Verfasst von: Juli. | 26. Juli 2016

Flashback

Vor fünf Jahren, fast auf den Tag genau, bin ich das erste Mal in Südafrika gelandet. Dass ich einige Jahre später die Möglichkeit haben werde, regelmäßig hierher zu kommen, habe ich damals noch nicht geahnt. Es war glaube ich ein Donnerstag, ein wolkenverhangener Tag, an dem man die Umrisse des Tafelberges nur schemenhaft erkennen konnte. Der Wind blies abwechselnd aus allen Richtungen und ab und zu gesellte sich Nieselregen dazu. Ich war froh auf meine rote Regenjacke Vertrauen zu können und schätzte in den nächsten Wochen die Fleece-Jacke, die meine Mutter ohne meine Zustimmung vor meiner Abreise noch in mein Gepäck geschmuggelt hatte, sehr. In den ersten Wochen erreichte die Temperatur kaum mehr als 15°C, wenn es bewölkt und windig war. In der Unterkunft gab es keine Heizung und wir mummelten uns häufig auf dem Sofa in warme Decken, um uns aufzuwärmen. Die Zähne putze ich mir beim Duschen, weil das wärmer war. Ich hatte den südafrikanischen Winter unterschätzt.

Heute sieht es sehr ähnlich aus. Nachdem der südafrikanische Winter letzte Woche mit seinen 22°C fast noch mit unserem bisherigen Sommer mithalten konnte, hat sich das Blatt seit ein paar Tagen gewendet. Ein grauer Schleier liegt über der Stadt. Der Himmel ist bedeckt und seit meiner Ankunft vor gut 8 Stunden regnet es unaufhörlich aus allen Richtungen. Ich hoffte drinnen würde es wärmer werden, aber natürlich gibt es in dem Haus keine Heizung. Immerhin gibt es einen Kamin, der hoffentlich zu späterer Stunde einheizt. Ich hatte die alten Erinnerungen, die gerade so viele glasklare Bilder in meinem Kopf ergeben, einfach verdrängt. Ich ärgere mich, dass ich nicht die langen Unterhosen eingepackt habe. Eine Wärmflasche wäre vielleicht auch sinnvoll gewesen. Nun hoffe ich, dass ich die nächsten Tage so viel arbeite, dass mir dabei warm wird. Vielleicht ist mein Büro sogar beheizt.

Verfasst von: Juli. | 21. Juli 2016

Unter dem Himmelszelt

Der Sommer ist da und während im Tal alle Schwitzen bläst in den Bergen weiter der kühle Wind. Blauer Himmel und Sonnenschein waren optimale Bedingungen für eine 2-Tagestour zum Hohtürli. Schon von unten sahen wir den Schnee. Als einzige hatte ausgerechnet ich, die Flachländlerin ohne Bergerfahrung, vermutet, dass oben noch Schnee liegen würde. In den vergangenen Tagen hatte es bei uns viel geregnet und auch in vielen tieferen Lagen der Alpen geschneit. Vor uns lag der Beweis. Schnee, und zwar nicht nur auf den Gipfeln! So blieb uns nichts anderes übrig als auf dem letzten halben Kilometer durch den Schnee zu stapfen, natürlich bergauf. Da wir erst mittags losgelaufen waren, hatten schon so einige Wanderer vor uns Fußstapfen im Schneematsch hinterlassen und wir konnten teilweise erahnen, wie der Weg darunter aussieht oder wo sich die Treppenstufen befinden. Kein einfaches Verfangen am Ende eines Tages an dem wir schon mehr als 1500 Höhenmeter überbrückt hatten. Vom Hohtürli aus sind es nur noch ein paar Höhenmeter bis zur Blüemlisalphütte, wo wir uns ein gutes Abendessen gönnten. Draußen gab es einen kleinen Wetterumschwung. Wir befanden uns nun über einem Wolkenmeer aus dem die Gipfel der umliegenden Berge hinaus ragten. Der eisige Wind heulte und pfeifte und so einige Wanderer zollten uns Respekt als wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz für unser Nachtlager machten. Meine erste Nacht in den Alpen. Draußen. Bei ca. 4°C. Auf 2840 Meter Höhe.

Während auf der einen Seite die Sonne untergeht,

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geht der Mond auf der anderen auf.

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Noch bevor es ganz dunkel ist, verziehen wir uns in unseren Biwak und den warmen Schlafsack, da der Wind mittlerweile sehr eisig ist. So starren wir mit offenen Augen in den Himmel hinaus und warten auf jeden weiteren Stern. Ich schlafe kaum, weil der Wind so heult und drückt. Ab und zu öffne ich mein Biwak, um den Blick in den Sternenhimmel zu genießen. Irgendwann gegen 4 Uhr werde ich wach, weil unsere Zeltnachbarn sich für die Erklimmung der Nordwand bereit machen. Die Kette aus Stirnlampenlichtern, von den Wanderen, die etwa zur selben Zeit aus der Hütte aufbrechen, um die Wildi Fru zu besteigen, verpasse ich, weil mir gerade so kuschelig warm ist und ich das Biwak nicht öffnen möchte. Ich wache auf, als es schon hell, aber immer noch kalt und windig ist. Es kostet etwas Überwindung aus dem Schlafsack zu kriechen und einiges an Kraft alles einzupacken, ohne das etwas von den Sturmböen weggeweht wird. Schnell suchen wir uns einen windgeschützten sonnigen Platz und erwarten sehnsüchtig den warmen Frühstückstee. Am Hohtürli weht es eisig, gerade so als hätte jemand die Himmelstüre offen gelassen. Doch nur ein paar Meter weiter unten ist der Wind verflogen und die Sonne erwärmt uns rasch beim steilen Abstieg.

Vier Tage später ist auch endlich der Muskelkater verflogen und ich bin bereit für ein neues Abenteuer, über oder unter den Wolken.

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Verfasst von: Juli. | 7. Juli 2016

Du bist so wunderbar!

Lang ist es her seitdem ich das letzte Mal in Berlin zu Besuch gewesen bin. Nun durfte ich endlich mal wieder Tourist sein, in einer Stadt in der ich mich schon so gut auskenne und trotzdem immer wieder neues entdecke. Es hat sich so viel verändert und doch ist alles wie immer. Die Stadt wächst zusehends, dennoch kann man so viel zu Fuß erlaufen. Immer dabei der Fernsehturm! Von so vielen Ecken und aus so unterschiedlichen Perspektiven kann man ihn sehen, wie kaum ein anderes Wahrzeichen einer Großstadt. Ich mag wie Kultur und Geschichte nahtlos ineinander übergehen, wie sich die alten imposanten Gebäude mit der modernen Architektur vermischen.

Es gibt viele Gründe Berlin zu lieben. An diesem Wochenende ist es für mich das günstige Eis und die verrückten Geschmacksrichtungen, der Trubel im Mauerpark an einem Sonntag und die Berliner Schnauze. Ich muss zugeben, die habe ich etwas vermisst. Direkt, lässig und dennoch leicht ruppig – für mich irgendwie ein Ohrenschmaus. Wahrscheinlich ist es genau diese Kombination, über die sich meine Freunde manchmal amüsieren, wenn ich ganz direkt geradeaus rede und sie es wieder die „Eastern German straightforwardness“ nennen.

Auch wenn in den Nachrichten immer häufiger anderes zu hören ist, habe ich immer noch das Gefühl in Berlin kannst du sein wie du bist. Du musst dich nicht verstellen oder verstecken, sondern kannst die Freiheit genießen. Die Stadt ist voller Eigenbrötler, 0815-Typen und kreativer Köpfe frei nach dem Motto „To be yourself is all that you can do!“ (Audioslave).

Und während Peter Fox in meinem Kopf noch singt…

Guten Morgen Berlin!
Du kannst so hässlich sein,
so dreckig und grau.
Du kannst so schön schrecklich sein […]

Du bist nicht schön
und das weißt du auch.
Dein Panorama versaut.
Siehst nicht mal schön von weitem aus […]

…denke ich, Schönheit ist Ansichtssache, aber der Puls der Stadt und die Atmosphäre, die sind unschlagbar.

Berlin muss man einfach erleben!

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Verfasst von: Juli. | 5. Juli 2016

Fahrradliebe

Aufgewachsen bin ich ohne Auto, stattdessen wurde immer alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad erledigt. Als ich alt genug war, bin ich statt mit der Straßenbahn quer durch die Stadt mit dem Rad zum Sport. Als meine Schule nicht mehr nur einen Katzensprung entfernt war, bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Am Wochenende haben wir Ausflüge mit dem Rad gemacht. So habe ich das Umland kennengelernt. Mein erster Freund wohnte im Nachbardorf, nur eine schöne Radtour durchs Grün weit entfernt. Im Urlaub haben wir statt eines Autos Fahrräder gemietet.  In den Sommerferien bin ich oft erst einmal um den See herum gefahren, bevor ich meine Freundin abholte und wir uns eine kalte Abkühlung gönnten. Während des Studiums, bin ich mit dem Rad zum Hörsaal. Egal, ob ich dafür von der WG zum Institut am anderen Ende der Stadt musste oder, ob ich nur fünf Gehminuten von der Uni entfernt wohnte, das Rad war dabei.

Als ich zwölf war und zu groß für mein kleines Kinderfahrrad wollte ich unbedingt dieses grüne Rad haben. Knallgrün war es, mit blauen Gabeln, sodass man es schon von weitem gesehen hat. Ich habe es geliebt, nicht nur der Farbe wegen, und es sogar während meines Auslandssemester mit nach Schweden genommen. Bin mit ihm bei -20°C über Schnee und Eis gefahren. Dann kam mir die verrückte Idee von Schweden nach Deutschland zurück bis nach Hause zu radeln. Allein. Zumindest fast. Mein Fahrrad, mein Zelt und ich. Ich erinnere mich noch an den Sonntag Ende Juli, als ich das Gepäck sattelte und es losging. Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt, mein Zimmer auf den Kopf zu stellen und meine Sachen zu packen. Ich war aufgeregt von Kopf bis Fuß und habe mich gefragt, wann mir eigentlich diese bescheuerte Idee kam und warum ich das überhaupt mache? Ich wollte die Idee in den Wind blasen vor Aufregung und hoffte mein alter geliebter Drahtesel (niemand wäre wahrscheinlich überhaupt auf die Idee gekommen mit diesem Rad noch eine mehrwöchige Tour zu machen) würde gleich zu Beginn in alle Einzelteile zerfallen. Einfach so aufgeben wollte ich nicht. Gleich am ersten Tag habe ich ein Befestigungsteil für eine meiner Gepäcktaschen verloren. Ich konnte kein Ersatzteil finden und wollte alles abblasen. Immer wieder wurde ich in den ersten Tagen von Regenschauern überrascht und fand mich oft durchnässt radelnd oder unter einem Baum auf trockeneres Wetter hoffend warten. Wieder fragte ich mich, was das alles soll? Doch es waren die Momente der Freiheit, des Glücks und die wunderschönen Landschaften, die mich motivierten weiter zu radeln. Als nach 16 Tagen kurz hinter der deutschen Grenze meine Hinterradachse brach, hatte ich einen der schönsten Urlaube verbracht. Ich hatte meine verrückte Idee in die Tat umgesetzt und Schweden von einer Seite kennengelernt, die nicht jeder zu Gesicht bekommt. Ich wusste, dass dies nicht meine letzte Mehrtagesradtour gewesen ist. Das war im Sommer 2013.

Seither habe ich viele Ideen gehabt, aber wenige realisiert. Rhein, Donau oder Elbe hinab. Endlich zur Ostsee radeln. Oder quer durch die Baltikstaaten. Nun fast drei Jahre später ist es endlich so weit und meine Pläne haben sich verfestigt. Es wird nicht exotisch sondern bodenständig. Eine Tour zum Bodensee, drum herum und wieder zurück. Dass ich da nicht die Einsamkeit wie auf Schwedens abgelegenen Straßen genießen kann, sondern wahrscheinlich Slalom um Fußgänger und andere Radtouristen fahren muss, versuche ich gerade noch auszublenden. Stattdessen würde ich viel lieber sofort mein Gepäck satteln und losradeln und jeden Morgen nachdem ich aus meinem Zelt herausgekrabbelt bin, eine Runde schwimmen gehen.

Doch bis es soweit ist, werden noch ein paar Monate vergehen und ich muss mich mit der täglichen Pendeltour zur Arbeit und einigen längeren Tagestouren begnügen, weil ich bei schönen Wetter einfach nicht drinnen sitzen bleiben kann und Hummeln im Hintern habe.

Mittlerweile habe ich mich von meinem grünen Drahtesel verabschiedet und will den Komfort meines neuen Rades nicht mehr missen. Es liegen wirklich viele Welten dazwischen. Doch so sehr ich mein Fahrrad als innerstädtisches Verkehrsmittel liebe, so sehr kann ich auch all diejenigen verstehen, die Radtouren langweilig finden. Manchmal geht es mir selbst so und aus der geplanten Mehrstundentour wird nur eine Einstundentour, weil mir irgendwie langweilig ist. Doch manchmal gibt es auch Tage an denen ich statt direkt nach Hause zu fahren, einen Umweg fahre, weil das Wetter so schön ist und ich die Sonne genießen möchte. Dann rotieren meine Beine unaufhörlich und bringen mich voran. Manchmal denke ich, ich bin niemand anderes als ein Hamster im Laufrad. Wahrscheinlich stimmt das sogar, aber die Landschaft verändert sich und zieht mal langsamer mal schneller vorbei. Ich liebe es, wenn mir der Fahrtwind durch die Haare weht. Wenn ich den Mund weit auf reiße und tiefe einatme, so als wollte ich den Fahrtwind als Energiequelle nutzen. Wenn ich dann den Kopf zum Himmel strecke der Sonne entgegen und meine Augen schließe, spüre ich die Freiheit. Die Möglichkeit überall hinzufahren und anzuhalten, wann und wo ich möchte.

Vor ein paar Wochen, als ich wieder Mal von der Sonne und dem Radeln euphorisiert nache einer Feierabendtour nach Hause kehre, finde ich einen Brief mit einer der schönsten Karten, die ich bisher gesehen habe. Wenn sogar meine Freunde mir schon Papierfahrräder schicken, bin ich wohl doch fahrrdverliebter als gedacht.

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Mein Papierfahrrad kam mit einem tollen Motto daher:
Lebenskünstler – gehe Wege, auf denen man nicht so schnell vorankommt!

Verfasst von: Juli. | 4. Juni 2016

Mein neuer Freitag, der 13.

…ist von nun an Samstag, der 4.

Samstagmorgen, 10 Uhr, Bahnhof Zürich. Eigentlich sollte ich schon längst an Freiburg vorbei sein und bald Frankfurt am Main erreichen. Doch als hätte ich geahnt, dass meine perfekte Zugverbindung von nur 3,5 Stunden vielleicht etwas länger dauern würde, habe ich mir ein extra Sandwich und zwei Trinkflaschen eingepackt; dazu zwei Bücher, weil ich mich nicht entscheiden konnte und sie beide so leicht waren; sowie meinen Laptop, weil ich beim Zugfahren in letzter Zeit immer so schreibproduktiv bin. Langweilig wird mir so sicher nicht.

So sitze ich nun am Bahnhof und werde statt um 11:50 erst 15:35 mein Ziel erreichen. Nein, dieses Mal ist es nicht die Schuld der DBahn, sondern ganz allein meine eigene.

Samstagmorgen, der Wecker klingelt nach einer viel zu kurzen Nacht und mit Mühe und Not schleppe ich mich aus meinem Bett. Ich ziehe mich an, stopfe alle umliegenden Sachen in meinen Rucksack und versuche ein bisschen das Chaos zu beseitigen, wofür ich gestern Nacht zu müde war. Die Strumpfhose hat schon eine Laufmasche bevor ich sie überhaupt angezogen habe. Statt den Apfel zu schneiden, schneide ich mir in den Finger. Statt Milch gieße ich das heiße Teewasser über mein Müsli. Gerade als ich zum Bahnhof radeln will, fängt es in Strömen zu regnen an. Also schnell noch von Kopf bis Fuß die Regenschutzkleidung anziehen. Ich bin spät dran, aber schaffe es wieder einmal in Rekordzeit zum Bahnhof – Aquaplaning sei Dank – und bekomme sogar einen freien Fahrradstellplatz gleich in der ersten Reihe. Ohne zu Hetzen steige ich in den Zug und wundere mich, dass nicht ein einziger Platz reserviert ist.

Zehn Minuten später schwant mir das Unglück. So viele Dörfer und grüne Hügel liegen doch gar nicht zwischen Basel SBB und Basel Badischer Bahnhof. Dann überqueren wir einen Fluss. Nein, das dürfte eigentlich nicht sein. Vielleicht entfällt heute der Halt am Badischen Bahnhof, versuche ich mich zu beruhigen. Doch als wir an einem Bahnhof namens Dulliken vorbei fahren, habe ich Gewissheit.

„Einer ist immer der Dumme und heute hat es Sie getroffen“, meint der Zugbegleiter mit einem Schmunzeln. „Jedes Mal haben wir mindestens eine Person, die in den falschen Zug eingestiegen ist.“ Ich versuche die Begebenheit des Morgens zu rekonstruieren. Da stand doch nur ein einziger Zug als ich auf das Gleis kam. Ein ICE. Ich bin einfach eingestiegen und hatte nicht auf die Anzeigetafel geschaut. Für den Zugbegleiter scheint es Routine zu sein. Er tippt ein bisschen auf seinem Gerät herum. Dann druckt er mir eine Bestätigung und eine neue Zugverbindung aus. Ich muss nicht einmal ein gültiges Ticket lösen, weder für die Fahrt nach Zürich noch als Ersatz für mein nun nicht mehr gültiges Sparpreisticket mit Zugbindung.

Als ich ihm erkläre, dass ich nun leider die Trauung verpassen werde (immerhin nicht meine eigene), hofft er, dass ich wenigstens zur Feier pünktlich dort bin und leiht mir sein Handy damit ich kurz den Abholservice über meine neue Ankunftszeit kontaktieren kann. Mein eigenes habe ich zur Feier des Tages auf meinem Schreibtisch zu Hause liegen lassen.

Zweieinhalb Stunden später bin ich wieder an meinem Ausgangspunkt. Es regnet immer noch in Strömen und die Fahrkarten werden kontrolliert. Es ist der selbe Zugbegleiter und mit den Worten, „Damit Sie sich schon mal in Stimmung bringen können.“, drückt er mir einen Gutschein für das Bordrestaurant in die Hand.

Ich bleibe im Zug sitzen, um versehentlich nicht wieder in den falschen Zug zu steigen. Von jetzt an kann es nur noch besser werden.

Verfasst von: Juli. | 11. Mai 2016

Frühlingssonne

Es wird Sommer. Die Tage werden wieder länger und mein Zeitgefühl betrügt mich immer öfter. Manchmal verliere ich mich in der Arbeit, nachdem ich das Mittagstief erfolgreich überwunden habe und werde zu später Stunde von meinem knurrenden Magen daran erinnert, dass ich langsam nach Hause fahren sollte. An anderen Tagen schaue ich seit der Mittagspause sehnsüchtig durchs Fenster hinaus den Wolken bei ihrer Reise am blauen Himmel entlang zu und ärgere mich, dass ich statt draußen die schönen Tage zu genießen im Büro sitzen muss.

Heute ist so ein Tag an dem ich nach der Arbeit meine freie Zeit mit einem Buch auf der Wiese vorm Haus verbringe. Wie schön ist es doch nach Feierabend noch ein paar Stunden in der untergehenden Sonne genießen zu können. Ich würde gerne jeden Tag hier sitzen. Langsam senkt sich die Sonne. Die Luft ist warm und das Licht wird es auch. Die Wiese wirkt weich und federleicht schwanken die Gräser im Wind. Ein rot-gelber Schleier aus Blüten von Sauerampfer und Hahnenfuß hat sich über sie gelegt, dazwischen Rotkleeblüten und Wegerich. Ein paar Früchte des Löwenzahns fliegen wie Miniaturfallschirme gemächlich durch die Luft. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mit meinem Buch weiter in die Tiefen der südafrikanischen Karoo versinken soll oder einfach den Gräsern im Winde zuschaue, während die Sonne in mein Gesicht scheint. Es ist Frühling – meine Lieblingsjahreszeit! Dann wenn die Welt draußen mit jedem Tag grüner und bunter wird und die Tage warm, aber noch nicht zu heiß. Ich sitze auf der Wiese, in der ich kaum zu sehen bin, weil die Gräser und Kräuter so hochgewachsen sind. Ich möchte alles ernten und einen Wildkräutersalat machen mit Löwenzahnblüten und Blättern, mit Sauerampfer und ein paar Rotkleeblüten. Ich möchte hier mein Bett aufschlagen, weil das Gras so weich ist und sehen wie der Himmel sein Kleid von strahlendblau zu tiefschwarz mit winzigem Sternenmuster verwandelt.

Ich schließe die Augen und spüre die Sonnenstrahlen im Gesicht. Ich erinnere mich an die schöne entspannte Zeit vor zwei Jahren als ich zwar oft früh aufstehen, aber dafür den ganzen Tag draußen in der Natur, statt im Büro, bei Wanderprogrammen in der Sächsischen Schweiz verbracht habe. Manchmal haben wir alles Essbare von Brombeerblättern bis hin zu Brennesseln gesammelt und Tee, Rührei oder Pesto gemacht. Komisch sah es manchmal aus, doch lecker war es immer. Lange ist es her, dass ich dort zu Besuch gewesen bin und obwohl ich jetzt viel größere Berge fast vor der Haustür habe, würde ich sie gern mal wieder besuchen, diese einzigartige Landschaft mit ihren seltsamen Felsen…

Ich öffne die Augen und wünschte, die Sonne würde stundenlang untergehen. Leider tut sie das nicht. Leider werde ich heute weder einen Wildkräutersalat essen, noch hier mein Bett aufschlagen, denn diese Wiese ist auch bei Hunden sehr beliebt.

Ich bin ein Träumer, verliebt in die Natur.

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Verfasst von: Juli. | 25. April 2016

Guten Morgen Schweiz!

Es ist Ende April der Nachtzug rollt mit zwei Stunden Verspätung in die Schweiz hinein. Auch wenn der zeitliche Verzug meine restliche Tagesplanung durcheinander wirft, genieße ich die zwei Stunden mehr Schlaf nach den kurzen Nächten der letzten Woche. Es ist schon hell und als ich nach unten aus dem Fenster schaue, erblicke ich Schnee zwischen den Eisenbahnschienen. Die Wettervorhersage war also korrekt und es hat wirklich geschneit. Unfassbar! Ich klettere aus meinem Bett die schmale Leiter hinunter und blicke in die weißen Berge. Ihre Gipfel teilweise in den dunklen tiefhängenden Wolken verborgen, die Nadelwälder wie in einer Modelllandschaft mit weißem Puderzucker bestäubt und davor grasgrüne Felder und Wiesen. Ein bisschen surreal sieht es aus und ich kann mir das Lächeln nicht verkneifen auch wenn ich weiß, dass ich für die nächsten Tage nochmal die warme Fleecejacke und meine Handschuhe aus den Tiefen meines Kleiderschranks herauskramen muss.

Ich flüstere „Hallo Schnee, danke April!“ und lächle.

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Verfasst von: Juli. | 25. April 2016

48 h Budapest (2)

Der zweite Tag begann wie der erste aufgehört hatte. Es war kalt und es regnete. Nach einem kurzen Frühstücksshoppen in einer um die Ecke liegenden Markthalle – Ach, wie schön es wäre einen Markt oder eine Markthalle direkt vor dem Haus zu haben und dort jeden Morgen, genau das worauf man Lust zum Frühstück hat, einzukaufen – wagten wir uns raus. Nachdem der gestrige Tag von Radfahren geprägt war, stand heute das traditionelle Touristenprogramm auf dem Programm. Zum Aufwärmen ging es in eine Kirche eingebaut in Fels, die mich aus irgendeinem Grund an die Stockholmer U-Bahn erinnerte und dass obwohl alles viel kleiner und sehr eng war. Hinauf zum Denkmal der Freiheit, wo uns die starken Windböen fast in den vogelfreien Flug schickten und schlussendlich hinauf zur Burg, wo wie ich finde die rostigen Metallstrukturen grandios mit den alten Steinmauern und Fassaden kombiniert wurden – aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Kombiniert wurde die Sightseeing-Tour mit reichlich kulinarischen Höhepunkten. Unterwegs aß ich einen der besten Kuchen, die ich seit langem gegessen habe und der auch nicht so schwer nach zu backen schien. Ein Traum aus Kakao-Nuss-Mürbeteig mit einer Schicht weich schmelzende Karamell, zugedeckt durch eine locker leichte Kakao-Sahnecreme. Süß und nicht zu schwer – einfach lecker.

Bevor es mit dem Nachtzug zurück in die Schweiz ging, entführten mich die beiden noch in eines der besten authentischen Restaurants in Budapest. Kéhli. Hier haben schon Woody Allen, Gojko Mitic und Arnold Schwarzenegger zu Tisch gegessen. Es war jedoch viel mehr das gute Essen als die Prestige, die uns in dieses Restaurant führte. Nach einer leckeren ungarischen Gulaschsuppe, die exakt wie die ungarischen Gulaschsuppen damals in der Schule schmeckten (da soll sich noch einer über das Essen in der Schule beschweren…), gab es Lammkeule mit ungarischen Spätzle und Feta und zum Nachtisch Schneeeier. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass man aus Eiweiß noch etwas anderes gutes als Baiser machen kann. Doch so wurde das Eiweiß geschlagen, der Eischnee anschließend kurz in heißem Wasser gebadet und dann in Vanillesoße schwimmend serviert. Es war gar nicht so einfach sich ein Stück von dem Schneeei zu ergattern ohne dass es aus der Schale hoppst. Am Ende haben wir es irgendwie geschafft und ich war ausreichend gesättigt für eine lange Zugfahrt.

Um die Stadtführung zu vervollständigen und damit ich alle großen Bahnhöfe Budapests gesehen habe (Nein, ich bin keine Bahnhofsfan. Es hat sich einfach so ergeben), ging es mit der neuen U-Bahn vorbei an futuristischen U-Bahnhöfen zum alten Keleti Bahnhof. Beeindruckend hübsch und imposant, besonders am Abend.

Auf zum Nachtzug nach Zürich.

Budapest_3Grünes Budapest – Der Frühling ist schon angekommen.

Verfasst von: Juli. | 24. April 2016

48 h Budapest (1)

Nach nur zweieinhalb Stunden Zugfahrt durch die grünen Felder und Wälder in das sanfte Licht des Sonnenuntergangs eingehüllt, erreiche ich Budapest. Die Landschaft, die an dem Fenster vorbeisaust, erinnert mich an meine Heimat und ihre endlose Weite.

Ich freue mich ein paar Freunde zu besuchen, die sich viel Zeit nehmen mir das andere Budapest zu zeigen. Der hochmoderne neue Bahnhof steht im Kontrast zu ihrer neugekauften (bisher noch unbewohnbaren und stark baufälligen) Wohnung mit der grandiosen Dachterrasse, die man im Sommer leider nicht betreten kann, weil der Boden unter der Hitze davon schmilzt und von der man dennoch einen wunderschönen Ausblick auf das alte und neue Budapest sowie das Naturschutzgebiet Sas-hegy hat. Es ist ein fließender Übergang zwischen kleinen charmanten Häusern mit Dächern in Erdfarben und den hässlichen grauen Hochhäusern, die dominant darüber hinaus ragen.

Wenn man im Hochsommer die Terrasse nicht mehr betreten kann, dann bleibt immer noch der Garten. Ein charmanter grüner Urwald mit Kirsch- und Pfirsichbaum, dessen Boden gerade von endlos vielen blühendem Löwenzahn bedeckt ist, deren Pollen im Winde umherfliegen. Ich kann mir vorstellen wie der Garten und ihre Wohnung in ein paar Monaten und nach einer Menge Arbeitsstunden sehr schön aussehen werden. Sie haben viele Pläne und werden keine Mühe scheuen diese umzusetzen.

Mit der alten laut ratternden Straßenbahn geht es in den Norden der Stadt, in die alte Wohnung, die mit viel Finesse modernisiert wurde und für Budapest (oder vielleicht ganz Ungarn) höchstmodern aussieht.

Am nächsten Morgen schwingen wir uns auf die Fahrräder. Es geht zunächst nach Sas-hegy, auf den Hügel aus Kalkstein, der umzingelt von Häusern zu allen Seiten wie eine kleine Insel aus der Stadt hervorragt. Wir sehen viele Eidechsen, lauschen den Vögeln und genießen den Blick auf die Donau und Buda. Zum Mittagessen geht es in die wunderschöne alte Markthalle und auf einmal sind wir mittendrin im Touristenstrom. Ich treffe den Mongolen, der am Tag zuvor mit mir im Zug nach Budapest saß. Nach einer Stärkung mit einem so reichlich belegten Langos, dass ich nur mit Mühe und Not Tomaten, Rucola, Feta und Lauchzwiebeln vorm Absturz retten kann, geht es zum Highlight des Tages. I bike Budapest. Einer Protestbewegung,  die ein fahrradfreundlicheres Budapest fordert und zufällig genau an diesem Wochenende stattfindet. Gemeinsam mit tausenden Radlern fahren wir mehr als 2,5 Stunden quer durch die Stadt von Pest nach Buda, von Buda nach Pest und zum Abschluss auf die Margareteninsel. Eine schönere Stadtführung hätte ich mir nicht wünschen können. Zum Finale stemmen alle triumphreich ihre Fahrräder in die Höhe. Ein einzigartiger Anblick.

13064480_1202782116399158_588314899360967101_o(Foto: Krisztian Bodis Photography)

Nachdem wir uns nach dem plötzlichen Platzregen wieder getrocknet und gestärkt hatten, zeigten mir die beiden noch eines der so bekannten Ruinenpubs. Wow! Ich war beeindruckt von der Atmosphäre, die in dem alten Haus herrschte. Überall hing etwas Kitsch, Dinge vom Flohmarkt oder andere merkwürdige Zeugen der Zeit –  einzeln (und bei Tageslicht ganz sicherlich) hässlich, doch zusammen ergab es ein stimmiges Bild und eine einmalige Atmosphäre. Ich erinnerte mich an eine Elektroparty auf der ich mal vor vielen Jahren in Leipzig war und die auch in einem leerstehenden Haus stattfand. Das hatte allerdings nicht halb so viel Charme. Dennoch tanzten wir die ganze Nacht durch das Haus, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt elektronische Musik wirklich schrecklich fand. Wir genossen die Freiheit und den Moment.

Verfasst von: Juli. | 22. April 2016

Fehlplanung

DSCN8487Es ist Freitag, der letzte Tag der Mega-Konferenz. Während der vergangenen Tage war schon zu sehen, dass sich alles langsam dem Ende zuneigt. Die Menschen wirkten ermüdet. Es gab nur noch billige Doppelkekse, statt mit Karamellcreme gefüllte Chocolate Chip Cookies in der Kaffeepause und auch Bier und Wein waren zur abendlichen Posterpräsentation nach gefühlten 5 Minuten alle. Es ist der letzte Tage und schon seit gestern Abend sieht man Leute mit Rollkoffern direkt nach den Präsentationen zum Flughafen stürmen. Das zieht sich heute fort. So sind die Messestände im Eingangsbereich schon seit Mittag am Abbauen. Es gibt kaum noch etwas zu essen und die Korridore und Vortragsräume sind merklich leerer als in den vergangenen Tagen. Mein Beileid an alle die heute Abend von 17:30 bis 19:00 noch ihre Poster präsentieren müssen. Ich erwarte gähnende Leere und bin froh, dass ich schon gestern dran war. Fehlplanung von oberster Stelle nenne ich dieses Konzept, denn es ist es doch kein Wunder, dass sich unter diesen Bedingungen die Aufbruchstimmung der Organisatoren auf die Teilnehmer überträgt und viele von ihnen Freitagabend schon gern wieder bei ihren Familien verbringen möchten.

Ich habe also einmal mehr alles richtig gemacht als ich mich nicht in der vom Thema nur mittelmäßig passenden Session eines Kollegen angemeldet habe. Denn sonst würde ich mir heute Abend auch in der leeren Halle neben meinem Poster die Beine in den Bauch stehen. Doch stattdessen steige ich gut gelaunt in den Zug und freue ich auf das Wochenende in Budapest.

Verfasst von: Juli. | 20. April 2016

Wien – meine Eishauptstadt

Sommerzeit (und dazu zähle ich auch warme sonnige Frühlingstage) ist Zeit zum Eis essen. Aufgrund eines Mangels an Eiscafés in der Schweiz, nutze ich jede Gelegenheit außerhalb der Schweiz zum Eis essen. Schon letztes Jahr habe ich zwei sehr gute Eisdielen in Wien entdeckt und mich an mysteriöses Kürbiskernöleis gewagt. Sehr lecker, kann ich nur sagen. Wie Sahneeis mit dem Geschmack von Kürbiskernen, keine Spur von Öl. Für jeden der gern die Kürbiskerne vom Brot abknabbert – genau das richtige.

Dieser Tage wagte ich mich also an ein paar neue Geschmacksrichtungen. Das unspektakulär klingende Zitrone-Melisse bot eine wunderbare Erfrischung für heiße Sommertage und das experimentierfreudige Basilikumeis mit Reismilch, könnte fast mein neuer Favorit werden. Zu meinem Müsli würde ich niemals Reismilch mischen, denn das finde ich ungenießbar, aber ehrlich gesagt hat es im Eis mehr nach Kokosmilch geschmeckt und das war unerwartet lecker. 0815 – waren beide Sorten nicht, denn sie waren vegan! Äh, warum jetzt auch noch vegane Eiscreme? Nun ja, weil Veganer ebenso das Recht auf cremiges Eis haben wie Laktoseintolerante Personen und weil es dazu erstaunlicherweise sogar möglich ist sehr sehr leckeres Eis aus Soja-, Reis- oder Kokosmilch herzustellen. Da ich gern mal etwas Neues ausprobiere, landete ich nun aufgrund einer Empfehlung einer Freundin im Veganista. Einfach lecker! So lässt sich der Sommer genießen.

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr. Mal schauen welche Eissorten ich dann neu entdecke.

Verfasst von: Juli. | 19. April 2016

Im Supermarkt

Darf Ich dich was fragen? Warum laufen hier eigentlich so viele Leute mit diesen Basukas [zeigt auf meine wirklich massiv aussehende schwarze Posterrolle mit ca. 10cm Durchmesser] herum? In den letzten 15 Minuten habe ich mindestens 5 Leute mit so einem Ding gesehen…

Dass wir uns gerade an einem Verkehrsknotenpunkt in Wien befinden, hier gerade die weltweit zweitgrößte Konferenz für Geowissenschaften stattfindet und Wien für die nächsten Tage vorübergehend ca. 13000 mehr Einwohner hat, erklärt das vielleicht und befriedigt auch den neugierigen Österreicher. Wenn man sie nicht an den Posterrollen erkennt, dann an ihren blauen Schlüsselbändern und den Namensschilder mit denen sie in jeder Ecke der Stadt zu finden sind. Egal wie gut das Restaurant versteckt ist, man kann sich sicher sein, dass schon jemand mit einem blauen Halsband dort ist.

Es ist eine Invasion.

Verfasst von: Juli. | 18. April 2016

Guten Morgen Wien

Ich fahre Zug. Nicht nur aus Überzeugung und um meine CO2-Emissionen niedrig zu halten, sondern auch weil ich es entspannend finde. Ich fahre Zug, weil ich dort mehr Freiraum habe und lesen kann im Gegensatz zu einer Bus- oder Autofahrt und weil ich sowieso kein Auto habe.

Ich fahre Nachtzug. Nicht nur, weil ich Zugfahren mag, sondern auch weil langsam Reisen ein tolles Gefühl ist. Am nächsten Morgen in einer anderen Stadt auszusteigen und beim Aufwachen live dabei zu sein, das ist manchmal spannend, manchmal ermüdend. Oft bin ich am Morgen nicht so fit wie die Werbung der DB beteuert. Doch es ist immer ein Abenteuer.

Einmal hat mir ein kleines Mädchen eine Gute Nacht Geschichte vorgelesen.

Ein anderes Mal hat ein Junge die halbe Nacht geweint, weil sein Papa zu Hause geblieben ist und er eine Woche mit Mama allein auf Reise war.

Wieder ein anderes Mal wollten zwei Schwestern (ca. 6 und 8 Jahre alt), die ganze Nacht durchmachen und sich wilde Geschichten erzählen. Stattdessen sind sie nach einer halben Stunde Zugfahrt während ihr Vater telefonierte, im selben Bett eingeschlafen.

Viele Male hat jemand geschnarcht. Einmal so stark, dass die über mir liegenden Jugendlichen trotz reichlich Baldriantropfen nicht schlafen konnten und Kissen auf die Schnarcherin geworfen haben. Erfolglos.

Dieses Mal ist der Zug wieder komplett ausgebucht. Das liegt nicht nur daran, dass es die Nacht von Sonntag auf Montag ist, sondern auch daran, dass heute eine große Konferenz in Wien beginnt und die Bahnverbindung mit dem Nachtzug optimal ist. So ist der Zug gefüllt mit ein paar der 13000 Wissenschaftlern, die sich auf den Weg in die österreichische Hauptstadt machen.

Nach einer ruhigen Nacht mit Frühstück ans Bett, was es bei der DB nur gegen Aufpreis gibt (und dann muss man dafür sogar noch das Bett verlassen😉 ), müssen wir aussteigen.

Guten Morgen Wien. Der Tag kann beginnen.

Nachtzug-Collage

Eine Nacht in der Santos Express Train Lodge (Mossel Bay), einem Hostel in einem stillgelegten Nachtzug, ist nichts für Menschen mit Platzangst.

Verfasst von: Juli. | 25. März 2016

Monetisierung

Zurück im heimischen Supermarkt fällt mir ein großer Plastikbeutel voll Zwiebelschalen in der Obst- und Gemüseabteilung auf. Wohlgemerkt mit einem Preisetikett versehen! Auf der Verpackung laufen ein paar Hühner umher. Soll das das neue Hühnerfutter sein? Überrascht und kopfschüttelnd frage ich mich, ob man hier in der Schweiz mit allem Mist Geld verdienen will…

Meine Kollegen klären mich später auf, dass bald Ostern ist und die Zwiebelschalen prima zum Eier färben verwendet werden können. Polternd fällt das Brett vor meinem Kopf auf den Boden. Auf natürliche Weise Ostereier färben ist toll. Aber fallen nicht beim Kochen schon genügend Zwiebelschalen an…

Entspannte Osterfeiertage mit oder ohne Zwiebelschalen.

Verfasst von: Juli. | 20. März 2016

Teil 2: Bergmomente

Schon aus ca. 60 km Entfernung den Sir Lowrys Pass hinunter fahrend, kann man die Umrisse erahnen.  Auf der N2 entlang bahnen wir uns langsam einen Weg näher an die Stadt und mit jedem Kilometer wird sein Umriss stärker. Das fade Blaugrau verwandelt sich langsam in kräftiges Braungrau mit einem kleinen Blauschimmer. Die Fahrt scheint endlos. Sie ist endlos. Minute um Minute vergeht, wir sind noch lange nicht im Stadtzentrum, noch nicht einmal in Kapstadt und doch sehen wir den Tafelberg klar vor uns. Magisch ragt er über der Stadt empor.

Blick von der N2 auf den Tafelberg und Devil's Peak (links)

Ich liebe die Fahrt vom Flughafen in die Stadt hinein. Vorbei an Wellblechhütten und kleinen Betonhäusern mit Solaranlagen auf dem Dach, an heruntergekommenen Autos und streunenden Hunden sowie grasenden Kühen zwischen Autobahn und Zaun bleibt der Blick beim Tafelberg hängen und schweift weiter zum Lions Head bis hin zu der Kette aus vereinzelten Bäumen auf dem Signal Hill. Zumindest wenn der Himmel klar ist und die Gipfel nicht in den Wolken versteckt, so wie bei meiner allerersten Fahrt vom Flughafen in Kapstadts Zentrum. Es war ein kühler grauer windiger Tag. Ich wusste noch nicht was mich in dieser Stadt erwarten würde und dass es mir am Ende so schwer fallen würde loszulassen.

Bei meiner Abreise bin ich froh, dass sich der Tafelberg hinter meinem Rücken versteckt. Ein Blick über die Schulter verrät, dass die Nacht bald kommt. Der Himmel strahlt in verschiedensten Farbtönen von Abendstimmung. Die Bäume auf dem Signal Hill sind nur als Schatten in sanftes orangenes Licht gehüllt, dass auch den Tafelberg umspült. Es ist die Magie dieses Anblicks, die mich gefangen hält.

Der Blick nach vorn auf die Autobahn macht den Abschied leichter. Auf ein baldiges Wiedersehen.

Ich hatte Angst, dass euch diese Stadt (und das Land) vielleicht nicht gefallen würde, wo ich doch nicht einmal selbst in Worte fassen kann, was ich hier so mag. Doch ihr habt mich eines besseren belehrt und meine Faszination geteilt. Wahrscheinlich ist es der Facettenreichtum: verschiedenen Kulturen, architektonische Style, arm und reich, und natürlich das Meer und die Berge so nah beieinander. Denn über allem wacht majestätisch der Tafelberg.

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