt habe. Nicht alle Freundschaften überdauern weite Distanzen. Ich habe irgendwann akzeptiert, dass ich einige schöne Momente verpasst habe, während ich wiedermal auf Reisen war und selbst schöne Momente sammelte. So ist es halt. Unterwegs habe ich viel über mich selbst, über meine echten Freunde und die Personen von denen ich dachte, wir wären Freunde gelernt.

Freundschaft kann man nicht erzwingen. Sie kommt mit der Zeit oder eben nicht.

Ich bin kein Mensch der schnellen Freundschaften. Eine richtig gute Freundschaft schließe ich nicht in zwei Monaten. Ich brauche Zeit, um aufzutauen und nicht nur die komische nichts trinkende Introvertierte zu sein. Ich brauche Zeit, um mich jemandem anzuvertrauen. Und ich will auch einfach nicht gleich jedem mein ganzes Leben und meine Persönlichkeit aufbinden. Es ist anstrengend neue Freunde zu suchen und zu finden. Ein Phänomen wovon wahrscheinlich fast jeder Austauschstudent oder Langzeitreisende erzählen kann. Jeden Abend derselbe Smalltalk mit neuen Personen, das nervt und erinnert mich an Speed-Dating. Aber wo oder wie findet man sonst Freunde?

Freundschaft ist unberechenbar.

Manchmal weiß man gleich bei der ersten Begegnung, das es einfach passt und manchmal erkennt man erst Jahre später was für einen guten Freund man eigentlich hat. Es gibt nur wenige Menschen in meinem Leben, die gleich bei unserer ersten Begegnung die Tür zu meiner Persönlichkeit öffnen konnten. Aber es gibt sie und ich bin dankbar, dass ich sie getroffen habe.

Freundschaft ist loslassen.

Ich habe gelernt, dass die Zeit zeigt, wieviel eine Freundschaft wert ist. Ich habe akzeptiert, dass ich nichts davon gewonnen habe, wenn ich in Brief- oder Emailkontakt bleibe und mich dann jedes Mal ärgere, wenn eine Antwort erst ein halbes Jahr später kommt. Ich habe akzeptiert, dass einige meiner Freunde aus der Schulzeit sich einfach nicht mehr melden, obwohl ich gern in Kontakt geblieben wäre. Ich habe mich selbst aus einigen Freundschaften zurückgezogen, weil ich erkannt habe, dass wir uns eigentlich sowieso nichts mehr zu sagen haben und weil es mich nicht weiterbringt über alte Kamellen zu lachen, wenn uns heute nichts mehr vereint. Es ist wie einen Rucksack voller Erinnerungen aufzuräumen. Dort sind viele schöne Momente verstaut, die ein Teil meines Lebens sind und die ich nicht vergessen werde, aber ich muss nicht alle die ganze Zeit mit mir herumtragen, dafür sind die zu schwer. Ich habe gelernt zwischen Freundschaften, in die es sich lohnt zu investieren und denen die mehr aus Geben als Nehmen bestehen, zu unterscheiden.

Ich habe gelernt loszulassen. Es funktioniert meistens.

Freundschaft überdauert.

Ich habe erkannt, dass für einige Freundschaften kein regelmäßiger Kontakt nötig ist. Irgendwann trifft man sich und es ist als hätte man sich erst letzte Woche gesehen. Ein anderes Mal braucht man Hilfe und genau in diesem Moment denkt jemand an einen. Eine Nachricht, eine Postkarte, ein Anruf im richtigen Moment. Diese Freundschaften sind unbezahlbar.

Freundschaft ist ein Abenteuer.

Eine Reise kann vieles verändern. Manchmal ist sie der Beginn für eine enge Freundschaft, weil man viel Zeit hat über Gott und die Welt zu reden. Manchmal endet sie in Streit und kann eine Freundschaft zerstören. Vielleicht hat mich meine Unkompliziertheit bisher vor letzterem bewahrt und meine Freundschaften wurden auf Reisen eher gestärkt. Vielleicht bin ich auch einfach instinktiv mit den richtigen Personen fort gewesen.

Ich bin dankbar für die Freunde, die akzeptieren, dass ich so viel unterwegs war/bin und die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Manchmal auch ohne Worte und heute mit ganz vielen Worten, einer Ode an die Freundschaft. Das letzte Jahr war nicht einfach und rein zufällig geprägt von vielen Wiedersehen. Danke an jeden, den ich wieder getroffen habe. Denn Freundschaft gibt mir die Kraft, die ich nicht geglaubt hätte zu haben. Sie motiviert mich und treibt mich an.

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Posted by: Juli. | 9. January 2016

Auf gepackten Koffern

In meiner Kindheit bin ich nicht viel gereist. Wir waren zwar fast jedes Wochenende mit dem Fahrrad in der Umgebung unterwegs, für einen Urlaub sind wir jedoch nur einmal im Jahr an die Ostsee oder an einen anderen Ort innerhalb Deutschlands gefahren. Als ich drei Jahre alt war, sind wir einmal nach Bulgarien, als ich zwölf war nach Spanien. Viel mehr hatte ich bis dahin nicht gesehen. Später bin ich mit der Schule nach Polen, in die Tschechische Republik, nach Frankreich und England gefahren.

Irgendwann wurde mein Fernweh durch die unzähligen TV-Dokumentationen über fremde Länder und Kulturen geweckt, besonders der afrikanische Kontinent hat mich dabei gefesselt. Doch nur in den Urlaub fahren, reichte mir nicht. Ich wollte mehr von den Kulturen erleben als ein Tourist und dazu war ein längerfristiger Aufenthalt unvermeidlich. Nach mehreren Fehlversuchen hatte ich es geschafft ein halbes Jahr in Südafrika als Austauschstudent zu verbringen. Ein langersehnter Traum ging in Erfüllung. Nach meiner Rückkehr fühlte ich mich in Deutschland irgendwie unwohl. Mir fehlten die Internationalität, das Englischsprechen, und das Entdecken von Unbekanntem. Ich fühlte mich genervt davon, dass ich plötzlich wieder alle Gespräche um mich herum verstand, auch wenn ich an den Telefongesprächen meiner Sitznachbarn in der Straßenbahn nicht teilhaben wollte. Ja, ich hatte Schwierigkeiten mich wieder einzuleben.

Ich schaute mich nach einem englischsprachigen Masterstudium um. Doch es gab keine passende Alternative in der Region in dich ich wollte. Eher zufällig entdeckte ich ein englischsprachiges Masterprogramm, welches mir eineinhalb Jahre zuvor schon einmal aufgefallen war und mir einen Doppelabschluss an zwei europäischen Universitäten ermöglichte. Perfekt! Ich konnte mein Fremdsprachenbedürfnis mit einem weiteren Auslandsaufenthalt kombinieren. So kam ich nach Schweden und hatte dort eine der schönsten Zeiten während meines Studiums.

Während meiner fünfjährigen Studienzeit habe ich viermal den Wohnort gewechselt. Zählt man die Umzüge innerhalb der Städte und mehrwöchige Aufenthalte aufgrund von Praktika mit, kommen noch mindestens drei weitere Umzüge hinzu. Kein Wunder, dass ich nach dem Studium nur einen Wunsch hatte: sesshaft werden und mich irgendwo für mehr als nur ein Jahr niederlassen. Ich war nicht müde vom Reisen, aber vom Umziehen und wollte mein Leben nicht mehr jedes halbe Jahr in einem Rucksack ein- oder auspacken.

Vor fast eineinhalb Jahren bin ich nun das letzte Mal umgezogen; von der einen Grenze des Landes an eine andere. Mit dem Flugzeug ist es nur ein Katzensprung in die Heimat, mit dem Zug eine halbe Tagesreise – alles machbar und viel näher als manch anderer Ort an dem ich zwischenzeitlich gewohnt habe und dennoch fühlt es sich so weit weg an.

Ich werde hier noch mindestens weitere zweieinhalb Jahre leben. Ein kleines Stück Sesshaftigkeit, das ich mir so sehr gewünscht hatte. Doch angekommen fühle ich mich immer noch nicht. Vielleicht liegt es an den Menschen hier. Vielleicht liegt es an mir. Ich mag die Stadt sehr, doch irgendwie fühlt es sich immer noch so an als wäre ich nur auf der Durchreise.

Vielleicht bin ich einmal zu viel umgezogen.

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Posted by: Juli. | 3. May 2015

Die Welt von oben

Was uns in unserem täglichen Leben oftmals verborgen bleibt, ist die Schönheit und Vielfalt verschiedenster Landschaften auf unserem Planeten. Auf einem stundenlangen Tagesflug von Europa nach Südafrika konnte ich unsere Erde ausführlich von oben beobachten. Anfangs von mir noch als Zeitverschwendung gesehen (im Gegensatz zu meinen Kollegen kann ich im Flugzeug relativ gut schlafen, egal ob nachts oder tags), entwickelte sich diese Zeit schnell zur schönsten Dia-Show meines Lebens.

Die Welt von oben (1: Alpen, 2, 3, 4: vermutlich Algerien, 5: vermutlich Nigeria)

Die Welt von oben
(1: Alpen, 2, 3, 4: vermutlich Algerien, 5: vermutlich Nigeria)

Posted by: Juli. | 22. April 2015

Bo-Kaap: Spiel der Farben

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Weil der Frühling in vollen Zügen pulsiert, die Sonne brennt und ein kleiner Bummel durch das farbenprächtige Bo-Kaap mir immer ein Lächeln auf die Lippen zaubert, gibt es noch ein paar Bilder aus dieser surrealen Siedlung. Ein Abstecher von der Buitengracht Street die steilen Straßen hinauf lohnt sich nicht nur, wenn man mal eine kurze Ruhepause vom rauschenden Strassenleben Kapstadts braucht.

Bunt! Bunter! Bo-Kaap!

Bunt! Bunter! Bo-Kaap!

Bei all der Farbenfreude sollte jedoch nicht vergessen werden, dass in diesem Stadtteil seit dem 17.Jahrhundert aus Asien (besonders aus Indien, Indonesien, Malaysia und Sri Lanka) verschleppte Sklaven angesiedelt wurden. Es heißt, dass einige Hauseigentümer ihre Häuser farbig anstrichen, um aus den ursprünglich nur weißen Häusern ohne Hausnummern herauszustechen. Nach und nach folgten immer mehr Besitzer dieser Idee. Viele waren muslimischen Glaubens und die sogenannten Kap-Malayen haben ihr kulturelle Identität und ihren Glauben bewahrt. Während der Apartheid kämpften sie für den Erhalt ihres traditionellen Viertels und ein großangelegtes Sanierungsprogramm rettete viele Häuser vor dem Verfall und verpasste ihnen einen neuen Farbanstrich.

Blick durch einen Torbogen

Blick durch einen Torbogen

Schleichend breitet sich heutzutage allerdings auch die Gentrifizierung in diesem Viertel aus. :-/

Posted by: Juli. | 3. March 2015

Adventure is in our Nature – Otter Trail

Meine erste Mehrtageswanderung sollte also in Südafrika stattfinden. 5 Tage, 4 Nächte an der Südküste entlang. Dies wird kein Erfahrungsbericht, denn wenn man ein bisschen sucht, findet man davon online wirklich schon genügend. Ich möchte nur jeden der ein anderes Südafrika weit ab vom lebendigen Stadtleben Kapstadts oder der touristischen Wildnis des Krüger Nationalparks erleben möchte, dazu ermutigen in Südafrika wandern zu gehen. Möglichkeiten gibt es ausreichend. Während meiner 9-tägigen Reise von Port Elizabeth nach Kapstadt war ich fast jeden Tag wandern (eine Mehrtageswanderung von 5 Tagen, 3 Halbtageswanderungen). Der schönste Teil war mit Abstand der Otter Trail, was allerdings auch an dem unschlagbar gutem Wetter und der Einsamkeit lag. Nur 12 Leute dürfen den jeden Tag starten und das trägt ungemein dazu bei, dass man das Gefühl hat man ist allein mit der Natur. Nur, wenn man sich abends an den Hütten wiedertrifft, merkt man das dort noch andere Menschen unterwegs sind.

Die Natur atemberaubend schön: schroffe Felsen, steile Wege, dichter Wald, einige mehr oder wenige abenteuerliche Flussüberquerungen und das Meeresrauschen immer in den Ohren. Die Tagesetappen haben eine angenehme Länge, so dass viel Zeit bleibt, um an geeigneten Stellen im Meer oder Flüssen baden zu gehen, die Brandung zu beobachten oder nach Vögeln, Ottern oder Delfinen Ausschau zu halten. Auch Paviane kommen gerne mal zu Besuch, wenn die Mülltonnen an den Hütten nicht richtig geschlossen sind.

Und wenn man sich dazu entschlossen hat, dieses Naturparadies nie wieder verlassen zu wollen, steht man auch schon an der letzten steilen Klippe mit dem Blick auf ein weiteres Paradies: ein kilometerlanger Strand, fast menschenleer – Welcome to Nature‘s Valley. Dort wo die Strapazen ein Ende haben und man ein letztes Mal die Einsamkeit genießen kann, bis einem bewusst wird, das es gleich wieder zurück in die Zivilisation geht.

Schön war’s. Und hier noch ein paar Bilder.

Blick auf Nature's Valley. Nach 5 Tagen wandern, ist das Ende des Otter Trail erreicht.

Blick auf Nature’s Valley. Nach 5 Tagen wandern, ist das Ende des Otter Trail erreicht.

Ein kleiner Nachtrag:
Wie auf den Bildern zu sehen ist, war ich sehr vom Wasser fasziniert. Die Brandung der Wellen ist wie das Feuer – man kann einfach nicht aufhören sie anzustarren.

Posted by: Juli. | 21. February 2015

Hello Cape Town

Der Moment an dem ich mich irgendwie wieder heimisch fühlte, kam als ich an meinem zweiten Tage nach der Rückkehr aus der Karoo im Minibus saß. Wie gewohnt fuhren die Minibusse die Main Road hinauf und hinab mehr oder weniger hupend. Ich winkte dem Fahrer zu und kurze Zeit später hielt der Bus an. Ich stieg ein und auf einmal fühlte ich mich als hätte ich diese Stadt nie verlassen. Auf einer Bank mit einer pummeligen Frau mit weißem Shirt, bunter Perlenekette, langem bunten Rock und vielen Plastiktüten (wahrscheinlich kam sie gerade vom Einkaufen); vor mir eine Big Mama gekleidet von oben bis unten in den selben orange-roten Stoff mit grünen und braunen Blumen, die Haare unter einem Tuch des selben Stoffes versteckt; hinter mir vier Mädels, vielleicht Studenten mit wilden Flechtfrisuren und vorne neben dem Fahrer eine Dame im Cocktailkleid begleitet von einem Herrn im Anzug. Alle zusammen saßen wir in demselben schäbigen Minibus. Die aktuellen Charts dröhnten laut in unseren Ohren und die Bänke bebten im Takt des Basses. Alle hatten wir dasselbe Ziel: Stadtzentrum, wo sich anschließend unsere Wege trennen sollten.

Es ist dieses Gefühl von Gleichheit, dass mich die Fahrten im Minibus so lieben lässt. Für einen Moment ist die ganze Ungerechtigkeit vergessen. Es gibt keine Unterschiede zwischen Arm und Reich im Minibus, alle zahlen den gleichen Preis und niemand versucht dir einen höheren Preis abzuverlangen, nur weil du weiß bist. Oder ein Tourist. Oder sogar beides. Zumindest hatte ich selbst bisher nur eine schlechte Erfahrung bei all meinen Fahrten.

Auf den Fahrstil muss man sich einlassen. Ich fühle mich im Bus sogar sicherer als in einem Auto zwischen den ganzen Minibussen, wahrscheinlich weil ich bisher noch keinen Unfall erlebt oder gesehen habe. Das soll bitte auch so bleiben.

In der Stadt angekommen, war ich erstaunt wie gut ich mich zurecht fand, ohne Probleme fand ich die Longstreet, die Companys Garden und später auch den Weg zur Waterfront und wieder zurück zum Minibusbahnhof. Auf meine Ortskenntnisse ist also immer noch Verlass. Als ich heim wollte, kam ich natürlich genau in die Rush-Hour, der Bahnhof war leer von Bussen und voll von Menschen. Auch wenn es manchmal sehr chaotisch dort wirkt, auf einmal war alles geordnet. Die Menschen reihten sich je nach Fahrtziel auf ihre Bank ein und warteten. Und warteten. Nachdem ich das Ende meiner Schlange gefunden hatte, wartete ich mit ihnen. Vielleicht eine halbe Stunde, wahrscheinlich länger. Ich weiss es nicht, denn Wartezeit vergeht in Afrika für mich irgendwie immer ganz schnell. Ein Bus kam, war voll, fuhr los, ich rückte ein paar Plätze nach vorne, während die Schlange hinter mir immer länger wurde. Irgendwann stand ich so weit vorne, dass ich einen Platz im nächsten Bus ergatterte und die stop&go-Fahrt durch den Feierabendstau nach Hause begann.

Welcome back to Cape Town.

Aufgereiht. Warten auf den Minibus,

Aufgereiht. Warten auf den Minibus,

Posted by: Juli. | 4. February 2015

Goodbye Karoo

Nach nur einer Nacht am Flughafen von CT ging es für uns gleich weiter Richtung Karoo. Das einzige was ich an diesem Tag von CT sah, war der Tafelberg von hinten, aber der sah natürlich wieder sehr vielversprechend aus. Ich verbrachte die nächsten 10 Tage in einer der wildesten Gegenden Südafrikas: die Karoo. Mitten im Nirgendwo umgeben von Hügeln und Bergkuppen (je nachdem ab wie vielen Höhenmetern man einen Berg definiert) mit Blick auf den Compassberg hatten wir ein altes Farmhaus bezogen. Kein Internet, Strom nur über einen Generator und eine warme Dusche gab es nur, wenn das Feuer rechtzeitig gezündet wurde. Die nächste Farm war gut 20-30 min Sandstrasse von uns entfernt, der nächste Ort mit Supermarkt mehr als 1,5 Stunden. Entspannung im Einklang mit der Natur. Auf dem Weg zu unserem Arbeitsgebiet trafen wir fast täglich Elenantilopen, kleine Springböcke, riesige Herden von Kuhantilopen, Schildkröten in allen Größen, verschiedenste Vögel, Paviane, hübsche Ngunis, Wildpferde, Kühe und manchmal auch ein Zebra. Wer braucht da schon eine Safari-Tour?! Die Arbeitstage begannen kurz nach dem Sonnenaufgang und endeten meist am frühen Nachmittag, weil es entweder viel zu heiß war, um sich mitten in der Sonne aufzuhalten oder weil uns ein Gewitter stoppte. Das Wetter bot ein rasantes Schauspiel erster Klasse. An manchen Tagen konnten wir das Auftürmen der Gewitterwolken während unserer Mittagspause live mitverfolgen, kurze Zeit später blitzte es im Minutentakt, der Regen prasselte hinab und wir konnten zu schauen wie sich durch das trockene Flussbett plötzlich ein reißender Strom den Weg bahnte. Zur Abwechslung von den Feldarbeiten gönnten wir uns einen Tag „Entspannung“ und kletterten den Compassberg hinauf. Mit 2502 m ist dies der höchste Berg der Sneeuberge und gleichzeitig die höchste Erhebung des südlichen Afrikas außerhalb der Drakensberge. Die Wegbeschreibung lautete etwa wie folgt: dem Feldweg folgen bis ihr an ein kleines Tor kommt, dann auf der linken Seite des Zauns immer gerade aus nach oben, links halten, aber nicht zu weit links, denn irgendwann geht es rechts hoch, immer geradeaus. Klingt doch logisch, oder? So simpel und unvorstellbar es auch klang, es ging wirlkich fast immer einfach nur geradeaus. Was mit einem steilen Berganstieg über eine Wiese mit reichlich Geröll und Steinbrocken begann, verwandelte sich schnell ins Klettern über riesige Felsbrocken und Wände, wo man sich doch irgendwann fragte, wer auf die Idee gekommen sei, diesen Weg zu erkunden. Nach entspannten 3,5 Stunden waren wir oben angekommen, bis auf den steilen Anstieg am Anfang, fand ich es nciht anstrengend, da wir die meiste Zeit mit dem Finden eines Weges beschäftigt waren. Es bot sich ein grandioser 360° Blick über die Sneeuberge und einige Farmen der Umgebung. Nach gut 10 Tagen in der Wildnis der Karoo machten wir uns wieder zurück auf den Weg in die Zivilisation. Ein kleiner Kulturschock für mich. DSC01507_1

Posted by: Juli. | 22. January 2015

Zurück zum Anfang

Zurück zum Anfang, zum Ort an dem meine Reiselust geweckt wurde. Nach 4 Jahren bin ich endlich wieder Kapstadt. Gleichzeitig bin ich damit auch wieder am Anfang dieses Blogs. Denn dieser ist damals entstanden, weil ich von meinen kleinen und grösseren Abenteuern von meinem Aufenthalt hier berichtet habe.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich damals voller Freude aufgebrochen bin an einen unbekannten Ort, in die weite Ferne, meine Familie und Freunde zu Hause zurück liess. Es war alles etwas chaotisch, denn direkt nach der letzten Prüfung machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Dort angekommen, wartete der grosse Abschied auf mich. Meine Mama sagte damals zu mir, ich sehe aus als würde ich einfach nur kurz in den Urlaub fahren. Genauso hatte ich mich auch gefühlt, nur dass dieser „Urlaub“ mehrere Monate andauern sollte. Seit damals habe ich meien Liebsten immer wieder mal für längere Zeit zu Hause zurück gelassen, denn von nun an wollte ich die Welt entdecken.

Ich wollte immer wieder nach Südafrika zurück, zu viele Orte hatte ich noch nicht gesehen. Ich kann nicht einmal genau beschreiben, was mich an Kapstadt so fasziniert, aber als ich die Stadt verlassen habe, war ich mir sehr sicher, dass ich irgendwann wieder kommen würde. Nun ist es also so weit.

Es war alles etwas anders dieses Mal. Ein Hauptgrund warum ich mich überhaupt für dieses Projekt beworben hatte, war dass es teilweise in Südafrika stattfindet. Das Land war es, wo ich wieder hin wollte, das Projekt an sich war eher nebensächlich. Irgendwie habe ich es geschafft die Stelle zu bekommen, habe mich in den letzten Monaten mit dem Projektthema auseinandergesetzt und angefreundet und mit Spannung diese Reise erwartet.

Die Zeit schritt voran und es war nicht mehr nur Vorfreude auf die Reise, das Projekt und die Leute, sondern auch Angst. Ich hatte Angst, dass es mir nicht mehr so gut gefällt, wie damals als ich wahrscheinlich geblendet war, weil ich das erste Mal Europa verlassen hatte. Ich hatte Angst, dass es mir so gut gefällt, dass ich nicht wieder zurück kommen möchte. Ich hatte Angst, dass sich so vieles verändert hat. Dass ich mich verändert habe.

Die Sicht war gut während unseres Tagesfluges und ich konnte live mitverfolgen, wie wir uns unseren Weg Richtung Süden bahnten. Hinweg über die schneebedeckten Gipfel der Alpen, über das Mittelmeer die unendlichen Sanddünen der Sahara, Savanna, Flussdeltas. Dann war die Sicht durch Wolken gestört und an der Grenze von Angola zu Namibia ging die Sonne unter und es wurde langsam dunkel. Dann war alles schwarz draussen bis wir langsam unsere Flughöhe verringerten und die Lichter der Städte zu sehen waren.

Kapstadt. Es kam immer näher und auf einmal war ich überwältigt. Es war alles wieder da in meinem Kopf. Ich hörte das typisch afrikanische English in meinem Ohr, ich wusste genau wie unser Haus damals aussah, welchen Weg ich immer zur Uni nahm, wo ich mit dem Minibustaxi aussteigen musste, damit ich Samstag zur Old Biscuit Mill kam, den Ausblick auf die Stadt, wenn ich den Jamie Shuttle ins Zentrum nahm, die Longstreet, die Promenade hinter der Waterfront, die Architektur der Häuser, die Strassenzüge, wie eine Stadtkarte füllte sich mein Kopf mit Puzzleteilen.

Kapstadt. Mother City. Hier bin ich wieder. Ich freue mich darauf, deine Strassen zu erkunden, zu schauen was sich verändert hat. Ich habe keine Angst mehr, ich bin aufgeregt.

Posted by: Juli. | 19. September 2014

Müll! Müll! Müll!

Unglaubliche 500 kg Müll, also eine halbe Tonne produziert jeder EU-Bürger im Durchschnitt pro Jahr. Das das viel zu viel ist, sollte uns spätestens auffallen, wenn wir uns versuchen diese Menge bildlich vorzustellen. Ein sehr schönes Video zum Thema Müll (wieder)verwenden, recyclen und reduzieren – als Aufhänger für die neue “waste-2-energy” EU-Kampagne seht ihr unten. Auch wenn Müllverbrennung zur Energieerzeugung natürlich nicht unser Hauptanliegen sein sollte, denn Müll zu reduzieren hat langfristig gesehen einfach mehr Vorteile.

Posted by: Juli. | 22. July 2014

GEGEN Lebensmittelverschwendung

Das Jahr ist schon zur Hälfte vergangen und erst gestern habe ich erfahren, dass 2014 von der Europäischen Kommission als „Europäisches Jahr gegen Lebensmittelabfälle“ betitelt wurde. 189 kg Lebensmittel werden jährlich pro Kopf in der EU weggeworfen und das soll sich in Zukunft ändern. Bis 2025 soll der Anteil vermeidbarer Lebensmittelabfälle halbiert werden. Dazu zählen größtenteils Nahrungsmittel, die falsch gelagert wurden, nicht bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum verkauft wurden oder in unserem Bioabfall landen, weil wir uns beim Einkaufen überschätzt haben. Der größte Anteil (28% ) davon wird leider immer noch in unserem eigenen Haushalt produziert.

Doch es gibt auch einen Großteil an Lebensmitteln der auf dem Müll landet bevor er in der Obst- und Gemüseabteilung des Supermarktes ankommt. Gründe gibt es viele: zu klein, zu krumm, zu groß, zu lang – irgendwie unästhetisch. Nicht das, was der Verbraucher erwartet. Dabei ist der Geschmack doch der selbe. Eine französische Supermarktkette hat jetzt eine tolle Initiative gestartet und die Früchte, die nicht der Norm entsprechen 30% reduzierter verkauft. Siehe da, sie wurden gekauft und zwar nicht gerade wenig. Seht selbst:

Ein Beispiel dem weitaus mehr Supermärkte folgen sollten. Ich hoffe nur die EU setzt bald auf Werbekampagnen die mehr Aufmerksamkeit erregen, bisher mangelt es wohl daran sehr, denn obwohl ich mich generell mit dem Thema viel beschäftige, war mir das „Jahr gegen Lebensmittelabfälle“ bisher unbekannt.

Posted by: Juli. | 6. June 2014

Plastik Ideale

Vor fast genau 2 Jahren habe ich schon einmal über den besten Freund des Menschen berichtet. Nein, ich meine nicht den Hund, sondern die Plastiktüte. Während ich in meinem privaten Umfeld einen deutlichen Rückgang der Nutzung dieses kleinen oder großen meist durchsichtigen Beutelchens bemerkt habe, wird sie von anderen Personen leider immer noch inflationär verwendet. Aus Faulheit oder Mangel an Mülleimerm bzw. Abfallentsorgungs- und Recyclingsystemen fliegen sie nach ihrer Nutzung meist irgendwann wie Drachen durch die Lüfte bis sie in Bäumen hängenbleiben oder sich in Gewässern niederlassen. Ein paar Mal im Jahr geht dann wieder ein Aufruf durch die Medien, das im Mageninhalt von Vögeln oder Fischen Plastik in allen Formen gefunden wurde und wir die Produktion von Plastikmüll stark reduzieren müssen. In den gleichen Berichten hat dann meist auch der Große Pazifikmüllfleck eine Nebenrolle, welcher sich in den letzten zwei Jahren wahrscheinlich noch um einiges ausgeweitet hat. Mittlerweile weiß man auch, dass sich der ganze Müll nicht nur im Pazifik trifft. Es gibt momentan 5 große Areal in den Ozeanen, die stetig wachsen.

Vor zwei Monaten war ich in Indonesien unterwegs und an in einem kleinen Örtchen mit dem Namen „Ende“ habe ich noch ganz andere Ausmaße dieser Katastrophe gesehen. Ende liegt direkt am Meer auf der wunderschönen Insel Flores, fast am Ende der Welt und irgendwie fühlte es sich auch so an, denn viel los war dort nicht. Es gab einen kilometerlangen Strand, der perfekte Einstieg für eine Abkühlung im Meer. Doch es gab einen kleinen Makel. Der komplette Strand war mit Müll übersät: einzelne Flipflops, leere Colaflaschen, Plastiktüten, die Verpackung von den leckeren Krabbenchips, Plastikdeckel,… Einfach alles was man sich so vorstellen kann, war dort in den verschiedensten Stadien des Zerfalls zu finden. Leider nicht nur im Sand, sondern auch im Wasser. Somit war uns die Lust auf eine Abkühlung sehr schnell vergangen. Wir konnten zu unserem Zimmer zurückkehren und dort immerhin eine kalte Dusche mit dem Schöpfbecher nutzen, im Gegensatz zu den meisten Anwohnern. Es gab nicht viele Menschen die zur Mittagszeit am Strand waren, aber dennoch einige die im Wasser spielten und viele die etwas weiter draußen fischten. Wie viel Plastik die Fische in ihren Mägen hatten, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Wir versanken in einer Debatte über Müllvermeidung (bis vor ein paar Jahrzehnten hatten die Indonesier wahrscheinlich noch keine Idee, was man alles in Plastik verpacken kann), Müllentsorgung (jetzt produzieren sie täglich Unmengen an Müll, besitzen aber kaum Abfalleimer geschweige denn Entsorgungsfirmen) und Recycling (…und die Rohstoffe landen einfach im Meer) und ärgerten uns, dass der Müll dort einfach so herumlag. Eine Müllsammelaktion hätte mehrere Tage in Anspruch genommen, und wahrscheinlich hätte der Strand eine Woche später wieder genauso verdreckt ausgesehen. Ein paar Wochen später wandelten wir entlang eines vermeintlich sauberen Sandstrandes auf Bali und mussten feststellen, dass dort der Müll einfach vor Sonnenaufgang in den Sand eingebuddelt wird…

Jeder hat so seine eigene Art mit diesen Problemen umzugehen. Wir können uns entscheiden weniger Plastik in unserem Alltag zu verwenden. Wir können unseren Müll in den richtigen Abfalleimer werfen und somit einen Teil zum Recycling beitragen. Doch was tun mit dem Müll der schon längst am Strand, in unseren Flüssen und Meeren gelandet ist?

Immer häufiger gibt es besonders in größeren Städten Aufräum-Aktionstage an den Flussauen, in Grünanlagen oder am Strand, in dem die Normalbürger zum gemeinsamen Müllsammeln aufgefordert werden. Das funktioniert soweit ganz gut. Bleiben also nur noch diese riesigen Plastikmüllflecken in unseren Ozeanen, weit draußen auf dem Meer, wo wir sie höchstens sehen, wenn wir uns auf dem Weg zu unserem Brasilien-Urlaub befinden. Bei jeder Luxusschiffahrt würden sie doch hoffentlich weitläufig umschifft werden – das stört sonst schließlich das Gesamtbild dieser blauen Ozeane.

Konventionelle Methoden, wie den Müll mit Schiffen oder Netzen einsammeln, werden aufgrund des enormen Kosten- und Zeitaufwands (Wir sprechen hier von weitaus mehr als 100 Jahren!) sowie einer unvorhersehbaren Menge an Beifang und vielen Gigatonnen von produzierten CO2-Emissionen gar nicht in Erwägung gezogen. Also wird das Problem frei nach dem Motto „Was kümmert uns, was wir nicht sehen?!“ einfach ignoriert.

Im Herbst 2012 bin ich durch Zufall auf ein TEDxDelft-Video von einem jungen Niederländer gestoßen, der mit seiner Idee einer sich selbst versorgenden Müllsammelplatform die Ozeane zu reinigen für eine Menge Furore sorgte. Die Kritiker meldeten sich natürlich gleich zu Wort. Boyan Slot zog sich mit ein paar motivierten Wissenschaftlern zurück und jetzt ist er mit seinem Projekt The Ocean Cleanup wieder da. Vor drei Tagen wurden die Ergebnisse seiner 400 Tage dauernden Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Das Endprodukt sieht etwas anders aus als ursprünglich gedacht, aber die Grundidee ist die selbe. Jetzt muss es nur noch durchgeführt werden und dazu kann jeder seinen Beitrag leisten.

Ich bin begeistert, dass es noch Menschen auf diesem Planeten gibt, die Ideen haben, sich zur Wehr setzen und unsere Umwelt nicht ignorieren. Keine Lösung für das Grundproblem (Wir produzieren und verwenden zu viel Plastik!), aber ein erster Schritt für saubere Ozeane.

Posted by: Juli. | 31. May 2014

Tierisch

Wenn ich das Haus verlasse, ist meine Kamera fast immer dabei – eine Kompakte hat eben auch Vorteile. Ich mache gerne Fotos und davon auch gern viele. Oft nehme ich mir vor an einer Fotorallye teilzunehmen, bei dem guten Willen bleibt es dann meistens. Diesen Monat ändert sich das und hier kommt mein Beitrag zur Foto-Challenge von Carolin zum Thema „Tiere“: die besten Tierbilder unserer Borneo-Reise.

Tierwelt auf Borneo


Was im Regenwald alles an Käfern und Insekten zu finden war – unglaublich. Da haben wir uns mehr als einmal ein Makroobjektiv gewünscht. Besonders stolz bin ich auf die blaue Schnecke, die ich ganz allein unter einem kleinen Felsvorsprung entdeckt hatte. Nach 4 Wochen auf Achse mit einer Käferliebhaberin, hatte ich mir endlich den Blick für kleine Dinge inmitten des Dschungels erarbeitet. Ich hatte keine Insektenphobie bevor wir diese Reise antraten, habe allerdings auch nie so richtig verstanden, warum andere Menschen Käfer oder andere Fluginsekten hübsch finden. Mittlerweile kann ich das nachvollziehen, denn aus der Nähe betrachtet sind manche von ihnen wahre Kunstwerke und Naturschönheiten.

 

Vor Beginn der Reise hatten wir wenig Pläne wie genau das Abenteuer aussehen sollte. Stattdessen wollten wir uns von unseren Wünschen leiten lassen. Dazu zählte für mich eine Regenwaldwanderung (am Ende sind es mindestens 3 gewesen) und für uns beide der Wunsch Orang-Utans zu sehen. Schon in Afrika habe ich gemerkt, wie anders und beeindruckend es ist Tiere in freier Wildbahn statt hinter den Gittern des Zoos zu sehen. Tadaaa! Wir haben die rothaarigen Menschen aus dem Wald gefunden. Es war beeindruckend ihnen zu zuschauen und so viele Ähnlichkeiten in ihrem Verhalten zu entdecken. Ob sie sich menschlich verhalten oder wir tierisch – das bleibt Ansichtssache.

 

Anmerkung: Die vermeintlich klein aussehende Kröte, war übrigens alles andere als klein. Ihr Körper war etwa 20 cm lang – ohne Beine. Ein warziger Koloss.

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