Verfasst von: Juli. | 25. April 2016

Guten Morgen Schweiz!

Es ist Ende April der Nachtzug rollt mit zwei Stunden Verspätung in die Schweiz hinein. Auch wenn der zeitliche Verzug meine restliche Tagesplanung durcheinander wirft, genieße ich die zwei Stunden mehr Schlaf nach den kurzen Nächten der letzten Woche. Es ist schon hell und als ich nach unten aus dem Fenster schaue, erblicke ich Schnee zwischen den Eisenbahnschienen. Die Wettervorhersage war also korrekt und es hat wirklich geschneit. Unfassbar! Ich klettere aus meinem Bett die schmale Leiter hinunter und blicke in die weißen Berge. Ihre Gipfel teilweise in den dunklen tiefhängenden Wolken verborgen, die Nadelwälder wie in einer Modelllandschaft mit weißem Puderzucker bestäubt und davor grasgrüne Felder und Wiesen. Ein bisschen surreal sieht es aus und ich kann mir das Lächeln nicht verkneifen auch wenn ich weiß, dass ich für die nächsten Tage nochmal die warme Fleecejacke und meine Handschuhe aus den Tiefen meines Kleiderschranks herauskramen muss.

Ich flüstere „Hallo Schnee, danke April!“ und lächle.

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Verfasst von: Juli. | 25. April 2016

48 h Budapest (2)

Der zweite Tag begann wie der erste aufgehört hatte. Es war kalt und es regnete. Nach einem kurzen Frühstücksshoppen in einer um die Ecke liegenden Markthalle – Ach, wie schön es wäre einen Markt oder eine Markthalle direkt vor dem Haus zu haben und dort jeden Morgen, genau das worauf man Lust zum Frühstück hat, einzukaufen – wagten wir uns raus. Nachdem der gestrige Tag von Radfahren geprägt war, stand heute das traditionelle Touristenprogramm auf dem Programm. Zum Aufwärmen ging es in eine Kirche eingebaut in Fels, die mich aus irgendeinem Grund an die Stockholmer U-Bahn erinnerte und dass obwohl alles viel kleiner und sehr eng war. Hinauf zum Denkmal der Freiheit, wo uns die starken Windböen fast in den vogelfreien Flug schickten und schlussendlich hinauf zur Burg, wo wie ich finde die rostigen Metallstrukturen grandios mit den alten Steinmauern und Fassaden kombiniert wurden – aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Kombiniert wurde die Sightseeing-Tour mit reichlich kulinarischen Höhepunkten. Unterwegs aß ich einen der besten Kuchen, die ich seit langem gegessen habe und der auch nicht so schwer nach zu backen schien. Ein Traum aus Kakao-Nuss-Mürbeteig mit einer Schicht weich schmelzende Karamell, zugedeckt durch eine locker leichte Kakao-Sahnecreme. Süß und nicht zu schwer – einfach lecker.

Bevor es mit dem Nachtzug zurück in die Schweiz ging, entführten mich die beiden noch in eines der besten authentischen Restaurants in Budapest. Kéhli. Hier haben schon Woody Allen, Gojko Mitic und Arnold Schwarzenegger zu Tisch gegessen. Es war jedoch viel mehr das gute Essen als die Prestige, die uns in dieses Restaurant führte. Nach einer leckeren ungarischen Gulaschsuppe, die exakt wie die ungarischen Gulaschsuppen damals in der Schule schmeckten (da soll sich noch einer über das Essen in der Schule beschweren…), gab es Lammkeule mit ungarischen Spätzle und Feta und zum Nachtisch Schneeeier. Nie wäre mir in den Sinn gekommen, dass man aus Eiweiß noch etwas anderes gutes als Baiser machen kann. Doch so wurde das Eiweiß geschlagen, der Eischnee anschließend kurz in heißem Wasser gebadet und dann in Vanillesoße schwimmend serviert. Es war gar nicht so einfach sich ein Stück von dem Schneeei zu ergattern ohne dass es aus der Schale hoppst. Am Ende haben wir es irgendwie geschafft und ich war ausreichend gesättigt für eine lange Zugfahrt.

Um die Stadtführung zu vervollständigen und damit ich alle großen Bahnhöfe Budapests gesehen habe (Nein, ich bin keine Bahnhofsfan. Es hat sich einfach so ergeben), ging es mit der neuen U-Bahn vorbei an futuristischen U-Bahnhöfen zum alten Keleti Bahnhof. Beeindruckend hübsch und imposant, besonders am Abend.

Auf zum Nachtzug nach Zürich.

Budapest_3Grünes Budapest – Der Frühling ist schon angekommen.

Verfasst von: Juli. | 24. April 2016

48 h Budapest (1)

Nach nur zweieinhalb Stunden Zugfahrt durch die grünen Felder und Wälder in das sanfte Licht des Sonnenuntergangs eingehüllt, erreiche ich Budapest. Die Landschaft, die an dem Fenster vorbeisaust, erinnert mich an meine Heimat und ihre endlose Weite.

Ich freue mich ein paar Freunde zu besuchen, die sich viel Zeit nehmen mir das andere Budapest zu zeigen. Der hochmoderne neue Bahnhof steht im Kontrast zu ihrer neugekauften (bisher noch unbewohnbaren und stark baufälligen) Wohnung mit der grandiosen Dachterrasse, die man im Sommer leider nicht betreten kann, weil der Boden unter der Hitze davon schmilzt und von der man dennoch einen wunderschönen Ausblick auf das alte und neue Budapest sowie das Naturschutzgebiet Sas-hegy hat. Es ist ein fließender Übergang zwischen kleinen charmanten Häusern mit Dächern in Erdfarben und den hässlichen grauen Hochhäusern, die dominant darüber hinaus ragen.

Wenn man im Hochsommer die Terrasse nicht mehr betreten kann, dann bleibt immer noch der Garten. Ein charmanter grüner Urwald mit Kirsch- und Pfirsichbau, dessen Boden gerade von endlos vielen blühendem Löwenzahn bedeckt ist, deren Pollen im Winde umherfliegen. Ich kann mir vorstellen wie der Garten und ihre Wohnung in ein paar Monaten und nach einer Menge Arbeitsstunden sehr schön aussehen werden. Sie haben viele Pläne und werden keine Mühe scheuen diese umzusetzen.

Mit der alten laut ratternden Straßenbahn geht es in den Norden der Stadt, in die alte Wohnung, die mit viel Finesse modernisiert wurde und für Budapest (oder vielleicht ganz Ungarn) höchstmodern aussieht.

Am nächsten Morgen schwingen wir uns auf die Fahrräder. Es geht zunächst nach Sas-hegy, auf den Hügel aus Kalkstein, der umzingelt von Häusern zu allen Seiten wie eine kleine Insel aus der Stadt hervorragt. Wir sehen viele Eidechsen, lauschen den Vögeln und genießen den Blick auf die Donau und Buda. Zum Mittagessen geht es in die wunderschöne alte Markthalle und auf einmal sind wir mittendrin im Touristenstrom. Ich treffe den Mongolen, der am Tag zuvor mit mir im Zug nach Budapest saß. Nach einer Stärkung mit einem so reichlich belegten Langos, dass ich nur mit Mühe und Not Tomaten, Rucola, Feta und Lauchzwiebeln vorm Absturz retten kann, geht es zum Highlight des Tages. I bike Budapest. Einer Protestbewegung,  die ein fahrradfreundlicheres Budapest fordert und zufällig genau an diesem Wochenende stattfindet. Gemeinsam mit tausenden Radlern fahren wir mehr als 2,5 Stunden quer durch die Stadt von Pest nach Buda, von Buda nach Pest und zum Abschluss auf die Margareteninsel. Eine schönere Stadtführung hätte ich mir nicht wünschen können. Zum Finale stemmen alle triumphreich ihre Fahrräder in die Höhe. Ein einzigartiger Anblick.

13064480_1202782116399158_588314899360967101_o(Foto: Krisztian Bodis Photography)

Nachdem wir uns nach dem plötzlichen Platzregen wieder getrocknet und gestärkt hatten, zeigten mir die beiden noch eines der so bekannten Ruinenpubs. Wow! Ich war beeindruckt von der Atmosphäre, die in dem alten Haus herrschte. Überall hing etwas Kitsch, Dinge vom Flohmarkt oder andere merkwürdige Zeugen der Zeit –  einzeln (und bei Tageslicht ganz sicherlich) hässlich, doch zusammen ergab es ein stimmiges Bild und eine einmalige Atmosphäre. Ich erinnerte mich an eine Elektroparty auf der ich mal vor vielen Jahren in Leipzig war und die auch in einem leerstehenden Haus stattfand. Das hatte allerdings nicht halb so viel Charme. Dennoch tanzten wir die ganze Nacht durch das Haus, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt elektronische Musik wirklich schrecklich fand. Wir genossen die Freiheit und den Moment.

Verfasst von: Juli. | 22. April 2016

Fehlplanung

DSCN8487Es ist Freitag, der letzte Tag der Mega-Konferenz. Während der vergangenen Tage war schon zu sehen, dass sich alles langsam dem Ende zuneigt. Die Menschen wirkten ermüdet. Es gab nur noch billige Doppelkekse, statt mit Karamellcreme gefüllte Chocolate Chip Cookies in der Kaffeepause und auch Bier und Wein waren zur abendlichen Posterpräsentation nach gefühlten 5 Minuten alle. Es ist der letzte Tage und schon seit gestern Abend sieht man Leute mit Rollkoffern direkt nach den Präsentationen zum Flughafen stürmen. Das zieht sich heute fort. So sind die Messestände im Eingangsbereich schon seit Mittag am Abbauen. Es gibt kaum noch etwas zu essen und die Korridore und Vortragsräume sind merklich leerer als in den vergangenen Tagen. Mein Beileid an alle die heute Abend von 17:30 bis 19:00 noch ihre Poster präsentieren müssen. Ich erwarte gähnende Leere und bin froh, dass ich schon gestern dran war. Fehlplanung von oberster Stelle nenne ich dieses Konzept, denn es ist es doch kein Wunder, dass sich unter diesen Bedingungen die Aufbruchstimmung der Organisatoren auf die Teilnehmer überträgt und viele von ihnen Freitagabend schon gern wieder bei ihren Familien verbringen möchten.

Ich habe also einmal mehr alles richtig gemacht als ich mich nicht in der vom Thema nur mittelmäßig passenden Session eines Kollegen angemeldet habe. Denn sonst würde ich mir heute Abend auch in der leeren Halle neben meinem Poster die Beine in den Bauch stehen. Doch stattdessen steige ich gut gelaunt in den Zug und freue ich auf das Wochenende in Budapest.

Verfasst von: Juli. | 20. April 2016

Wien – meine Eishauptstadt

Sommerzeit (und dazu zähle ich auch warme sonnige Frühlingstage) ist Zeit zum Eis essen. Aufgrund eines Mangels an Eiscafés in der Schweiz, nutze ich jede Gelegenheit außerhalb der Schweiz zum Eis essen. Schon letztes Jahr habe ich zwei sehr gute Eisdielen in Wien entdeckt und mich an mysteriöses Kürbiskernöleis gewagt. Sehr lecker, kann ich nur sagen. Wie Sahneeis mit dem Geschmack von Kürbiskernen, keine Spur von Öl. Für jeden der gern die Kürbiskerne vom Brot abknabbert – genau das richtige.

Dieser Tage wagte ich mich also an ein paar neue Geschmacksrichtungen. Das unspektakulär klingende Zitrone-Melisse bot eine wunderbare Erfrischung für heiße Sommertage und das experimentierfreudige Basilikumeis mit Reismilch, könnte fast mein neuer Favorit werden. Zu meinem Müsli würde ich niemals Reismilch mischen, denn das finde ich ungenießbar, aber ehrlich gesagt hat es im Eis mehr nach Kokosmilch geschmeckt und das war unerwartet lecker. 0815 – waren beide Sorten nicht, denn sie waren vegan! Äh, warum jetzt auch noch vegane Eiscreme? Nun ja, weil Veganer ebenso das Recht auf cremiges Eis haben wie Laktoseintolerante Personen und weil es dazu erstaunlicherweise sogar möglich ist sehr sehr leckeres Eis aus Soja-, Reis- oder Kokosmilch herzustellen. Da ich gern mal etwas Neues ausprobiere, landete ich nun aufgrund einer Empfehlung einer Freundin im Veganista. Einfach lecker! So lässt sich der Sommer genießen.

Ich freue mich schon auf nächstes Jahr. Mal schauen welche Eissorten ich dann neu entdecke.

Verfasst von: Juli. | 19. April 2016

Im Supermarkt

Darf Ich dich was fragen? Warum laufen hier eigentlich so viele Leute mit diesen Basukas [zeigt auf meine wirklich massiv aussehende schwarze Posterrolle mit ca. 10cm Durchmesser] herum? In den letzten 15 Minuten habe ich mindestens 5 Leute mit so einem Ding gesehen…

Dass wir uns gerade an einem Verkehrsknotenpunkt in Wien befinden, hier gerade die weltweit zweitgrößte Konferenz für Geowissenschaften stattfindet und Wien für die nächsten Tage vorübergehend ca. 13000 mehr Einwohner hat, erklärt das vielleicht und befriedigt auch den neugierigen Österreicher. Wenn man sie nicht an den Posterrollen erkennt, dann an ihren blauen Schlüsselbändern und den Namensschilder mit denen sie in jeder Ecke der Stadt zu finden sind. Egal wie gut das Restaurant versteckt ist, man kann sich sicher sein, dass schon jemand mit einem blauen Halsband dort ist.

Es ist eine Invasion.

Verfasst von: Juli. | 18. April 2016

Guten Morgen Wien

Ich fahre Zug. Nicht nur aus Überzeugung und um meine CO2-Emissionen niedrig zu halten, sondern auch weil ich es entspannend finde. Ich fahre Zug, weil ich dort mehr Freiraum habe und lesen kann im Gegensatz zu einer Bus- oder Autofahrt und weil ich sowieso kein Auto habe.

Ich fahre Nachtzug. Nicht nur, weil ich Zugfahren mag, sondern auch weil langsam Reisen ein tolles Gefühl ist. Am nächsten Morgen in einer anderen Stadt auszusteigen und beim Aufwachen live dabei zu sein, das ist manchmal spannend, manchmal ermüdend. Oft bin ich am Morgen nicht so fit wie die Werbung der DB beteuert. Doch es ist immer ein Abenteuer.

Einmal hat mir ein kleines Mädchen eine Gute Nacht Geschichte vorgelesen.

Ein anderes Mal hat ein Junge die halbe Nacht geweint, weil sein Papa zu Hause geblieben ist und er eine Woche mit Mama allein auf Reise war.

Wieder ein anderes Mal wollten zwei Schwestern (ca. 6 und 8 Jahre alt), die ganze Nacht durchmachen und sich wilde Geschichten erzählen. Stattdessen sind sie nach einer halben Stunde Zugfahrt während ihr Vater telefonierte, im selben Bett eingeschlafen.

Viele Male hat jemand geschnarcht. Einmal so stark, dass die über mir liegenden Jugendlichen trotz reichlich Baldriantropfen nicht schlafen konnten und Kissen auf die Schnarcherin geworfen haben. Erfolglos.

Dieses Mal ist der Zug wieder komplett ausgebucht. Das liegt nicht nur daran, dass es die Nacht von Sonntag auf Montag ist, sondern auch daran, dass heute eine große Konferenz in Wien beginnt und die Bahnverbindung mit dem Nachtzug optimal ist. So ist der Zug gefüllt mit ein paar der 13000 Wissenschaftlern, die sich auf den Weg in die österreichische Hauptstadt machen.

Nach einer ruhigen Nacht mit Frühstück ans Bett, was es bei der DB nur gegen Aufpreis gibt (und dann muss man dafür sogar noch das Bett verlassen😉 ), müssen wir aussteigen.

Guten Morgen Wien. Der Tag kann beginnen.

Nachtzug-Collage

Eine Nacht in der Santos Express Train Lodge (Mossel Bay), einem Hostel in einem stillgelegten Nachtzug, ist nichts für Menschen mit Platzangst.

Verfasst von: Juli. | 25. März 2016

Monetisierung

Zurück im heimischen Supermarkt fällt mir ein großer Plastikbeutel voll Zwiebelschalen in der Obst- und Gemüseabteilung auf. Wohlgemerkt mit einem Preisetikett versehen! Auf der Verpackung laufen ein paar Hühner umher. Soll das das neue Hühnerfutter sein? Überrascht und kopfschüttelnd frage ich mich, ob man hier in der Schweiz mit allem Mist Geld verdienen will…

Meine Kollegen klären mich später auf, dass bald Ostern ist und die Zwiebelschalen prima zum Eier färben verwendet werden können. Polternd fällt das Brett vor meinem Kopf auf den Boden. Auf natürliche Weise Ostereier färben ist toll. Aber fallen nicht beim Kochen schon genügend Zwiebelschalen an…

Entspannte Osterfeiertage mit oder ohne Zwiebelschalen.

Verfasst von: Juli. | 20. März 2016

Teil 2: Bergmomente

Schon aus ca. 60 km Entfernung den Sir Lowrys Pass hinunter fahrend, kann man die Umrisse erahnen.  Auf der N2 entlang bahnen wir uns langsam einen Weg näher an die Stadt und mit jedem Kilometer wird sein Umriss stärker. Das fade Blaugrau verwandelt sich langsam in kräftiges Braungrau mit einem kleinen Blauschimmer. Die Fahrt scheint endlos. Sie ist endlos. Minute um Minute vergeht, wir sind noch lange nicht im Stadtzentrum, noch nicht einmal in Kapstadt und doch sehen wir den Tafelberg klar vor uns. Magisch ragt er über der Stadt empor.

Blick von der N2 auf den Tafelberg und Devil's Peak (links)

Ich liebe die Fahrt vom Flughafen in die Stadt hinein. Vorbei an Wellblechhütten und kleinen Betonhäusern mit Solaranlagen auf dem Dach, an heruntergekommenen Autos und streunenden Hunden sowie grasenden Kühen zwischen Autobahn und Zaun bleibt der Blick beim Tafelberg hängen und schweift weiter zum Lions Head bis hin zu der Kette aus vereinzelten Bäumen auf dem Signal Hill. Zumindest wenn der Himmel klar ist und die Gipfel nicht in den Wolken versteckt, so wie bei meiner allerersten Fahrt vom Flughafen in Kapstadts Zentrum. Es war ein kühler grauer windiger Tag. Ich wusste noch nicht was mich in dieser Stadt erwarten würde und dass es mir am Ende so schwer fallen würde loszulassen.

Bei meiner Abreise bin ich froh, dass sich der Tafelberg hinter meinem Rücken versteckt. Ein Blick über die Schulter verrät, dass die Nacht bald kommt. Der Himmel strahlt in verschiedensten Farbtönen von Abendstimmung. Die Bäume auf dem Signal Hill sind nur als Schatten in sanftes orangenes Licht gehüllt, dass auch den Tafelberg umspült. Es ist die Magie dieses Anblicks, die mich gefangen hält.

Der Blick nach vorn auf die Autobahn macht den Abschied leichter. Auf ein baldiges Wiedersehen.

Ich hatte Angst, dass euch diese Stadt (und das Land) vielleicht nicht gefallen würde, wo ich doch nicht einmal selbst in Worte fassen kann, was ich hier so mag. Doch ihr habt mich eines besseren belehrt und meine Faszination geteilt. Wahrscheinlich ist es der Facettenreichtum: verschiedenen Kulturen, architektonische Style, arm und reich, und natürlich das Meer und die Berge so nah beieinander. Denn über allem wacht majestätisch der Tafelberg.

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Verfasst von: Juli. | 13. März 2016

Teil 1: Stadtmomente

DSC07017_cropDer letzte Tag ist angebrochen und wieder bin ich ein bisschen wehmütig. Nicht weil ich zurück in den tristen Winter kehre, sondern weil ich die lauen Sommerabende zurück lasse. Jetzt, wo ich durch die Stadt laufe, frage ich mich woher die Sehnsucht nach diesem Ort kommt. Zwischen modernen Neubauten und grauen Blockhäusern, Laternenpfosten mit Werbung für Abtreibung oder Penisvergrößerung, Uringeruch und schmutzigen Straßen liegen Obdachlose auf zerdrückten Pappkartons in Häuserecken. Ein Junge fragt mich nach Geld und deutet mit seinen Händen auf den hungrigen Bauch. Ich habe leider gerade keinen Snack parat und biete ihm stattdessen meine Wasserflasche an. Gestern Abend suchte ein Rollstuhlfahrer flehend unseren Blick als wir mit unserer „doggy bag“ den Eastern Food Bazar verlassen und verschlingt hastig den Rest unseres Biryanis an der nächsten Häuserecke. Hungrige Mägen begegnen uns an vielen Straßenecken.

Doch dann gibt es da noch den anderen Teil der Stadt; der nah am Wasser, wo die Möwen kreisen, die Seelöwen auftauchen und die Wellen schlagen. Der Teil, wo die Menschen mit nackten Füßen am Strand entlang spazieren, vor den stylischen Bars und Restaurants flanieren oder an der Strandpromenade entlang joggen. Ich halte mich nicht oft in diesem Teil auf und dennoch liebe ich den Blick auf die Berge, gehüllt in Gischt, gleich neben dem Atlantik auf dem Weg von Mouille Point bis Camps Bay. An der Waterfront überragt ein weißer Kran verrostete Fischkutter neben strahlend weißen Yachten und der riesigen Queen Elizabeth. Ein Seelöwe steckt seine Nase aus dem Wasser, reckt den Hals und taucht dann wieder ab. Zwei weitere liegen in der Sonne und entspannen, während mich der beißende Geruch in der Nase plagt. Dort wo sich wahrscheinlich der Großteil der Touristen aufhält, fühle ich mich manchmal fehl am Platz. Zwischen all den wandelnden Kreditkarten, Spiegelreflexkameras und Sonnenbrillen frage ich mich, ob diese Menschen auch den anderen Teil der Stadt gesehen haben.

Verfasst von: Juli. | 6. März 2016

Vogelfrei

„Im Moment leben!“, so beschrieb eine Freundin ihren Vorsatz für das Jahr 2016. Ein schönes Motto, dass in der schnelllebigen Zeit heutzutage zu oft vergessen wird. Ein Grund mehr es im Urlaub vollkommen auszuleben.

Es folgt eine kleine Collage von Glücksmomenten der 6-Tages Wanderung auf dem Tsitsikamma-Mountain-Trail in Südafrika.

Einfach mal das Stadtleben hinter sich lassen und zurück zur Natur. Kein Strom, kein Internet, keine schlechten Nachrichten, stattdessen Rauchzeichen von Waldbränden, Warmwasser kochen über dem Lagerfeuer und einsame Naturpools zwischen steilen Schluchten und dichten Wäldern. Alles ist so grün, strahlend grün! Die Augen schließen und die Wärme der Somme genießen. Sich später in der Mittagshitze einen Regenschauer wünschen oder sich über den kleinen klaren colafarbenen See freuen. Einmal untertauchen und dann nochmal und nochmal.

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So fühlt sich die Freiheit an. Frei! Frei! Frei! Frei von sozialem Druck, Arbeitsstress, Nachrichtenstrom und To-do-Listen abhaken. Den Kopf abschalten und einfach nur einen Fuß vor den anderen setzen. Links und rechts am Wegesrand unbekannte Pflanzen bestaunen, sich einen Weg durchs Dickicht schlagen, sich nasse Füße bei der Bachüberquerung holen. Hände und Gesicht im kühlen Bachwasser erfrischen. Frösche quaken. Vögel singen. Wir schwitzen und singen manchmal auch. Tief einatmen und so viel von dem was mich umgibt aufsaugen.

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Plötzlich eine Hütte, die aus dem Nirgendwo auftaucht und einen beeindruckenden Ausblick auf die umliegende Bergkette und einen kleinen Wasserfall offenbart. Staunen, wie die Sonne kurz vor ihrem Untergang alles in ein strahlend oranges Licht hüllt. Schnell zieht Nebel auf oder sind wir mitten in einer Wolke? Es regnet. Nach der kalten Dusche nackt durch den Regen zur Hütte rennen, da abtrocknen und sich trocken anziehen vergeudete Energie wäre. Luftsprünge  und durch den kühlen Sommerregen tanzen! Vogelfrei sein!

Nachts schreit eine Eule. Dann blitzt es ununterbrochen. Die ganze Nacht Stroboskopeffekt, sodass an Schlafen kaum zu denken ist. Es regnet in Strömen, zumindest klingt das so unter dem Wellblechdach. Dann als alles ruhiger zu werden scheint, schießt der Wettergott nochmal mit all seinen Mitteln. Es hagelt!

Von Sonnenstrahlen geweckt werden. Ein weiterer Tag auf Entdeckungsreise. Ein Rascheln im Gebüsch und anschließendes Philosophieren, was das gewesen sein könnte. Eine Zwergantilope oder doch nur ein Pavian? Bunte Langhaarraupen, eine handflächengroße Spinne, schimmerndgrüne Knysnaturacos vor unseren Augen. Etwas essen und genießen, dass der Rucksack immer leichter wird. Wasserreserven auffüllen. Schön, wenn man den Rucksack absetzen kann und auf das Meer schaut. Alles abwerfen und durch den Sand rennen. Rein in die Wellen, rein in die Gischt. Angekommen. Zurück in der Zivilisation.

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Im Kopf viele Fragen. Wer bin ich? Was will ich? Wohin soll es gehen? Können wir nicht für immer hierbleiben? Bin ich wirklich ein Stadtmensch? Lieben wir nur das, was wir nicht haben können? Unbeantwortet.

Einfach den Moment genießen.

Verfasst von: Juli. | 30. Januar 2016

Auf Wiedersehen (Un)sicherheit

Ich habe das Glück wieder einmal in Südafrika zu sein. Doch wo ich mich dieses Mal unwohl fühle ist nicht etwa als ich dort nach meiner Ankunft durch die Straßen laufe, sondern bevor ich Europa überhaupt verlassen habe. Als ich auf dem Flughafen eintraf, stand in jeder Ecke ein schwerbewaffneter Soldat, dazwischen noch mehr. Acht an der Zahl. In der Mitte der Abflughalle stehend, sah ich sie in allen Richtungen. Wenn ich irgendein falsches Zeichen geben würde, wäre ich in der Schusslinie aller Soldaten. Ich fühlte mich bedroht. Obwohl sie wahrscheinlich nur dort waren, um für Sicherheit zu sorgen, fühlte ich mich eher unsicher. Wenn so viele Soldaten auf Abruf bereit stehen, heißt das, dass man von einer aktiven Bedrohung ausgeht? Oder ist der Flughafen nach den Vorkommnissen der letzten Monate täglich so abgesichert? Sollte ich mich jetzt nicht eigentlich sicher fühlen? Eines war klar ich musste hier raus. Mein Puls raste. Die frische Luft tat gut und während ich auf meine Kollegen wartete, hoffte ich nur, dass das kein schlechtes Ohmen für diese Reise ist.

Eine halbe Stunde später, kurz vor der Sicherheitskontrolle, werfe ich einen Blick zurück in die Abflughalle und alle Soldaten samt Polizisten sind wie vom Erdboden verschluckt. Gab es eine falsche Warnung oder waren sie nur in der Mittagspause?

Seit zwei Tagen bin ich nun in Südafrika. Lief allein durch die Strassen, habe afrikanische Gastfreundschaft und Humor kennengelernt, wurde von Bettlern verfolgt und doch gab es keinen Moment an dem ich mich so unsicher fühlte wie vor meinem Abflug aus der so gesicherten Schweiz.

Willkommen zurück in Afrika.

Verfasst von: Juli. | 24. Januar 2016

Wintertraum?!

Von Schnee bedeckte Häuserdächer, die die Dörfer im Mondlicht beim Vorbeifahren mit dem Nachtzug wie ein Miniaturwinterwunderland aussehen lassen. Ein Knirschen unter den Füßen bei jedem Schritt. Sich selbst drehend mit ausgebreiteten Armen und Blick zum Himmel jede Flocke einzeln auffangen (wollen). Schneeflocken auf dem Mantel, die sich langsam in kleine Wassertropfen verflüchtigen. Sonnenstrahlen auf einer unberührten Schneefläche. Sich eingepackt von Kopf bis Fuß der Sonne zuwenden und ihre Wärme spüren. Einen Schneeball formen und treffsicher platzieren. Eiszapfen jeder Größe an einer Dachrinne. Durch den Schnee stapfen und bis zum Knie einsinken. Pulverschnee im Gesicht, eine wohltuende Abkühlung während einer langen Schneeschuhwanderung. Ein Schlittenrennen wie in einem MarioKart-Spiel. Sich unter einer kuscheligen Wollmütze verstecken. Beim Rodeln von der Bahn abkommen und mit dem Schlitten im Tiefschnee stecken bleiben. Eine Schneeballschlacht. Einen Berg hinunterrennen, sich überschlagen und mit einem Lachanfall durch den Schnee rollen bis überall weiß ist. Sich von unzähligen Kleidungsschichten befreien und sich anschließend unbeschwert und frei fühlen. Die Hände an einer Tasse mit heißer Schokolade aufwärmen und die eiskalten Füße eingehüllt in bunte selbstgestrickte Wollsocken am Ofen auftauen. Eine warme Dusche. Auf dem Fenstersims sitzen und in den sternenklaren Himmel hinausschauen während der eiskalte Wind draußen um die Häuser heult. Eisblumen, die sich auf der Fensterscheibe formen. Das erste Mal um den Vollmond herum ein Halo sehen. Vom Mondlicht angestrahlte Eiskristalle, die die Luft in einer eisigen Nacht in einen endlosglitzernden Schleier hüllen.

Durch die eiskalte Nacht und den Neuschnee tanzen.

Kein Traum, sondern Glücksmomente im Winter.

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Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.
Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die es nicht mehr gilt.
Früher waren sie Kinder,
dann wurden sie Erwachsene,
aber was sind sie nun?
Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.

– Erich Kästner

Verfasst von: Juli. | 20. Januar 2016

Sprachliche Segregation statt…

Integration, die; Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit. (Duden)

Nicht nur als Flüchtling hat man mit der Integration zu kämpfen, sondern auch als Zugezogener. Vielleicht habe ich es etwas einfacher mich einzugliedern, da ich zumindest eine der offiziellen Landessprachen fließend spreche. Zumindest theoretisch, denn oft muss man beim Schweizerdeutsch die Verbindung zum Hochdeutsch suchen.

Als ich hier ankam, habe ich kaum etwas verstanden. Meistens war das Französisch sogar einfacher als Schweizerdeutsch. Einige Schweizer waren auch so unkooperativ, dass sie sich nicht einmal die Mühe machten sich verständlich zu machen. Bei der Eröffnung meines Bankkontos erklärte mir die Dame dreimal dasselbe (wahrscheinlich auch exakt mit derselben Wortwahl). Ich habe ihr dreimal gesagt, dass ich sie nicht verstehe und gefragt, ob sie es noch einmal wiederholen kann. Erst beim vierten Mal hat sie dann unfreundlich mit Müh und Not versucht Hochdeutsch zu reden.

Bevor ich hier herkam, dachte ich die Schweizer hängen einfach überall -li ran. Machen sie oft, aber die Sprache besteht aus viel mehr als nur den Verniedlichungsformen und dem harten aus dem Rachen kommenden „ch“. Schweizer Hochdeutsch heißt die offizielle Variante des Hochdeutschen. Schwyzerdütsch, so sagt und schreibt man das hier, ist dagegen die Sammelbezeichnung für Dialekte deutschen Ursprungs in der Schweiz.

Hier schniiet es, statt zu schneien. Jeder ist frii, statt frei.

Hier ässe man ununterbrochen Zmorge, Znüuni, Zmorge, Zvieri und Znacht meist zu Huus, aber manchmal auch nüüt. Manchmal, ja manchmal da gönne ich mir auch mal ein Essen auswärts bei min Kolleeg. Dann ässe mir Fondü [Betonung auf der ersten Silbe], Gipfeli und trinke Wy, wo sie mitgebracht han. Merci [erste Silbe betont] dafür.

Hier geht man schaffen, statt zu arbeiten.

Das sind natürlich nur Auszüge aus dem Schwyzerdütsch. Schreiben darf man so wie man es hört – da gibt es keine Regeln. Viel mehr kann ich allerdings nicht schriftlich festhalten, die paar Sätze oben übertreffen schon meine Schmerzgrenze. Ich versuche es gern zu verstehen, aber schreiben und sprechen möchte ich es nicht. Nicht nur weil es sich für mich nicht richtig anfühlt in einem anderen Dialekt zu sprechen, sondern auch weil ich es nicht besonders hübsch klingend finde. Dann oute ich mich lieber und spreche Hochdeutsch. Bin ich nun zu stur mich zu integrieren?

Ganz und gar nicht, aber ich bin schon froh, wenn ich meine Muttersprache korrekt sprechen kann. Die möchte ich mir dann nicht noch mit grausamer Grammatik verderben. In falscher Grammatik sind einige Schweizer Dialekte nämlich auch spitze. Ich bekomme regelmäßig Ohrenschmerzen, wenn ich so manche grammatikalischen Ergüssen, wo (statt: die/welche) es hier hat (statt: gibt), höre.

Aber das Schwyzerdütsch hat auch ein paar feine Details, die ich sehr mag. Die unauffällige Beimischung von französischen Wörtern im Alltag macht die Sprache unglaublich sympathisch und so fahre ich nun Velo zur Arbeit und sage „Merci!“ (zweite Silbe betont!).

Vor ein paar Tagen war ich hier beim Poetry Slam und entgegen meiner Befürchtungen hatte ich nur bei einem der acht Künstler Verständnisprobleme. Ich habe mich also schon ganz gut reingehört in die neue Sprache. Mit meinem Besuch im Baseldytsch Theater warte ich allerdings lieber noch etwas.

Übrigens gibt es am Sprachenzentrum jetzt auch Kurse in Schweizerdeutsch. Ich lerne lieber Suahili.

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Verfasst von: Juli. | 10. Januar 2016

Vom Loslassen, Festhalten und echten Freundschaften

Mit jedem Umzug habe ich neue Freundschaften geschlossen und musste mich von alten verabschieden. Es ist toll Freunde auf jedem Kontinent zu haben. Nur für den Fall, dass ich auch mal wieder einen anderen Kontinent bereise, kenne ich also auf irgendeiner Ecke der riesigen Landmasse jemandem bei dem ich vielleicht unterkommen könnte und mit dem ich mich über alte Zeiten unterhalten könnte. Doch ist es nicht viel wichtiger jemanden vor Ort zu haben, denn wie oft fliege ich quer durch die Welt?

Ein Skype-Gespräch kann die Zeit überbrücken, aber es kann nicht gemeinsame Erlebnisse ersetzen. Gemeinsam eine heiße Schokolade trinken, einen Film schauen, die Eissorte des Freundes testen – all das macht in der realen Welt doch viel mehr Spaß. Dennoch ist es mit Hilfe des Internets so leicht wie nie zuvor Fernbeziehungen und Fernfreundschaften zu erhalten.

Ich bereue nicht, dass ich so viel unterwegs war. Doch ich weiß sehr wohl, dass es vieles komplizierter gemacht hat und dass ich mich mit jedem Umzug von einigen Personen mehr entfernt habe. Nicht alle Freundschaften überdauern weite Distanzen. Ich habe irgendwann akzeptiert, dass ich einige schöne Momente verpasst habe, während ich wiedermal auf Reisen war und selbst schöne Momente sammelte. So ist es halt. Unterwegs habe ich viel über mich selbst, über meine echten Freunde und die Personen von denen ich dachte, wir wären Freunde gelernt.

Freundschaft kann man nicht erzwingen. Sie kommt mit der Zeit oder eben nicht.

Ich bin kein Mensch der schnellen Freundschaften. Eine richtig gute Freundschaft schließe ich nicht in zwei Monaten. Ich brauche Zeit, um aufzutauen und nicht nur die komische nichts trinkende Introvertierte zu sein. Ich brauche Zeit, um mich jemandem anzuvertrauen. Und ich will auch einfach nicht gleich jedem mein ganzes Leben und meine Persönlichkeit aufbinden. Es ist anstrengend neue Freunde zu suchen und zu finden. Ein Phänomen wovon wahrscheinlich fast jeder Austauschstudent oder Langzeitreisende erzählen kann. Jeden Abend derselbe Smalltalk mit neuen Personen, das nervt und erinnert mich an Speed-Dating. Aber wo oder wie findet man sonst Freunde?

Freundschaft ist unberechenbar.

Manchmal weiß man gleich bei der ersten Begegnung, das es einfach passt und manchmal erkennt man erst Jahre später was für einen guten Freund man eigentlich hat. Es gibt nur wenige Menschen in meinem Leben, die gleich bei unserer ersten Begegnung die Tür zu meiner Persönlichkeit öffnen konnten. Aber es gibt sie und ich bin dankbar, dass ich sie getroffen habe.

Freundschaft ist loslassen.

Ich habe gelernt, dass die Zeit zeigt, wieviel eine Freundschaft wert ist. Ich habe akzeptiert, dass ich nichts davon gewonnen habe, wenn ich in Brief- oder Emailkontakt bleibe und mich dann jedes Mal ärgere, wenn eine Antwort erst ein halbes Jahr später kommt. Ich habe akzeptiert, dass einige meiner Freunde aus der Schulzeit sich einfach nicht mehr melden, obwohl ich gern in Kontakt geblieben wäre. Ich habe mich selbst aus einigen Freundschaften zurückgezogen, weil ich erkannt habe, dass wir uns eigentlich sowieso nichts mehr zu sagen haben und weil es mich nicht weiterbringt über alte Kamellen zu lachen, wenn uns heute nichts mehr vereint. Es ist wie einen Rucksack voller Erinnerungen aufzuräumen. Dort sind viele schöne Momente verstaut, die ein Teil meines Lebens sind und die ich nicht vergessen werde, aber ich muss nicht alle die ganze Zeit mit mir herumtragen, dafür sind die zu schwer. Ich habe gelernt zwischen Freundschaften, in die es sich lohnt zu investieren und denen die mehr aus Geben als Nehmen bestehen, zu unterscheiden.

Ich habe gelernt loszulassen. Es funktioniert meistens.

Freundschaft überdauert.

Ich habe erkannt, dass für einige Freundschaften kein regelmäßiger Kontakt nötig ist. Irgendwann trifft man sich und es ist als hätte man sich erst letzte Woche gesehen. Ein anderes Mal braucht man Hilfe und genau in diesem Moment denkt jemand an einen. Eine Nachricht, eine Postkarte, ein Anruf im richtigen Moment. Diese Freundschaften sind unbezahlbar.

Freundschaft ist ein Abenteuer.

Eine Reise kann vieles verändern. Manchmal ist sie der Beginn für eine enge Freundschaft, weil man viel Zeit hat über Gott und die Welt zu reden. Manchmal endet sie in Streit und kann eine Freundschaft zerstören. Vielleicht hat mich meine Unkompliziertheit bisher vor letzterem bewahrt und meine Freundschaften wurden auf Reisen eher gestärkt. Vielleicht bin ich auch einfach instinktiv mit den richtigen Personen fort gewesen.

Ich bin dankbar für die Freunde, die akzeptieren, dass ich so viel unterwegs war/bin und die mit mir gemeinsam diesen Weg gehen. Manchmal auch ohne Worte und heute mit ganz vielen Worten, einer Ode an die Freundschaft. Das letzte Jahr war nicht einfach und rein zufällig geprägt von vielen Wiedersehen. Danke an jeden, den ich wieder getroffen habe. Denn Freundschaft gibt mir die Kraft, die ich nicht geglaubt hätte zu haben. Sie motiviert mich und treibt mich an.

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